Alle Hände voll zu tun im überfüllten PC-Raum: Lehrerin Inge Ferchtl erklärt ihren Schülern der Klasse 9a den Arbeitsauftrag am Computer. Ab sofort soll das bequem im Klassenzimmer mit Hilfe von Laptops funktionieren. Foto: Mayr

7500 Euro fehlen zum Glück

Garmisch-Partenkirchen - Schulklasse der Gröben-Mittelschule sammelt im Internet Geld für 30 Laptops: Projekt endet am 22. Januar.

Es ist eng, laut und muffig. 25 Jugendliche kämpfen verzweifelt um einen Platz an einem der 14 PCs im Computerraum der Gröben-Mittelschule in Garmisch-Partenkirchen. Wer leer ausgeht, muss stehen oder auf einem Tisch zwischen den Rechnern sitzen. Das ist der Alltag in der Abschlussklasse 9a von Lehrerin Inge Ferchtl - bisher. Denn bald soll sich das ändern.

Die engagierte Klassenleiterin hat einen Plan: Statt in den kleinen, überfüllten PC-Räumen sollen die Schüler ihre Aufgaben auf dem Laptop im Klassenzimmer erledigen. Doch dazu benötigt die Mittelschule 30 Notebooks, ohne selbst einen Cent auszugeben. Anschaffungspreis: 10 071 Euro. Hier kommen Marc Gilsdorf und Tim Schlotthauer ins Spiel. Beide gehören zu den Wirtschaftsjunioren - einer Gruppe, die deutschlandweit Projekte initiiert und unterstützt. Ferchtls Idee, die sie gemeinsam mit Schlotthauer entworfen hat, steht ganz oben auf der Agenda des Ortsverbandes. Das (neudeutsche) Zauberwort dabei heißt Crowdfunding.

„Das ist eine neue Form im Internet“, erklärt Schlotthauer. Jeder, der Lust hat, für das Projekt zu spenden, kann dies online auf der Internetseite (www.visi onbakery.com/laptops) machen. Im Gegenzug bieten die Jugendlichen der 9a kleine Präsente wie Schlüsselanhänger oder einen kulinarischen Abend an - je nach Spendenbetrag. Und: Sollte die Gesamtsumme nicht zusammenkommen, gibt’s für alle Gönner eine Geld-zurück-Garantie. Die Aktion läuft noch bis zum Mittwoch, 22. Januar. Bis zur Deadline um 10.36 Uhr müssen Wirtschaftsjunioren und 9a allerdings noch über 7 500 Euro auftreiben. Es sieht also schlecht aus.

„Wir wussten, dass es schwierig wird“, gesteht Gilsdorf. Im Schlussspurt zieht der 37-jährige Fotograf jetzt noch einmal alle Register, um das Projekt auf den letzten Drücker zu realisieren. In den lokalen Medien, auf Facebook und bei mehreren Unternehmen sowie Verbänden rührte Gilsdorf kräftig die Werbetrommel. Insidern zu Folge stehen die Wirtschaftsjunioren zudem vor einem Deal, der rund 2000 Euro einbringt. „Wir haben noch die Hoffnung, dass es klappt“, betont Gilsdorf.

Fabio Kunz hat diese schon aufgegeben. „Ich glaube kaum mehr daran, dass wir es schaffen.“ Der 16-Jährige und seine Mitschüler basteln mittlerweile seit fast einem Jahr an der Umsetzung. Sogar einen Image-Film produzierte die 9a. All die Arbeit für nichts? Nein, sagt Lehrerin Ferchtl. „Alleine die Erfahrung, die die Klasse in dieser Zeit gesammelt hat, war das Projekt wert.“ Ihr zur Seite springen Gilsdorf und Schlotthauer. Beide sicherten der Schulklasse zu, die Aktion weiter zu unterstützen - auch wenn es im ersten Anlauf nicht klappen sollte. „Wir werden die Mittelschule nicht fallen lassen“, bekräftigt Gilsdorf. Der Garmisch-Partenkirchner hat übrigens noch ein zweites Projekt in der Hinterhand, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Die Spenden - 1 119 Euro brauchen die Wirtschaftsjunioren - gehen wieder in die Gröbenschule. Diesmal wollen die Organisatoren Schülern die Erstellung einer Bewerbungsmappe auf einem professionellen Portal bezahlen. Gerade einmal 14 Prozent sind bisher gedeckt. Gilsdorf baut deshalb auf die Unterstützung der Bevölkerung. „Wir können wirklich jeden Euro gebrauchen.“

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