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Erstaufnahmeeinrichtung: Im Abrams-Komplex sind rund 240 Asylbewerber aus 17 Nationen untergebracht.

Idee für Erstaufnahmeeinrichtung im Abrams-Komplex

Flüchtlingskarte scheitert an der Praxis

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Landkreis - Die „Flüchtlingskarte“ soll verhindern, dass Migranten ihr erhaltenes Geld ins Ausland schicken oder für andere zweckfremde Dinge ausgeben. Auch das Landratsamt liebäugelte mit solch einem bargeldlosen System, ließ es dann aber doch sein – aus organisatorischen Gründen.

Das Thema wird derzeit unter Flüchtlingshelfern im Kreisort Garmisch-Partenkirchen rege diskutiert. Denn viele hätten die Einführung der „Flüchtlingskarte“ für die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung im Abrams-Komplex – derzeit sind es rund 240, die meisten stammen aus Afghanistan, Syrien und Nigeria – begrüßt. „Ich glaube, das wäre sinnvoll gewesen“, sagt etwa Ursula Werner, Vorsitzende des Beirats für Soziales und Integration. Und auch CSU-Gemeinderätin Elisabeth Koch meint dazu: „Das wäre angemessen und gut.“

Das Argument der Befürworter: Mit solch einer elektronischen Chip-Karte, die nur in ausgewählten Geschäften und Einrichtungen akzeptiert wird, hätte man sicher gehen können, dass das ausbezahlte „Taschengeld“ tatsächlich für den eigenen Bedarf verwendet wird. Offenbar ist dies nicht immer der Fall. Nach Tagblatt-Informationen werden die Euros mitunter nach Hause an die zurückgebliebenen Familien überwiesen oder für Alkohol ausgegeben. Nicht auszuschließen, dass damit auch Schlepper bezahlt werden. Gedacht war die „Flüchtlingskarte“ nur für das Abrams. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass in einer Erstaufnahmeeinrichtung die gesamte Versorgung eines Assylbewerbers – soweit möglich – durch Sachleistungen abgedeckt wird. Laut Landratsamt sieht die Praxis bundesweit meist anders aus: Der persönliche Bedarf wird, wie auch im Abrams, als „Taschengeld“ ausbezahlt. Dieses liegt, je nach Alter und Familienstand, zwischen 79 und 135 Euro pro Person und Monat – und ist beispielsweise für Handy-Gebühren, den öffentlichen Nahverkehr oder die Teilhabe am kulturellen Leben vorgesehen.

Die Kreisbehörde, die sich von dem Projekt auch eine Entlastung erhoffte, prüfte auf Tagblatt-Nachfrage das Angebot eines privaten Dienstleisters, auf den bargeldlosen Betrieb umzusteigen – und nahm davon wieder Abstand. Denn: Man hätte kein „ausreichend dichtes Netz an Akzeptanzstellen“ zusammengebracht, das alle wichtigen Bereiche des täglichen Lebens abdeckt, insbesondere den Nahverkehr, die Telekommunikation und Gastronomie. „Es war zum Beispiel nicht gewährleistet, dass die Flüchtlinge mit ihrer Karte ihr Handy aufladen oder auch nur ein einfaches Busticket hätten lösen können“, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Und weiter: „In der Folge wären neben der Sachleistung weiterhin Bargeldauszahlungen erforderlich gewesen, wodurch ein nicht vertretbar hoher Verwaltungsaufwand entstanden wäre.“ Nichtsdestotrotz will die Behörde Alternativen wie die Ausgabe von Einkaufsgutscheinen auf ihre Praxistauglichkeit abklopfen. „Flüchtlingskarten“ – ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Landkreis Altötting – funktionieren wie Prepaid-Kreditkarten. Das „Taschengeld“ wird darauf gebucht und kann in den Stellen, die mit einem passenden Lesegerät ausgestattet sind, zum Einkaufen ausgegeben werden. Das besagte Unternehmen hätte das Kartensystem für die Abrams-Bewohner eingeführt und organisiert – und das Ganze dem Landratsamt in Rechnung gestellt. Pressesprecher Stephan Scharf bleibt vage, spricht von einmaligen Kosten „im untersten fünfstelligen Bereich“ und laufenden monatlichen Kosten pro Karte „im mittleren einstelligen Bereich“.

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