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Kämpfen für die Ortsumgehungen: (v. l.) Ursel Kössel, Hans Sedlmaier, Andreas Wieland, Andre Scheerer und Josef Ostler von der Bürgerinitiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“.

Plakataktion der Bürgerinitiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“

Friedlicher Protest der Anwohner

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Sie hängen wieder. Knallgelb, von Weitem sichtbar und mit einem eindeutigen Anliegen versehen. Mit einer Plakataktion entlang der Durchfahrtsstraßen macht die Bürgerinitiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ auf ihre Forderungen aufmerksam.

Garmisch-Partenkirchen – Geduld. Die musste gerade während der Faschingstage jeder mitbringen, der in Garmisch-Partenkirchen unterwegs war. Traumhaftes Wetter, bestens präparierte Pisten und Ferien – eine Kombination, die regelmäßig für Stau sorgt. Das plagt die Ausflügler, keine Frage. Die wirklich Leidtragenden sind aber die Anwohner, die der ständige Lärm und die Abgase quälen. Abhilfe könnten zwei Umfahrungen bringen – eine durch den Kramer, eine durch den Wank. Für deren Bau engagiert sich seit 2002 die Bürgerinitiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“.

Zuletzt allerdings weniger lautstark, was Sprecherin Ursel Kössel mit dem Stillstand am Kramertunnel erklärt. „Mutlosigkeit“ habe sich breit gemacht, seit der Erkundungsstollen ruht. 2013 wurden die Arbeiten gestoppt. Der Hintergrund: Auf den verbleibenden 348 Metern bis zum Durchbruch machten den Arbeitern Lockergestein und Wassereintritte zu schaffen. Der Umgang damit erforderte ein neues Planfeststellungsverfahren, das mittlerweile läuft, aber noch nicht abgeschlossen ist. „Wir fürchten, dass der Bund Naturschutz dann wieder klagt“, sagt Kössel. Deshalb haben sie und ihre Mitstreiter nun eine große Plakat-Aktion gestartet. „Damit wollen wir darauf aufmerksam machen, wie viele Menschen unter dem Verkehr leiden.“ Und das „ganz friedlich“.

An der Burgstraße, die insbesondere von Wintersportlern genutzt wird, die es ins Skigebiet Garmisch Classic oder auf die Zugspitze zieht, hängen bereits jede Menge gelbe Transparente. „Kramertunnel jetzt für unseren Ort“ steht auf den einen, die anderen unterscheiden sich nur durch den Schluss: „für unsere Kinder“. Das Pendant dazu, allerdings mit der Aufschrift „Wanktunnel“ findet sich – noch in geringerer Menge – im Ortsteil Partenkirchen entlang der Hauptstraße. Insgesamt 86 Exemplare wurden bereits an diverse Hausbesitzer verteilt. Nachdem sich aber schon jetzt weitere Interessenten bei Kössel gemeldet haben, bereitet sie eine Nachbestellung vor. Die Genehmigung, die Transparente anzubringen, liegt vor. Drei Monate mit der Option auf Verlängerung dürfen die gelben Plakate, die jeweils mit 50 Euro zu Buche schlagen, hängen.

Mit 1000 Euro hat die Gemeinde diese Aktion unterstützt. „Wir haben schließlich auch großes Interesse daran, dass die Umfahrungen kommen“, betont Rathaussprecher Florian Nöbauer. In dem Zusammenhang verweist er auch auf die Beschlüsse im Gemeinderat, der sich zuletzt im November 2015 mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, „den umgehenden Weiterbau des Kramertunnels und die zügige Planung des Wanktunnels zu fordern“.

Einer, der in der Burgstraße von Haus zu Haus gegangen ist und für die Initiative geworben hat, ist Andre Scheerer. Seit einem Jahr wohnt der Rechtsanwalt mit seiner Familie wieder an der Burgstraße und gehört zu denen, die massiv unter der Verkehrslast leiden. Deshalb bringt er sich auch bei „2 Tunnel“ ein. „Wut, Verzweiflung, Resignation, aber auch Hoffnung“, schildert er die Gefühlslagen, mit denen er bei seiner Tour konfrontiert war. „Viele fühlen sich auch von der Politik im Stich gelassen.“ Scheerer und einige andere konnten aber etliche Nachbarn überzeugen, was die zahlreichen Transparente beweisen. „Wir wollen als Anlieger zeigen, dass wir für den Tunnel sind.“

Daran liegt Kössel ebenfalls. Gerade bei der Partenkirchner Umfahrung, die im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf gerückt ist, sieht sie Handlungsbedarf. „Wir planen weitere Aktionen“, verspricht sie. Aktionen, mit denen sie auch weitere Unterstützer ins Boot holen will. Denn zwei Dinge sind ihr völlig klar: Sobald 2018 die Umfahrung von Scharnitz fertig ist, nutzen noch mehr Verkehrsteilnehmer die Verbindung durchs Werdenfelser Land Richtung Brenner. Und wenn ab 2021 auch noch der Oberauer Tunnel eröffnet wird, „dann stehen die Autos bei uns“. Davon seien nicht nur direkte Anwohner betroffen, betont Kössel. „Das ist vielen noch gar nicht bewusst.“ Erstickt Garmisch-Partenkirchen im Verkehrschaos, betrifft das die ganze Region.

Wer die Initiative

unterstützen und ebenfalls ein Transparent für 50 Euro kaufen will, um es an seinem Haus anzubringen, der kann sich bei Ursel Kössel unter Telefon 0 88 21/ 7 26 37 melden.

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