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Bei herrlichem Sonnenschein genießen die Besucher ein vielseitiges Rahmenprogramm und vor allem die einmalige Aussicht auf die Bergwelt.

So wurde der Doppelgeburtstag gefeiert

Am Kreuzeck werden Erinnerungen wach

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Garmisch-Partenkirchen - 90 Jahre Kreuzeckbahn und 110 Jahre Kreuzeckhaus – zwei Geburtstage, die auf 1652 Metern Höhe ausgiebig gefeiert wurden. Für viele Gäste war das der willkommene Anlass, sich an alte Zeiten zu erinnern.

Mulis, Pferde und Ochsen zogen im tief verschneiten Winter 1905/1906 auf Schlitten die Baumaterialien von Hammersbach hoch hinauf aufs Kreuzeck und am 25. Mai 1906 setzte die Sektion Garmisch-Partenkirchen unter ihrem Ersten Vorsitzenden Adolf Zoeppritz schließlich ihren ersten Spatenstich. Am 15. August wurde das Kreuzeckhaus auf 1651 Metern Höhe nach vielen schweißtreibenden Arbeitseinsätzen eingeweiht. Knappe 20 Jahre später, nämlich 1926, nahm als erste Seilschwebebahn Bayerns die Kreuzeckbahn den Betrieb auf. Und weil sie heuer gemeinsam 200 Jahre auf dem Buckel haben, organisierten die Bayerische Zugspitzbahn und das Kreuzeckhaus ein Berg-Fest. An Mariä Himmelfahrt erklommen zu Fuß oder per Bahn Gäste von nah und fern das Kreuzeck, um Live-Musik von der Niederalteicher Klarinettenmusi und der MO3-Band, zwei Sonderausstellungen, geführte Ausflüge und Exkursionen mit einem Bergführer sowie ein abwechslungsreiches Programm für Kinder mit Kletterwand, Slakline und Klettersteig zu genießen.

Legendäre Bergfilme von Gerhardt Baur mit einheimischen Darstellern entführten in vergangene Kletterwelten. Und da die Kreuzeckbahn an diesem Tag bis 21 Uhr fuhr, konnten viele Gäste bis spät in den Abend bei Lagerfeuer-Romantik grillen und einen erlebnisreichen Tag ausklingen lassen. Nachdem am Vormittag noch ein kräftiges Gewitter über die Berge gezogen war und man nach innen flüchten musste, verzogen sich die dicken Regenwolken gen Mittag wieder und machten Platz für einen wunderschönen, sonnigen und herrlichen Bergtag.

„Wir hatten großes Glück“, sagt Barbara Bokor. Die Pächterin des Kreuzeckhauses hatte sich für das Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen, servierte ihren 60 geladenen Gästen die Gerichte aus der Original-Speisekarte von 1906. Sie sei stolz, seit fünf Jahren Teil eines historischen Gebäudes zu sein, viele Besucher erzählten ihr immer wieder von vergangenen Zeiten. Unter ihnen auch das Ehepaar Kratz aus Mettmann bei Düsseldorf, das seit 1969 in Garmisch-Partenkirchen lebt und sich im Kreuzeckhaus kennengelernt hat. Marlies Kratz arbeitete damals, vor 50 Jahren, als Zimmermädchen oben am Berg, ihr Mann Andreas war Seilbahnführer bei der alten Kreuzeckbahn. „Ich wollte immer schon in die Berge“, erzählt die Seniorin, die von den gemütlichen Abenden schwärmt und den morgendlichen Skitouren im Schneetreiben vor Beginn der Frühschicht. „Das waren herrliche Zeiten.“ Heute ist sie vielen Einheimischen als „Königin der Nacht“ bekannt, denn auf ihrem Balkon gegenüber dem Kainzenbad züchtet die gebürtige Rheinländerin Kakteen. Ihre Freundin Klara Rottl war im Kreuzeckhaus Kollegin im Service. Auch sie erinnert sich an viele schöne Begebenheiten aus dieser Zeit, an ihre Ausflüge auf die Hochalm, die rasanten Bobrennen von dort hinab zum Kreuzeckhaus und die abendliche Zithermusik in warmer Stube. „Ich werde diese Zeit immer in Erinnerung behalten“, sagt die 75-Jährige, die heute im Saarland lebt. Gerührt wischt sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Ich könnte heulen vor Wehmut.“

An ihrem Biergarten-Tisch auf der Terrasse mit Blick über die Berggipfel hat Sepp Dengg, „das Urgestein eines Bergführers“, Platz genommen. „Das ist der Tisch der Jubilare“, meint er schmunzelnd. Auch Bernd Karl gesellt sich zu der Runde, war er doch 25 Jahre bei der Kreuzeck-Bahn angestellt und gehört gewissermaßen zum Inventar. „Wir haben damals die Bahnen täglich mit Öl abgeschmiert, tonnenweise Schnee geschaufelt und die Skier noch auf dem Dach der Gondeln transportiert“, erzählt der 82-jährige Garmisch-Partenkirchner. „Das gab jedes Mal eine Riesen-Gaudi, bis jeder seine Ski wieder hatte.“ Auch das Gezeter unter den 25 Fahrgästen in der Kabine, wenn wieder einmal einer am Vorabend zu viel Knoblauch gegessen hatte, oder den Jahrhundertsturm, bei dem die Bäume um ihn herum und unter ihm wie Streichhölzer einfach umgekippt seien, die wird er nie vergessen.

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