Mittenwalds SPD-Bürgermeister Enrico Corongiu.
+
Mittenwalds SPD-Bürgermeister Enrico Corongiu.

Corona, Schwimmbad, Hochstraße

100 Tage im Amt: Kein leichter Start für Bürgermeister Enrico Corongiu

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
    schließen

Seit 100 Tagen ist Mittenwalds Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) im Amt. Zeit, um ein erstes Fazit zu ziehen. Ein Zuckerschlecken war es für ihn bislang keinesfalls.

Mittenwald – Es ist wie in einer Zeitmaschine. Das betont Enrico Corongiu (SPD) gleich mehrmals. Er steigt in sie ein, wenn er am Montagmorgen im Rathaus den Türgriff in die Hand nimmt. Dann ist schon wieder Freitag. „Alles dazwischen vergeht wie im Flug.“ Die drei Monate waren ein Fingerschnipper. Ein Zuckerschlecken keinesfalls. Zeit also für ein erstes Fazit. Denn morgen sitzt Corongiu seit genau 100 Tagen im Chefsessel des Rathauses, nachdem er bei der Stichwahl im März Altbürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) entthront hatte. „Ich rechne nicht mehr in Tagen, sondern schon in Monaten“, sagt er schmunzelnd.

HOCHSTRASSEN-DEBATTE

Viel hat er lernen müssen seit seinem ersten Arbeitstag am 4. Mai. „Es war kein leichter Start. Und leicht ist es immer noch nicht.“ Aus dem Idealist ist ein Realist geworden – spätestens seit der hochemotionalen Hochstraßen-Debatte. Ursprünglich wollte er den Wirten dort Gutes tun. Der Bitte Hubert Aiwangers (Freie Wähler) nachkommen. Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident wollte, dass die Bürgermeister ihren Gastronomen schnell und unbürokratisch helfen.

Unter Corongius Verantwortung sind die Sondernutzungsflächen erweitert worden. „Gebührenfrei“, betont er. Kneipen und Cafés konnten großzügiger aufstuhlen, was zu Platz-Problemen mit der Feuerwehr führte (wir berichteten). Corongiu stemmte sich daraufhin gegen einen Ratsbeschluss und war plötzlich derjenige, der nun den Wirten die gewonnene Freiheit wieder wegnehmen musste. Sein Fazit daraus: „Eine Ursache, also alles was ich tue, hat auch immer eine Wirkung.“ Und er räumt ein: „Wenn man etwas längerfristig plant, muss es gut durchdacht sein.“

Deshalb hat sich in der letzten Gemeinderatssitzung ein Arbeitskreis zum Thema Verkehr gebildet. Beim ersten Zusammentreffen am gestrigen Donnerstag wohnte er bei.

FINANZEN

Wie bei allen neue Bürgermeistern ist auch Corongius Start von Corona überschattet worden. Wie sich die Krise auf die Einnahmen der Marktgemeinde auswirkt, ist noch eine „Black Box“, sagt er. Also völlig unklar. Kurbeiträge, Gewerbesteuer und der größte Posten im Haushalt, die Einkommenssteuer – sie werden alle in den nächsten Monaten noch „sehr unberechenbare Auswirkungen auf den Haushalt haben“. Deshalb ist er bis jetzt „sehr vorsichtig mit der finanziellen Lage“ umgegangen. Die Gewerbetreibenden unterstützten er und seine Verwaltung in Form von Stundungen.

Auch den Rotstift musste er bereits zücken. „Nur absolut nötige Investitionen werden getätigt.“ Corongiu gibt aber ganz vorsichtig Entwarnung: „Die finanzielle Situation ist bislang nicht bedrohlich.“ Das liegt vor allem daran, dass die Kommune „in den letzten Jahren vernünftig gewirtschaftet und ausreichend Rücklagen gebildet hat“.

SCHWIMMBAD

Noch Ende Februar während der Podiumsdiskussion des Tagblatts mit den drei Mittenwalder Bürgermeister-Kandidaten war für Corongiu eines klar: Als erstes großes Projekt will er ein neues Schwimmbad in Angriff nehmen. Nach den ersten 100 Tagen im Amt ist er ruhiger und realistischer geworden. Nicht nur wegen Corona.

„Es gibt aktuell keinerlei Förderungen für ein neues Schwimmbad“, räumt er ein. Höchstens einzelne Bereiche in einem Bestandsbau, wie ein barrierefreier Zugang. Das Thema steht jetzt erst einmal hinten an. „Wir brauchen zuerst grobe Überlegungen, was wir eigentlich wollen.“ Im Frühjahr 2021 wird sich der Gemeinderat mit dem neuen Finanzplan befassen. Dann könnte über ein Schwimmbad gesprochen werden.

HOTEL-PROJEKTE

Die Hotelprojekte sind trotz Corona weitestgehend am Laufen. Nicht wenige erwarten mit Spannung die Rolle des neuen Bürgermeisters bei den Planungen rund um das umstrittene aja-Hotelprojekt an der Bahnhofstraße. Einige fürchten sich vor ein voluminöses Bauwerk wie jenes an der Garmisch-Partenkirchner St.-Martin-Straße.

„Experten arbeiten momentan an einer Verträglichkeitsstudie“, sagt Corongiu. Schon im September könnten die Ergebnisse vorgestellt werden. Den Kontakt zu den Investoren hat er zwischenzeitlich nicht abgebrochen. Corongiu stellt aber klar, dass das letzte Wort in Sachen Gestaltung noch nicht gesprochen sei. „Die Investoren können nicht bauen, wie sie wollen.“ Auch über den Grundstückspreis will er weiter verhandeln.

Die Planungen für das Budgethotel mit Supermarkt an der Ladestraße Ost befinden sich in der Zielgeraden. „Der Bebauungsplan wird nach der Sommerpause im Gemeinderat behandelt.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare