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Der ehemalige Dorfladen in Bad Bayersoien ist mittlerweile geschlossen. Jetzt suchen die Bürger nach einer neuen Lösung. 

Große Überraschung in Bad Bayersoien

Ärger und Frust im Dorfladen-Team

Bad Bayersoien - Alles schien harmonisch zu laufen. Das Projekt Dorfladen in Bad Bayersoien kam voran. Aber offenbar lagen Schein und Sein weit auseinander. Drei Beiräte stellten nun ihre Ämter zur Verfügung. 

Es schien so gut zu laufen, als sich die Gesellschafterräte (vorne v. l.) Benedikt Engmann, Maximilian Drexler, Angelika Neugebauer und Franziska Kieweg trafen, unterstützt von Bürgermeisterin Gisela Kieweg und Berater Wolfgang Gröll. Nun trennen sich die Wege. Ein neues Gremium muss das Projekt Dorfladen Bad Bayersoien voranbringen.

Man hört es sofort: Andreas Baar ist frustriert. „Frustriert?“, fragt er nach. Das sei weit untertrieben. „Es ist zum Kotzen.“ Der Bad Bayersoier hat gerade mit Maximilian Drexler und Benedikt Engmann eine schwerwiegende Entscheidung getroffen: Am Donnerstagabend gaben sie ihre Posten im Gesellschafterrat und damit dem Entscheidungsgremium für die Gründung eines Dorfladens zurück. Zu Beginn einer außerordentlichen Sitzung der Anteilseigner verlasen Baar und Drexler – Engmann war beruflich verhindert – eine Erklärung. Und gingen.

„Dieser Schritt hat uns sehr überrascht“, betonen die Vorsitzenden des Gesellschafterrates, Angelika Neugebauer und Franziska Kieweg, in einer schriftlichen Stellungnahme. Was zu diesem Schritt geführt haben könnte, dazu äußern sie sich nicht, nachdem sich keiner der Männer einer Diskussion gestellt habe.

"Idealistische und realistische Welt prallten zusammen"

Auf Anfrage nimmt der ehemalige Gesellschafterrats-Sprecher Baar kaum ein Blatt vor den Mund. So schwer ihnen die Entscheidung nach all dem Einsatz in den vergangenen Monaten auch gefallen sei, so unausweichlich war sie offenbar. Die Männer sahen mit den Vorsitzenden „keine Vertrauensbasis“ mehr, hinzu kamen unterschiedliche Auffassungen zur Ausrichtung des Ladens. „Die idealistische und realistische Welt prallten zusammen.“ Letztere vertraten Baar und Co.

Nach eigener Aussage haben die drei unter Einbeziehung von Experten bereits ein fertiges Konzept erarbeitet. Samt Geschäftsplan, Kassensystem, Lieferanten. Sogar eine Immobilie stand bereits so gut wie fest. „Wir waren richtig weit“, sagt Baar. Auch in puncto Finanzen. „Unseren Berechnungen zufolge hätten wir kein Darlehen aufnehmen müssen.“ Allerdings hätte dies Abstriche bedeutet. Eine Bedientheke für Wurst und Käse etwa war da vorerst nicht drin. An Idealen wie diesen aber wollten die zwei Frauen offenbar festhalten.

„Unterschiedliche Auffassungen zur Gestaltung des Dorfladens“

Sie räumen „unterschiedliche Auffassungen zur künftigen Gestaltung des Dorfladens“ ein, sie hätten sich „an den genossenschaftlichen Werten und Zielen orientiert“. Grundsätzliche Entscheidungen möchten sie allen Mitgliedern der Unternehmensgesellschaft, also den beteiligten Bürgern, vorstellen. Daher beriefen sie am Donnerstag auch die recht spontane Sitzung ein, in der sie noch einmal das Thema Immobilie und Standort besprechen wollten. Mit Baar und Co. haben sie dies im Vorfeld nicht abgesprochen. Weiter wollen sich die Vorsitzenden nicht äußern.

Baar verdeutlicht noch einmal, wie weit die Parteien auseinanderlagen: Angesichts der unterschiedlichen Auffassungen könnten er, Drexler und Engmann „die finanzielle Verantwortung für die Anteile der Bürger nicht übernehmen“.

Bereits 184 Bad Bayersoier wollen Anteile zeichnen

Diese hatten sich für das Projekt begeistert. Zuletzt wollten 184 Bayersoier Anteile im Wert von rund 67 000 Euro zeichnen. Als Startkapital standen stets 90 000 Euro im Raum. Ob die angesichts der Unsicherheiten zustande kommen, ist fraglich.

Bürgermeisterin Gisela Kieweg will das Gespräch mit den Männern suchen. Das Projekt sei zu wichtig für den Ort. „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass es eine Lösung gibt.“ Franziska Kieweg und Neugebauer betonen ebenfalls: „Es wird auf jeden Fall einen Dorfladen in Bad Bayersoien geben.“ Jedoch nicht mehr in der Fünferkonstellation: Auch die Vorsitzenden traten am Donnerstag zurück, „um einen Neustart zu ermöglichen“. In Kürze soll der neue Gesellschafterrat gewählt werden.

Katharina Bromberger

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