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Vor der Murnauer Villa: Ödön von Horváth (2.v.l.) mit seinem Vater Dr. Edmund von Horváth, Mutter Maria Hermine und seinem jüngeren Bruder Lajos. 

Horváth-Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle.

80. Todestag: So soll das Horváth-Erbe bewahrt und gefördert werden

80 Jahre ist es nun her, dass der weltbekannte Schriftsteller Ödön von Horváth auf tragische Weise starb: Er wurde in Paris von einem Ast erschlagen. In Murnau, wo der Diplomatensohn viele Jahre verbrachte, wird die Erinnerung an ihn wach gehalten. 

Murnau – Das Schicksal kann manchmal gruselig sein: Ein Wahrsager soll Ödön von Horváth, der zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts zählt, prophezeit haben, dass ihm in den ersten Tagen des Juni 1938 auf einer Reise „das bedeutendste Ereignis seines Lebens“ bevorstünde. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt: Der abergläubische Sohn eines ungarischen Diplomaten wurde am 1. Juni während eines Gewitters auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées von einem herabstürzenden Ast tödlich verletzt – mit gerade mal 36 Jahren.

Neue Errungenschaft: Gabi Rudnicki (Erste Vorsitzende) und Ursula Ohliger (Schatzmeisterin) von der Horváth-Gesellschaft mit dem Brief, den der bekannte Schriftsteller 1932 an einen Berliner Dramaturgen schickte.

Besonders in Murnau wird seit Jahren das Horváth-Erbe bewahrt und gepflegt. Immerhin lebte der Ausnahme-Schriftsteller, der durch seine gesellschafts- und zeitkritischen Werke wie „Jugend ohne Gott“ oder „Der ewige Spießer“ bekannt wurde, von 1923 bis 1933 in der Staffelsee-Gemeinde. Seine Eltern hatten in der Bahnhofstraße eine Villa. Hier sammelte Horváth seine Ideen und Anregungen. Er sei ein exzellenter Beobachter gewesen, berichtet Gabi Rudnicki, Vorsitzende der 2003 gegründeten Murnauer Horváth-Gesellschaft. „Er will hinter die Masken schauen, die die Menschen tragen.“ Sein Werk sei lebendiger denn je und habe – zum Beispiel mit Blick auf die erneut aufkommenden nationalistischen Strömungen – nichts an Aktualität eingebüßt, erklärt sie.

In den vergangenen Jahren hat sich in Murnau in Sachen Horváth einiges getan: Vieles erinnert heute an den Literaten – angefangen bei einem Rundweg bis hin zur Aula im Staffelsee-Gymnasium. Der neu gestaltete Platz vor dem Kultur- und Tagungszentrum soll ebenfalls nach dem Dramatiker benannt werden. Dieser sei endlich in Murnau angekommen, ist daher immer wieder zu hören.

Impulsgeber und treibende Kraft ist die besagte Gesellschaft, die Veranstaltungen auf die Beine stellt und Forschungsprojekte unterstützt. Vor einigen Jahren hatte sie ein Konvolut an Dokumenten erworben und dem Schloßmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Zu der Sammlung gehören etwa Horváths Führerschein und seine letzte Postkarte, die er seinem Bruder aus Paris schickte. Jetzt kommt ein weiterer Mosaikstein hinzu, der noch wissenschaftlich ausgewertet werden muss und ebenfalls dem Museum zukommen soll: Rudnicki und ihre Mitstreiter kauften von einem Privatmann aus der Region einen Brief, den Horváth 1932 in Murnau verfasste und an den Berliner Dramaturgen Dr. Horch sandte. Es handle sich zwar nur um eine kurze Mitteilung, sagt dazu Rudnicki, aber trotzdem könne dieses historische Schriftstück interessant sein.

In der Gesellschaft sind indessen die Blicke auf 2019 gerichtet: Dann stehen im November die nächsten Horváth-Tage an – mit Gesprächen und Theateraufführungen. „Wir sind schon mitten in der Planung“, sagt die Vorsitzende. Der rote Faden sei dabei das Thema „Lüge und Wahrheit“, das Horváth immer wieder beschäftigt habe.

Eine spannende Inszenierung feiert bereits am Freitag, 8. Juni, im Kultur- und Tagungszentrum Premiere. Das „Red Door Project“ der Uffinger Regisseurin Chiara Nassauer knöpft sich Horváths Schauspielfragment „Die Lehrerin von Regensburg“ vor. Darin wird das Schicksal der Volksschullehrerin Elly Maldaque geschildert, die im Jahr 1930 fristlos entlassen wird, weil sie aktives Mitglied der KPD sein soll – ein authentischer Fall von Machtmissbrauch und Diffamierung.

Radio-Sendung

Den 80. Todestag Ödön von Horváths nehmen Deutschlandfunk und ORF zum Anlass, ihr Format „Die Lange Nacht“ dem Autor zu widmen. Die Ausstrahlung im Deutschlandfunk ist in der Nacht auf diesen Sonntag von 23.05 bis 2 Uhr zu hören. Für die Sendung wurde auch Gabi Rudnicki interviewt.

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