Der Chef und sein Schützling: Christian Stückl (l.) mit Abdullah Kenan Karaca. Foto. fkn

Abdullah: Erst 23 Jahre und schon Regisseur

Oberammergau - Ein gebürtiger Oberammergauer mit türkischen Wurzeln steht am Münchner Volkstheater vor einer großen Herausforderung: Er inszeniert "Arabboy".

Unterschiede in Herkunft, Abstammung, Gesinnung, Religion oder Hautfarbe waren für Christian Stückl noch nie ein Thema. Nicht umsonst wurde ihm vergangenes Jahr der Oberbayerische Integrationspreis verliehen. Auch die Tatsache, dass er am liebsten nach Indien fliegt, wenn er mal ein paar Tage "dem täglichen Wahnsinn" entflieht, spricht für das Multi-Kulti-Denken des 50-jährigen Oberammergauers.

Überliefert ist in diesem Zusammenhang eine Anekdote aus dem Jahr 2000: Da suchte Stückl vor der Passion den muslimischen Vater des kleinen Abdullah auf, um ihn zu überzeugen, dass er seinen Buben unbedingt bei der Gelübdeaufführung mitspielen lassen müsse. Darauf erwiderte der Türke: „Okay, wenn Chef sagt, Abdullah soll spielen, dann soll Abdullah spielen. Aber mach’ mich nicht katholisch . . .“ Damals war der Junior gerade elf. Heute, zwölf Jahre später, steht Abdullah vor seiner zweiten großen beruflichen Herausforderung - als Regisseur in einem Stück am Münchner Volkstheater, mit gerade einmal 23 Jahren. Den ersten Schritt tat der junge Türke 2009, als ihn Christian Stückl zu einem von insgesamt drei Regieassistenten am Volkstheater berief.

Offenbar macht Abdullah Kenan Karaca einen guten Job, denn Stückls Assistent war der sympatische junge Mann schon beim Oberammergauer Schauspielsommer 2011 in „Joseph und seine Brüder“, und auch heuer bei „Antonius und Cleopatra“ hält Karaca seinem Chef den Rücken frei, indem er ihm möglichst viel an organisatorischer Arbeit abnimmt.

Für Abdullah ist das alles, was gerade passiert, „wie ein kleiner Traum“, sein Job macht ihm „total Spaß“. 1989 in Garmisch-Partenkirchen geboren und danach in Oberammergau aufgewachsen, zog er mit 17 zu seinen beiden Brüdern nach München. 2007 gingen seine Eltern in die Türkei zurück. Zwei Jahre später machte er in München sein Abitur und begann danach, in Ankara Germanistik und Literaturwissenschaften zu studieren. Dann erfuhr Karaca, dass am Volkstheater eine Stelle als Regieassistent frei wird. „Das ist meine große Chance“, dachte er sich, und bewarb sich um den Posten. Tatsächlich wurde er genommen, natürlich auf Veranlassung von Christian Stückl. Das war vor drei Jahren.

Am Donnerstag, 24. Mai, steht Abdullah vor seinem Regie-Debüt in München - gespielt wird „Arabboy“ nach einem Roman von Güner Balci. „Ich freue mich schon total darauf und bin gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Auf der anderen Seite herrscht schon so kurz vor der Premiere eine gewisse Hektik. Es muss an viele Dinge gedacht werden.“ Erzählt wird in „Arabboy“ die Geschichte von Rashid, Sohn einer libanesisch-palästinensischen Familie, der in einschlägigen Chaträumen seine Kumpel mit selbstgemachten Gewalt-Clips versorgt. Mit dabei als Schauspielerin ist auch Ursula Burkhart, Maria der 2010-er Passion.

Zeit zum Verschnaufen bleibt für den 23-jährigen Karaca als Regisseur kaum, denn die Vorbereitungen für „Antonius und Cleopatra“ in Oberammergau sind bereits angelaufen. Für Abdullah ist das kein Problem, er hat „einfach nur Spaß dabei“.

Ludwig Hutter

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