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Die Werdenfelser Berge wird er vermissen: Adrian Zessin vor dem Wettersteinmassiv.

Der Priester im Porträt

Adrian Zessin feiert Nachprimiz in Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen - Zwei Jahre lang war Adrian Zessin im Rahmen seines Priesterseminars als Diakon in der Pfarrei Partenkirchen-Farchant-Oberau tätig. Nach seiner Priesterweihe in Freising tritt er im September eine neue Stelle im Chiemgau an.

Sich selber nicht so wichtig nehmen. Das ist ein Credo, an das sich Adrian Zessin versucht zu halten. „Ich bin gerne zurückhaltend“ sagt der Theologe. „Das öffnet Türen und man nimmt mehr vom Gegenüber wahr.“ Zugang zu den Menschen finden, das ist dem Seelsorger ein besonderes Anliegen. In der Pfarrei Partenkirchen-Farchant-Oberau scheint ihm dies gelungen zu sein. „Ich habe mich mit allen dort sehr gut verstanden“, versichert er. Zwei Jahre war er im Rahmen seines Pastoralkurses in der Marktgemeinde tätig. Die Mitglieder seiner Gemeinde beschreibt er als „bodenständig, bescheiden und einfach ganz normal“. Das gefällt ihm. „Ich habe mich hier immer wohlgefühlt“, betont er. „Meinen Abschied sehe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“

Der Thalkirchner muss Garmisch-Partenkirchen im Zuge seiner weiteren Ausbildung verlassen. Im Sommer übernimmt er zwar noch Urlaubsvertretungen, ab September wechselt er jedoch zur katholischen Gemeinde ins Obere Achental im Landkreis Traunstein. Im Chiemgau tritt er nun für die nächsten zwei Jahre als Kaplan an. Erst vergangene Woche empfing der 30-jährige seine Priesterweihe im Freisinger Mariendom. Die Nachprimiz feiert er am Sonntag, 3. Juli, in der Partenkirchner Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Hier wird er auch zum ersten Mal eine Predigt halten und seinen ersten Primizsegen spenden. „Das ist für mich natürlich etwas ganz besonderes“, sagt der Neupriester mit leuchtenden Augen. „Darauf freue ich mich schon sehr.“

Dass er die Menschen, die er in der Marktgemeinde kennenlernen durfte, nun zurücklassen muss, findet er schade. Er freut sich aber schon auf die neue Stelle. Dort möchte der Geistliche ebenfalls die „frohe Botschaft und die Güte Gottes“ verkünden. Diesen Wunsch verspürte er bereits als zwölfjähriger Ministrant. „Damals wusste ich schon, dass ich Pfarrer werden will“, erinnert sich Zessin. Diesen Wunsch erfüllte er sich über Umwege. Nach seinen Qualifizierenden Hauptschulabschluss machte er zuerst eine Ausbildung zum Pharmazeutisch-Technischen Assistenten, bevor er sein Abitur nachholte und in Lantershofen sein Theologiestudium antrat. Die Arbeit in der Apotheke sei wichtig gewesen, sagt der Geistliche. Seinen Wunsch habe er aber nie aus den Augen verloren.

Vor allem die Erfahrungen während und nach seinem Studium – unter anderem in der Jugendarbeit und der Krankenseelsorge – haben ihm gezeigt, dass er seine Berufung gefunden hat. Er möchte Menschen helfen und ihnen Trost spenden. Dazu passt auch das Motto, dass er für seine Primiz gewählt hat. Der Auszug des Matthäus-Evangeliums „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ begleitet ihn seit seinem Praktikum in der St.-Nikolaus-Kirche am Münchner Hasenbergl. „Das biblische Zitat ist dort am Kirchenboden eingraviert“, erzählt Zessin. „Ich habe mich davon angesprochen gefühlt.“

Das Werdenfelser Land wird Zessin trotz aller Vorfreude vermissen: „Unter anderem die traumhafte Landschaft.“ Er ist sich jedoch sicher, dass er sich auch in den Chiemgauer Alpen wohlfühlen wird. Wandern gehen könne er auch dort wunderbar. Eines jedoch wird er in der neuen Heimat nicht vorfinden, weiß der Kaplan. „Aus meinem Fenster habe ich einen beeindruckenden Blick auf die Zugspitze. Der wird mir schon abgehen.“

Magdalena Kratzer

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