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Stammgast bis zum Schluss: Hans Ostler (l.), mit Michael Maurer, blieb seiner Tournee in jedem Jahr treu.

Er bleibt ein Vorbild

Abschied von der Legende der Vierschanzentournee: Hans Ostler stirbt mit 93 Jahren

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Der nordische Skiwelt trauert um Hans Ostler. Der Ehrenpräsident der Vierschanzentournee und des SC Partenkirchen stirbt im Alter von 93 Jahren. Der Skisprungsport hat dem Garmisch-Partenkirchner Innovationen wie die Videoweitenmessung zu verdanken.

Garmisch-Partenkirchen – Er hat Gian Franco Kasper auf Trab gehalten. Mit einer unglaublichen Beharrlichkeit. „Ich glaube, von niemandem hat er mehr Post bekommen als von Hans Ostler“, mutmaßt Michael Maurer. Immer wieder schrieb der Funktionär seinem obersten Chef, dem Präsidenten des Skiweltverbands FIS, wenn ihm etwas sauer aufstieß, wenn er neue Ideen hatte. „Hat Felix Neureuther im Slalom eingefädelt, kam er sofort mit einem Vorschlag für einen anderen Modus“, sagt Maurer und lacht. Ostler hielt nicht zurück mit seiner Meinung. Das zeichnete ihn aus. Diese Offenheit war es wohl auch, die den echten Partenkirchner, der 1925 in der damals noch eigenständigen Gemeinde zur Welt kam, soweit brachte: zu sieben Olympischen Spielen, 20 Nordischen Weltmeisterschaften, zu FIS-Kongressen auf allen Kontinenten der Erde.

Am vergangenen Wochenende hat nicht nur der Skiclub Partenkirchen einen bedeutenden Funktionär verloren, sondern die gesamte nordische Skiwelt. Ostler starb im gesegneten Alter von 93 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Rosl und Tochter Inge.

Beeindruckende Funktionärskarriere

Die Anteilnahme wird groß sein, das steht für Maurer, den jetzigen Präsidenten des SCP, fest. Denn Ostler hat vieles bewegt im Springerzirkus, obwohl er selbst nie ein Leistungssportler war. 1943 trat er seinem Verein bei. Nur wenig später engagierte er sich an der Seite seines Bruders Toni bereits im Vorstand. „Sein Fokus galt immer dem Neujahrsspringen und der Tournee“, betont Maurer.

Das Skispringen entwickelte sich zu Ostlers Steckenpferd. Dass er bei der Vierschanzentournee eine beeindruckende Funktionärskarriere hinlegte, war beileibe kein Zufall. 1988 bis 2003 stand er an der Spitze der Mega-Veranstaltung. Rochiert wurde der Vorsitz damals noch nicht unter den Skiclubs der Veranstalter-Orte, erklärt Maurer, der bis heuer selbst als Chef der Tournee fungierte. „Damals wurde gewählt.“ Bei vier Vertretern habe es immer wieder Patt-Situationen gegeben. „Kurioserweise nicht Deutschland gegen Österreich, sondern oft sogar gemischt.“ Ostler machte diesen Zirkus nicht mit. Maurer: „Er sagte dann: ,Wenn Ihr Euch nicht einig seid, dann mach’ ich einfach weiter‘.“

Königlicher Höhepunkt

Im Gespräch mit den politischen Größen: Hans Ostler mit dem ehemaligen Bürgermeister Thomas Schmid (M.) und dem damaligen Staatssekretär Siegfried Schneider kurz vor der Sprengung der alten Olympiaschanze.

Ostler hob das Sportspektakel vor allem im EDV-Bereich auf ein neues Level. „Er war einer der Vorreiter, trieb diese Themen voran.“ Die Videoweitenmessung, die 1991 eingeführt wurde, basiert zu einem Großteil auf Ostlers Gedankengut. „Durch seinen Beruf als Verwaltungsdirektor bei der AOK hatte er schon früh viel mit Computerfirmen zu tun.“ Sein Wissen aus dem Job ließ er in den Sportbereich miteinfließen. „Er arbeitete auch am gesamten Akkreditierungswesen und drängte in frühen Jahren darauf, die Windregel einzuführen.“

Kein Wunder, dass er neben seinen Ämtern im Skiclub, den er 1980 von seinem Bruder übernahm und bis 1997 führte, auch bei der FIS in verschiedenen Funktionen aktiv war: „Insgesamt 28 Jahre“, rechnet Maurer zusammen. Der SCP-Chef kann das alles so genau auflisten, weil Ostler penibel Buch führte. „Er hat alles zusammengeschrieben.“ Jeden Einsatz bei einer Großveranstaltung, jede Reise als Technischer Delegierter, als Chef der Weitemessung oder als Verantwortlicher der Sprungrichter. In letzter Funktion erlebte er einen sehr speziellen Höhepunkt: In Norwegen nahm er König Harald V. die Prüfung zum Kampfrichter ab.

Skispringen und der SCP nahmen einen großen Platz im Leben Ostlers ein. Doch er hatte offenbar noch genug Zeit, sich für andere Ortsvereine einzusetzen. „Das Haus der Familie an der Professor-Michael-Sachs-Straße war ein Brennpunkt für alle Vereinsaktivitäten in Partenkirchen“, sagt Maurer. Hans Ostler engagierte sich im Vorstand beim Tennisclub, beim TSV Partenkirchen, bei den Schützen, die wiederum sein Bruder anführte, bei der Feuerwehr, der Bergwacht und bei den Veteranen. Meist überwachte er die Kasse. „Klar, dass er die höchsten Auszeichnungen auf allen Ebenen bekam“, betont Maurer. Der SCP ernannte ihn zum Ehrenmitglied und Ehrenpräsidenten, die Tournee erwies ihm diese Würdigung 2004.

„Mit Hans verlieren wir eine echte Legende“, fasst Johann Pichler, der neue Chef der Springertournee die Verdienste des Mannes mit der Schiebermütze treffend zusammen. „Wir werden ihn stets als großes Vorbild in unserem Herzen tragen.“

Die Beerdigung

findet am Donnerstag auf dem Friedhof Partenkirchen statt. Der Seelengottesdienst beginnt um 9.30 Uhr in der Pfarrkirchen Maria Himmelfahrt.

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