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8,5-Meter-Mast auf dem Hörnle-Gipfel?

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Traumhaftes Panorama-Kino gehört zum „Zeitberg“-Konzept der Ammergauer Alpen. foto: herold
Traumhaftes Panorama-Kino gehört zum „Zeitberg“-Konzept der Ammergauer Alpen. foto: herold

Bad Kohlgrub - Die Digitalfunk-Pläne kollidieren mit dem touristischem „Zeitberg“-Konzept.

Die Pläne, die Ammergauer-Alpen-Chef Christian Loth mit dem Hörnle in Bad Kohlgrub hat, klingen vielversprechend: Als „Zeitberg“ soll er stressgeplagten Alltagsflüchtlingen die Möglichkeit geben, Hektik, Terminhatz und beruflichen Druck hinter sich zu lassen. Zum Konzept gehören sogar Schließfächer, in denen die Besucher ihre Mobiltelefone ablegen können. Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein großer Funkmast die ausgefeilte Tourismus-Vision nun zunichte machen könnte: Wie in der Sitzung des Gemeinderats bekannt wurde, ist auf dem Hörnle-Gipfel ein 8,5 Meter hoher Sendeturm geplant. Dieser soll aber nicht etwa zur Verbesserung des Handynetzes dienen. Er ist wichtig für den Aufbau des Digitalfunks, den die Polizei, Feuerwehr, Bergwacht und das Rote Kreuz nutzen.

„Es geht um lebensrettenden Funk“, betonte Bürgermeister Gerald Tretter (Neue Liste) vor den Lokalpolitikern. Diese zeigten sich - obwohl das Vorhaben seit etwa zwei Jahren in Planung ist - von den jetzt vorgelegten Entwürfen überrascht. „So hat das noch keiner gesehen“, sagte Josef Geipl (Liste Landwirtschaft). Bislang sei nicht die Rede davon gewesen, den Turm direkt am Gipfel aufzustellen. „Es gibt sicher einen besseren Standort.“

Deutlicher wurde sein Listen-Kollege Nikolaus Onnich. Wenn man „einen dummen Platz“ suchen würde, „dann wäre das der dümmste“. Schließlich soll der „Zeitberg“ doch eine Oase der Ruhe sein. „Das passt einfach nicht zusammen“, betonte auch Stephan Zeller von der Neuen Liste. Er kann sich zudem nicht vorstellen, dass von der Behördenfunk-Anlage keine Strahlung ausgehen soll. „Das sagt mir mein Gefühl“, erklärte der Gemeinderat. Einig war sich das Gremium allerdings in der Auffassung, dass der Digitalfunk wichtig ist. Der Sendemast werde nicht per se abgelehnt - nur der Standort bereitet Bauchschmerzen.

In einer ähnlichen Bredouille befinden sich die Hörnlerechtler, denen die betroffenen Grundstücke gehören. „Wir sind nicht dagegen“, sagt Josef Schauer als Sprecher der Vereinigung mit seinen 90 Rechte-Inhabern. Schauer betont, dass er die Gemeinde schon frühzeitig über den geplanten Gipfelstandort informiert habe. „Das hat man dort gewusst.“ Für die Grundbesitzer sei die jetzige Planung eigentlich ideal - weil am Gipfel die Wiesen am wenigsten für die Sendeanlage und ihre Betriebsgebäude in Mitleidenschaft gezogen würden. Die Hörnlerechtler wissen aber auch, dass der Standort aus touristischer Sicht schwierig ist. Deshalb einigten sie sich in ihrer Generalversammlung auf einen Vorschlag: Mit einem Schild sollen Besucher darauf hingewiesen werden, dass es sich bei dem Masten nicht um Mobil-, sondern um den wichtigen Behördenfunk handle.

„Es wird kein Schild aufgestellt“, machte aber Gemeinderat Klemens Reindl (Freie Wähler) deutlich und verwies auf Sicherheitsaspekte. Er ist eigenen Aussagen nach im Innenministerium für den Bereich Digitalfunk zuständig und verfolgte die Diskussion im Gemeinderat mit Sorgenfalten. „Wir machen uns lächerlich“, sagte er zu seinen Kollegen. Würde ein neuer Standort gefordert, müsste das ganze Verfahren neu aufgerollt werden. Dem entgegnete Zeller, dass sich der Ort auch lächerlich mache, wenn der „Zeitberg“ einen Funkmast bekäme. Die Gemeinde soll sich nun darum bemühen, dass die Bergstation am Schwebelift als Standort überprüft wird. Martin Niklas (Neue Liste) schlug zudem vor, an den Seiten des Bergs alternativ zwei kleinere Funkanlagen anzubringen.

Zu denjenigen, die über eine andere Lösung glücklich wären, gehört Tourismus-Chef Loth, der rund 40 000 Euro in sein „Zeitberg“-Projekt investiert hat. Unabhängig davon hält er einen Sendemasten an derart exponierter Stelle für einen „massiven Eingriff“. Sollte er gebaut werden, „würden wir Wege finden, die Thematik offensiv an unsere Gäste zu transportieren“, gibt er sich zuversichtlich. Bleibt die Frage, ob das möglich ist. Schließlich scheint ja schon ein simples Hinweisschild hochproblematisch zu sein.

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