Veronika Angelmahr

Absturz einer politischen Größe

Ohlstadt - Paukenschlag in der Ohlstädter Ortspolitik: Die Unabhängige Wählergemeinschaft Ohlstadt (UWG) wird zur Kommunalwahl am 16. März nicht antreten.

Die offizielle Begründung: Es hätten sich nicht genügend Kandidaten für die Gemeinderatsliste gefunden. Auch die beiden amtierenden UWG-Mitglieder des Kommunalparlaments, Veronika Angelmahr und Hans Kohlhund, ziehen einen Schlussstrich und stellen sich nicht mehr zur Verfügung. Dies teilt die UWG auf Tagblatt-Nachfrage in einer Presseerklärung mit.

Damit verschwindet ein ehemaliges, politisches Schwergewicht von der Bildfläche. Immerhin stellte die Mitte der 1980er Jahre gegründete Bewegung mit Ingrid Bässler 16 Jahre lang die Erste Bürgermeisterin des Dorfs (1992 bis 2008). Auch war sie seitdem stets im Gemeinderat vertreten, zeitweise mit vier Mandaten.

Bei der Konkurrenz hält sich das Mitleid in Grenzen. Kein Wunder: Ein Mitstreiter weniger - das erhöht die eigenen Chancen. „Eine Auswahl ist nach wie vor da“, stellt Bürgermeister Anton Fischer trocken fest. In der Tat: Um die Sitze in dem Entscheidungsgremium des 3200-Einwohner-Ortes kämpfen bislang drei Gruppierungen: CSU, NLO und BVO. Und um den Rathaus-Thron buhlen drei Anwärter: Amtsinhaber Fischer (NLO), Christian Binder (CSU) und der parteifreie Einzelkämpfer Christian Scheuerer.

Die UWG-Nachricht kommt überraschend. Es wurde zwar gemunkelt, dass die politische Kraft auf der Suche nach Bewerbern Schwierigkeiten haben soll. Aber dieses Problem betrifft viele Parteien. Offenbar hatte es sich bereits Ende Dezember auf einer Mitgliederversammlung abgezeichnet, dass nichts zustande kommt. Es waren laut Angelmahr gerade mal 15 Besucher erschienen, von denen „nicht genügend“ bereit gewesen seien, ihren Hut in den Ring zu werfen. Die Folge: Eine Aufstellungsversammlung fand gar nicht erst statt.

Sie und ihr Kollege Kohlhund seien lange genug im Gemeinderat gesessen, erklärt Angelmahr. Da sei es „in Ordnung“, wenn man aufhört. Bei ihr waren es zwölf Jahre, bei Kohlhund 18. Die Ohlstädterin, zugleich Vorsitende der UWG, hält sich mit weiteren Details zu dem Debakel zurück - und mit emotionalen Regungen: „Das ist schon bedauernswert. Aber das ist halt so“, sagt sie nüchtern. Trotz des herben Rückschlags bleibe die UWG bestehen. Vielleicht, so deutet sie an, gelinge irgendwann ein Neustart. „Man muss schauen, wie es sich entwickelt.“

Im Ort wird indessen fleißig darüber spekuliert, wie es zu der Misere kommen konnte. Eine mögliche Erklärung liefert Ohlstadts einstige First Lady Bässler. „Vielleicht hat man sich zu wenig um den Nachwuchs gekümmert“, vermutet sie.

Vielleicht, sagen Insider hinter vorgehaltener Hand, ist der mitunter aggressive Stil der UWG in der Vergangenheit an dem Ganzen Schuld. Zur Erinnerung: Die Gruppierung hatte den Wahlkampf 2008 mit harten Bandagen geführt. So nahm sie in einer Flugblatt-Kampagne die Integrität Binders, der schon damals Bürgermeister werden wollte, ins Visier (wir berichteten). Doch der Schuss ging nach hinten los: Die Wähler straften die UWG ab, die an Einfluss verlor. Intern gab es wohl mächtig Differenzen. Damit nicht genug: Gleich nach dem Urnengang verlor die Wählergemeinschaft auch noch ihren dritten Gemeinderat Stefan Sandig, der die scharfen Attacken verurteilte und es vorzog, als Parteifreier weiterzuarbeiten.(as)

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