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Der Tatort in Uffing am Tag danach.

Prozess vor dem Landgericht

„Abnormer Rausch“ mit über drei Promille

München/Uffing – Im Prozess um den gefährlichen Angriff eines Uffingers auf eine Polizeistreife haben Experten und Gutachter ein Bild von dem 25-Jährigen gezeichnet. Demnach hatte er in besagter Juni-Nacht 2013 einen abnormen Rausch.

Für Außenstehende war der 25-Jährige wie ein Irrer aufgetreten. Er hatte in Uffing zwei Polizisten verfolgt, weil er von ihnen getötet werden wollte. Mit einem Messer ging er auf sie los. Sie gaben Warnschüsse ab, doch selbst diese Bedrohungen brachten den Uffinger nicht davon ab, die Beamten zu verfolgen (wir berichteten). „Andere Menschen sind bei knapp drei Promille handlungsunfähig beziehungsweise vergiftet“, erklärte der Gerichtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger. Und er beschrieb Fälle, in denen derartig berauschte Menschen minutenlang unkontrolliert hantiert hatten. Er erinnerte sich an einen Mann, der während einer Sauftour mit Spezln plötzlich aus der Kneipe verschwand, in eine benachbarte Zahnarztpraxis einbrach und Gebisse aus dem Fenster warf. Als ihn der erwachte Zahnarzt daran hindern wollte, zerschmetterte der Einbrecher eine teure chinesische Vase auf dem Kopf des Mediziners. Anschließend schlief der Mann ein. Bei Eintreffen der Polizei war er dann überaus höflich. An seine Attacke konnte er sich nicht erinnern.

Während der Unterbringung in der Psychiatrie hatte der Uffinger verschiedene psychische Phasen erlebt. Erst wollte er Profi beim FC Bayern München werden. Bei jedem Hofgang habe er gekickt, aber immer nur alleine, berichtete ein Psychiater als Zeuge. Danach strebte er eine Karriere als Sprinter an. „Er war überzeugt davon, der schnellste Mann der Welt zu werden“, erinnerte sich eine Psychologin. „Und er war überzeugt, dass er es schafft.“ Erst mit der Zeit kam der Uffinger wieder in der Realität an und vergaß seine Ziele. Überraschend brauchte er keine Medikamente, um stabiler zu werden. Allerdings mochte sich niemand für eine sofortige Entlassung aus der Psychiatrie aussprechen. „Im Moment ist er von den Belastungen des Alltags abgeschirmt“, sagte die Psychologin. Nun läuft alles auf eine Entziehungstherapie gegen seine Alkoholsucht heraus.

Denn Aggressivität hatte der 25-Jährige im Alltag ohne Alkohol nie gezeigt. Das würde bedeuten, dass die Chancen auf ein normales Leben recht gut stehen – vorausgesetzt, der Uffinger lässt die Finger vom Alkohol. Zu einer Haftstrafe kann er nicht verurteilt werden, weil er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Das ergibt sich unter anderem daraus, dass er sich von den Schüssen der Polizisten nicht bremsen ließ. Der Prozess dauert an.

Angela Walser

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