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Einmal durch Deutschland: Die Brüder (v.l.) Wulf, Dierk und Kasten Peters vor ihrem Geburtshaus in der Ballenhausgasse. 

Drei Brüder auf Abenteurerreise

1225 Kilometer zurück in die Mittenwalder Heimat

Mit dem Fahrrad von Hamburg nach Mittenwald. Die Brüder Wulf, Dierk und Karsten Peters haben sich bei ihrer Tour auf eine Reise begeben, die sie zurück zu ihren Wurzeln führte.

Mittenwald – Sie sind Brüder, stammen alle aus Mittenwald und sehen sich nicht allzu so oft. Deshalb war der gemeinsame Urlaub, zu dem Wulf (69), Dierk (67) und Karsten (66) Peters aufgebrochen sind, ohnehin schon etwas Besonderes. Dass die drei mit dem Fahrrad zurück in ihre Heimat fahren und die Tour zudem unter ein Thema gestellt haben, lässt die Reise unvergesslich werden.

Startpunkt war der Zollspeicher in Hamburg – jener Stadt, in der Wulf und Dierk Peters heute leben. Ihr Bruder Karsten reiste aus Schweiz an. Da in Mittenwald heuer der Bozner Markt gefeiert wurde, kamen sie auf eine spezielle Idee: Die alte Handelsroute wird mit Tuchen und Stoffen in Verbindung gebracht. Deshalb wollten sie ihre Radtour danach ausrichten. „Wir haben uns Etappenziele ausgesucht, die früher auch Handelsorte waren und dort Gewand- oder Handelshäuser ausfindig gemacht und besucht“, erklärt Wulf. Zwei Wochen lang ging es quer durch Deutschland. Nach Lüneburg, Salzwedel, Tangermünde an der Elbe, Magdeburg, Halle, Bamberg, Nürnberg, Augsburg und als letzte Station nach Schongau mit seinem Ballenhaus. Insgesamt radelten die Brüder 1255 Kilometer runter. „Ohne Panne und Materialschaden“, betont Wulf, „obwohl es keine neuen Fahrradmodelle oder E-Bikes waren.“

Während des Strampelns gab es viel Zeit, zurückzublicken. „Wir sind alle als Hausgeburten in Mittenwald im Christopherus-Haus in der Ballenhausgasse aufgewachsen“, erzählt der älteste Bruder Wulf. Und das, obwohl Vater Heinz aus Hamburg kam und die Mutter Gerta (97) aus Saarbrücken stammte. Im Saarland hatten sich die beiden kennengelernt gelernt und geheiratet. Da nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeitstellen in Deutschland rar waren, kam Karl Karner (Ruaßer) aus dem Isartal seiner damals in ganz Deutschland verstreuten Familie zu Hilfe und holte alle nach Mittenwald. „Er war mit unserer Tante Martha verheiratet“, beschreibt Dierk die Verwandtschaftsverhältnisse.

Der „Ruaßer Karl“ hatte seine Familienangehörigen aber nicht nur unter das Karwendel geholt. Er verschaffte allen auch eine Heimarbeit im Bereich Holz und Klöppelei. „Unser Vater Heinz war damals Sparkassenbeamter“, beschreibt Karsten die Lage. „Er hat das Finanzielle geregelt und fungierte als Übersetzer bei den Amerikanern, weil unsere Produkte auch in die USA verkauft wurden.“ 1952 zog die Familie Peters mit ihren drei Söhnen nach Hamburg, weil der Vater dort eine Anstellung bekommen hatte. „Erst 1964 haben wir mit unserer Mutter einen Ausflug nach Mittenwald unternommen“, erinnert sich Wulf. „Weil Karners Tochter hier eine Wohnung hatte, sind unregelmäßig immer wiedergekommen.“ Ganz abgerissen ist die Verbindung mit der Marktgemeinde nie.

Und erzählen noch heute gern von einer Heldentat ihres Onkels. „Er hat Ende der 1940er Jahre herausbekommen, dass die Glocken der Mittenwalder Kirche St. Peter und Paul im Hamburger Hafen gelandet sind und dort auf die Verschiffung zur Einschmelzung in den USA warteten“, berichtet Wulf. „Dem ,Ruaßer Karl‘ ist es dann in einer Nacht- und Nebelaktion gelungen, die Glocken nach Mittenwald zu bringen und wieder installieren zu lassen.“

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