2012 - ein besonders hartes Haushaltsjahr

Murnau - Die Marktgemeinde Murnau wird 2012 in finanzieller Hinsicht den Gürtel enger schnallen müssen. Dies geht aus Berechnungen hervor, die Marktkämmerer Hubert Süß anstellte.

Süß befürchtet, dass übernächstes Jahr - nach einem noch normalen Haushaltsjahr 2011 - kein Spielraum mehr für Neuinvestitionen besteht. Es kommt noch dicker: Im Verwaltungshaushalt, der vor allem den Betrieb der gemeindeeigenen Einrichtungen regelt, fehlt dann vermutlich eine halbe Million Euro. Der Kämmerer wird nach eigenen Angaben wahrscheinlich nicht umhin kommen, dieses Defizit durch einen Griff in den Sparstrumpf auszugleichen. „Wir werden einen Teil unserer Rücklagen brauchen“, sagt Süß. Für eine Prognose, wie es 2013 weitergeht, sei es jetzt noch zu früh. Es sei völlig unklar, wie sich die finanzpolitische Lage in Deutschland entwickelt.

Der außerplanmäßige Verkauf von Grundstücken, um Geld in die Kassen zu spülen, ist für Bürgermeister Michael Rapp (CSU) momentan kein Thema: „Das ist nicht vorgesehen“, sagt der Rathaus-Chef. Er appelliert an die Landes- und Bundespolitik, sich dafür einzusetzen, dass den Kommunen stärker unter die Arme gegriffen wird.

Wieso 2012 für Murnau ein hartes Jahr wird, liegt an dem kommunalen Finanzwesen, das ein kompliziertes Geflecht aus den unterschiedlichsten Transferleistungen vorsieht. Wie hoch die staatlichen Zuwendungen ausfallen, hängt vor allem von der Wirtschafts- und Steuerkraft einer Kommune ab. Eine schwache bekommt mehr, eine starke weniger - allerdings mit zeitlicher Verzögerung. Vereinfacht gesagt, erhält der Markt Murnau 2012 die Quittung dafür, dass er die Wirtschaftskrise ohne größere Einbußen überstanden hat und derzeit finanziell ganz gut aufgestellt ist.

Für Süß steht fest: Die Zeit bis dahin müsse genutzt werden, um Geld auf die hohe Kante zu legen. „Ich verhalte mich wie ein Murmeltier vor dem Winterschlaf“, schmunzelt er. Die Gelegenheit ist günstig: Denn heuer werden deutlich mehr Gewerbe- und Einkommensteuer auf das Konto des Marktes überwiesen als ursprünglich im Haushaltsplan 2010 angenommen. Es handelt sich um einen Überschuss in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro. Die Folge: Die geplanten Kredite in Höhe von 1,2 Millionen Euro müssen nicht genommen, rund 600 000 Euro können angespart werden. Rapp spricht von einem „sehr guten Ergebnis“. Das sparsame und solide Wirtschaften der Verwaltung habe maßgeblich dazu beigetragen.

Zwei Großprojekte, die die Gemeinde bereits angepackt hat, stehen 2011 im Mittelpunkt. Größter Posten ist die energetische Sanierung der Emanuel-von-Seidl-Grundschule und des gemeindlichen Kindergartens. Die Vorhaben kosten zusammen 2,4 Millionen Euro. Allerdings fließen hierfür satte staatliche Zuschüsse aus dem Konjunkturpaket II, nämlich rund zwei Millionen Euro. Zudem steht der Erweiterungsbau des Schloßmuseums an. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro. Die Hälfte davon soll mithilfe von Zuschüssen, vor allem aus dem Topf der Städtebauförderung, bestritten werden. Bis zum Frühjahr stehen Rohbauarbeiten an, dann folgt der Innenausbau. Wahrscheinlich wird das Ganze Ende 2011 fertiggestellt. (as)

Auch interessant

Kommentare