Beliebtes Wanderziel: Im Wankhaus kehren jedes Jahr zahlreiche Gäste ein. foto: fkn

Ärger um Fahrverbot am Wank

Garmisch-Partenkirchen - Der Forst hat den Wankhaus-Betreibern untersagt, mit dem Quad zwischen Tal und Berg zu pendeln - wegen des Birkhuhns. Das Verbot trifft die Wirte schwer.

500 Höhenmeter geht es rauf von der Esterbergalm zum Wankhaus. 500 Höhenmeter, die Jürgen Stoll (46) mittlerweile bestens kennt. Die er schon oft in den Beinen spürte. „Ich hatte vor längerem schon zwei Knieoperationen und darf eigentlich nicht bergab gehen“, sagt der Wirt des Wankhauses.

Nur: Er hat gar keine andere Wahl. Früher, mit dem Quad, ging das deutlich schneller. Doch seit zwei Jahren - seit die Bayerische Zugspitzbahn die Flächen nicht mehr gepachtet hat - verbietet der Forst die Fahrten. Stoll und Marion Becker, mit der er seit zehn Jahren das Haus betreibt, sind für ihren Warentransport auf die Wankbahn und die Pistenraupe angewiesen. Fahren beide nicht, muss Stoll oft laufen.

Eine Lösung ist nicht in Sicht: Die Garmisch-Partenkirchner Alpenvereinssektion (DAV), der das Haus gehört, und der Forst können sich nicht einigen. Die Wirte, die sogar im Wankhaus wohnen, werden in die Diskussionen nicht mit einbezogen. „Schade“, findet Stoll. Auch das Ergebnis bringt ihn nicht weiter: Vor zwei Wochen wurde ein Vertrag unterschrieben, dass der Wirt im Winter mit der Pistenraupe fahren darf.

„Es hat Probleme gegeben mit den Lebensräumen des Birkwilds“, begründet Forstbetriebsleiter Meinhard Süß das Fahrverbot. Die Hühner „leben nicht im Wald, sondern auf alpinen Rasenflächen“. Am Wank seien das die einstigen Skitrassen, auf denen Stoll mit dem Quad fuhr. „Das ist laut und rumpelt“, sagt Süß. „Das stört das Balzverhalten und damit die Fortpflanzung.“ Von der vom Aussterben bedrohten Art gibt es nur noch etwa ein Dutzend.

Stoll kann das nicht verstehen. „Das Quad hören die Tiere doch rechtzeitig.“ Problematischer seien Wanderer und Radfahrer. „Sie bemerken sie erst kurz vorher.“

Auch Peter Anzenberger senior, Hüttenreferent und Dritter Vorsitzender der DAV-Sektion, will das Argument des Forsts nicht gelten lassen. Denn das Fahrverbot gelte nicht für alle. „Da ist eine Willkür da“, findet er. Die BZB dürfe rauffahren, wenn Arbeiten anstehen. Auch Unternehmen, die an den Masten arbeiten. „Wenn Bepflanzungsaktionen sind, fährt selbst der Forst rauf. Nur unser Wirt soll nicht. Das ist reine Schikane.“

Früher konnte Stoll nach getaner Arbeit mit seinem Quad ins Tal fahren und noch Einkäufe erledigen. Das ist mittlerweile unmöglich: „Da fährt die Bahn ja gar nicht mehr.“ Also muss er seine Erledigungen entweder tagsüber machen - dann fehlt er in der Küche - oder abends. Dann muss er aber die Nacht im Tal bleiben. Auch ein zweites Auto brauchten die Wirte - weil eines an der Esterbergalm und eines am Wankbahn-Parkplatz stehen muss.

Da die Lebensmittel nur begrenzt auf den Berg geschafft werden können, schrumpfte auch die Anzahl der Plätze im Wankhaus: „Es sind jetzt 80 weniger“, sagt Stoll. Ein Drittel von den vormals 240 Sitzen fehlt. Während die Einnahmen sinken, steigen andere Kosten: Denn die Pistenraupe verbraucht fünfmal so viel Treibstoff wie das Quad. Nicht gerade umweltfreundlich.

Für Stoll und Becker brechen demnächst noch härtere Zeiten an. Bald wird für ein bis zwei Wochen am Seil der Wankbahn gearbeitet - dann fallen auch die Revisionsfahrten für den Transport ihrer Lebensmittel weg. Eine weitere schmerzhafte Einschränkung. Nicht nur für die Knie.

Katrin Martin

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