78-Jährige unterkühlt aus Wald gerettet

Uffing/Schöffau - In vermutlich letzter Sekunde konnte eine 78-jährige Uffingerin in der Nacht auf Donnerstag im Obernacher Wald gerettet werden. Die Frau hatte sich verirrt, war mit ihrem Auto in die Ach gefahren und nass und unterkühlt am Ufer liegen geblieben. Über 100 Retter waren an der Suchaktion beteiligt.

Polizeikommissar André Heinrich ist erschüttert und erleichtert zugleich. Ob die Frau die Nacht in diesem Zustand überlebt hätte, sei fraglich, sagt er. „Gott sei Dank haben sie die Schöffauer Feuerwehrmänner noch entdecken können.“

Die 78-Jährige war Mittwochmittag von ihrem Wohnhaus im abgelegenen Uffinger Ortsteil Obernach aus nach Uffing zu ihrer Schwiegertochter gefahren, um Post abzuholen. Als sie bis 14 Uhr nicht nach Obernach zurückgekehrt war, begann ihre Familie, sich Sorgen zu machen. Gegen 16 Uhr startete diese laut Heinrich selbst mit der Suche, konnten die Frau aber nirgends finden. Da die Straße zwischen Uffing und Obernach wegen Waldarbeiten zur Zeit gesperrt ist, gingen sie davon aus, dass sie über Wald- und Forstwege versucht hatte, nach Hause zurückzukehren. Erfolglos geblieben, alarmierte die Familie gegen 18 Uhr die Polizei in Murnau. Diese begann, zunächst mit einer Streife, nach der Frau zu forschen, leitete dann aber gegen 20 Uhr eine großangelegte Suchaktion in die Wege. Zuvor waren auch Einlieferungen in die Krankenhäuser Garmisch-Partenkirchen, Murnau, Peißenberg, Weilheim und Schongau sowie Hinweise aufgrund von Radiodurchsagen überprüft worden. Zirka 90 Mann der Feuerwehren Uffing, Schöffau, Böbing und Bad Bayersoien, 25 Mann und 18 Vierbeiner der SEG-Rettungshundestaffel Oberland, das BRK mit Rettungswagen und Notarzt, 25 Mann verschiedener Einheiten der Polizei sowie die Wasserwachten Uffing, Garmisch-Partenkirchen und Peiting begannen gegen 21 Uhr - ohne rechte Anhaltspunkte - das riesige Waldgebiet zwischen Uffing und Bad Bayersoien zu durchstreifen. Ein in München angeforderter Polizeihubschrauber konnte wegen Nebels nicht starten, dafür sollte eine Suchdrohne der Bergwacht Penzberg zum Einsatz kommen. „Es war zappenduster. Wir sind die Waldwege abgefahren, haben aber links und rechts nur ein paar Meter weit gesehen“, schildert Heinrich.

Die Schöffauer Feuerwehrmänner waren laut ihrem Kommandanten Andreas Weiß mit den Fahrzeugen der Wehr, aber auch mit Traktoren in dem ihnen zugeteilten Gebiet auf die Suche gegangen. Gegen 0.40 Uhr entdeckten sie in der Ach in der Nähe von Kirmesau bei Bad Bayersoien, zirka zehn Kilometer von Obernach entfernt, den Wagen der 78-Jährigen. „Das Auto stand mit allen vier Rädern im Wasser“, sagt Heinrich. „Die Frau befand sich nicht mehr darin.“ Daraufhin konzentrierten sich alle Einsatzkräfte auf dieses Gebiet.

Gegen 1.40 Uhr konnte die Frau zirka 400 Meter flussabwärts von den Schöffauer Feuerwehrmännern am Uferliegend entdeckt werden. „Da sie nass war, gehen wir davon aus, dass sie beim Aussteigen ins Wasser gefallen war. Sie war massiv unterkühlt, leicht apathisch, aber ansprechbar, und wurde sofort in die Unfallklinik Murnau gebracht. Gestern war sie noch dort, es ging ihr aber soweit gut“, weiß Heinrich. Wie lang sie im Wald gelegen war, konnte gestern niemand beantworten. Untypisch sei es gewesen, dass die Frau entgegen ihrer Gewohnheiten am Mittwoch Tasche und Führerschein daheimgelassen hatte. Ob dies Rückschlüsse auf einen besonderen Zustand erlaubt, ist fraglich. Die Einsatzzentrale der Aktion sei im Haus der Familie untergebracht gewesen. „Von Stunde zu Stunde hätten die Angehörigen mehr und mehr den Mut verloren. Das war furchtbar.“ - Bis zur erlösenden Nachricht um 1.40 Uhr. (sp)

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