Volles Haus: Rund 250 Bürger bevölkern am Mittwochabend den Saal des Gasthofs Stern. Fotos: Lory

Ängste und Ermutigungen

Seehausen - 250 Bürger informieren sich in Seehausen über die geplante Unterbringung von rund 140 Flüchtlingen im "Seehaus" des BRK Seniorenwohnen Staffelsee. Vertreter des Ausländeramts und der Polizei beruhigen so manch besorgte Gemüter. Das Amt verspricht, sich um eine ausgewogene Belegung zu kümmern.

Seehausen/Murnau - Die persönliche Begegnung mit Flüchtlingen kann vieles verändern. Davon ist Dr. Felix Groß, Sprecher von Team 7 von Murnau Miteinander, überzeugt. „Suchen Sie den Kontakt zu den Menschen, zu Einrichtungen, wo schon Erfahrungen vorliegen, zu Unterstützerkreisen.“ Dies sei eine Möglichkeit, sich Ängsten zu stellen, betont Groß am Mittwochabend im Gasthof Stern.

Der Saal des Wirtshauses ist selten derart voll. Rund 250 Bürger wollen sich über die geplante Flüchtlingsunterkunft „Seehaus“ informieren. Die Versammlung dauert drei Stunden. Wie berichtet, will der Betreiber des Seniorenwohnen Ruhesitz Staffelsee, die Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), den auf Seehauser Flur liegenden Gebäudekomplex verkaufen.

Vorübergehend - die Rede ist von zwei Jahren - sollen Migranten in der Immobilie am Südufer des Staffelsees untergebracht werden. Allerdings gibt es bis dato noch keinen Vertrag zwischen dem Landratsamt und der Sozialservice-Gesellschaft. Die Migranten sollen erst einquartiert werden, wenn die Sozialservice-Gesellschaft den Umzug der bis dato 28 Seehaus-Bewohner ins Haus Garhöll über die Bühne gebracht hat. „Wie lange das dauert, wissen wir noch nicht“, sagt Geschäftsführer Christian Pietig. Ab Januar begännen die Gespräche mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen.

Das Ausländeramt will das „Seehaus“ dann „Schritt für Schritt“ mit Flüchtlingen belegen, wie dessen Leiter Florian Hibler darlegt. „Das wird etwa sechs bis acht Wochen dauern. Wir versuchen ein einigermaßen ausgewogenes Mischungsverhältnis hinzubekommen.“ Es sollen also zum Beispiel nicht nur Familien, aber auch nicht nur junge Männer einziehen. Für die Betreuung soll dann der BRK- Kreisverband sorgen.

Keine Überraschung ist, dass das Projekt in der direkten Umgebung nicht auf Begeisterung stößt. Das ist andernorts genauso. Die Nachbarn seien „bedrückt und niedergeschlagen“, betont Anwohner Rolf Wollenweber. „Man darf die Ängste der Bürger nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Wollenweber fände es gut, wenn es am Seehaus einen Sicherheitsdienst gäbe. Hibler winkt ab. „Die Regierung von Oberbayern wird keinen Sicherheitsdienst zahlen. Die sagen, das ist nicht nötig.“ Auch Murnaus Polizeichef Joachim Loy will etwaige Ängste vor Migranten zerstreuen. „Es gab hier bisher keine Sexualdelikte, Vergewaltigungen, Belästigungen oder Rauschgiftprobleme.“ Zudem betont Loy, dass die Polizei nichts verheimliche. „Wir haben keinen Maulkorb.“

Bedenken werden an dem Abend auch laut, was die Unterbringung von Flüchtlingskindern in Kindergarten und Schule betrifft. 30 bis 40 „kann Seehausen nie verkraften“, betont der Riedhauser Ex-Gemeinderat Paul Hagl. „Das muss geklärt sein.“ Seehausens Rathauschef Markus Hörmann (CSU) sind solche infrastrukturellen Fragen bewusst. „Daher haben wir Murnau mit ins Boot genommen.“ Die Marktgemeinde sei einfach anders aufgestellt. Das Projekt sei so groß, „dass es Seehausen an die Grenze oder darüber hinaus führen könnte“, sagt Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er kann sich vorstellen, dass Murnau Kindergartenplätze zur Verfügung stellt. In der Marktgemeinde gebe es zum Beispiel auch eine Kleiderkammer oder die Tafel. „Es könnte sein, dass die Flüchtlinge mehr in Murnau unterwegs sind“, mutmaßt Beuting. Das sei aber Spekulation. Der Bürgermeister mahnt, „unterschiedliche Meinungen nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge auszutragen, sondern das zu tun, was menschlich geboten ist“. Der Riedhauser Stefan Scholer sieht es ähnlich: „Wir sind ein christliches Land. Daran sollten wir uns erinnern.“

Auf die Unterstützung der Bürger, Vereine und Verbände zählt der scheidende BRK-Kreisgeschäftsführer Arnd Hansen. „Miteinander geht es. Bitte helfen Sie mit.“ Hansen ist im Übrigen überzeugt, dass Angst „kein guter Ratgeber“ sei. Auch Hörmann verbreitet am Ende der Versammlung Zuversicht. „Ich hoffe, dass wir das gemeinschaftlich in vernünftige Bahnen bringen. Wir haben als Gemeinde die Verantwortung, eine geeignete Unterkunft zu finden. Wir haben diese Gelegenheit genutzt.“ Wie es mit dem „Seehaus“ später weitergeht, ist unklar. „Wenn ein Käufer da ist, wird er sich an die Gemeinde wenden“, sagt Pietig. Die Kommune müsse entscheiden, was sie dort machen wolle. Bis dato handelt es sich bei dem Areal um ein Sondergebiet für Seniorenwohnen. (Lory)

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