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Statement: Viele Teilnehmer haben Protestschilder dabei.

So verlief die Gegenkundgebung

Demo gegen AfD: Ein fast perfektes Fest für Toleranz

Garmisch-Partenkirchen - Eine Festnahme und ein verletzter Polizist: So lautet die Einsatz-Bilanz für einen Nachmittag, der im Zeichen von Offenheit und Toleranz stand. Doch nicht dieser Zwischenfall wird in Erinnerung bleiben, sondern der große Zusammenschluss gegen die Rechtspopulisten der AfD.

„Es war ein tolles, offenes Miteinander. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt“: Als Christine Doering voller Freude ihr Fazit gezogen hat, war es gerade 18 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt haben rund 300 Bürger aus Garmisch-Partenkirchen, aber auch aus dem ganzen Landkreis, gezeigt, was ihre Antwort auf die rechtspopulistischen Parolen der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist. Mehr als zwei Stunden lang wurde bei der von Doering organisierten Gegenkundgebung zum Auftritt der AfD-Chefin Frauke Petry im Gasthof zum Rassen ein Fest für Freiheit und Toleranz gefeiert. Am Kirchplatz in der Ludwigstraße gab es Musik, Seifenblasen flogen durch die Luft, es wurde getanzt. Um 18.30 Uhr war von dieser Stimmung nicht mehr viel übrig.

Eine Gruppe von rund 15 angetrunkenen, jungen Punks nutzte die entspannte Aufbruchstimmung, um Randale zu machen. Mit einer Sitzblockade am Rassen-Hintereingang, Sprechgesängen vor einem Saalfenster und Aggressionen gegen die Bereitschaftspolizisten. Das Ganze gipfelte in einem kurzen Aufeinandertreffen, an dessen Ende eine Verhaftung steht. Ein Polizist wurde im Bauchbereich verletzt und musste ärztlich versorgt werden.

Entsprechend ernst war die Miene von Garmisch-Partenkirchens Polizei-Chef Thomas Kirchleitner. Denn noch kurz zuvor hatte er, wie auch Organisatorin Doering, ein positives Fazit der Demonstration gezogen. „Alles ruhig“ lautete zweieinhalb Stunden lang seine Beurteilung der Lage in der Ludwigstraße.

Dort sind ab 16.30 Uhr immer mehr Menschen zusammengekommen. Eine Mischung, die begeisterte: Jung und Alt feierten zusammen, Trachtler, Linke ohne Schuhe aber mit Dreadlocks, Politiker vieler Parteien, Vertreter verschiedenster Kulturen und Glaubensrichtungen, Einheimische wie Flüchtlinge. „Bunter könnte es eigentlich gar nicht sein“, sagte Doering.

So vielseitig die Zusammensetzung, so einig waren sich die Teilnehmer bei einem wichtigen Thema: „Wir setzen uns für Respekt, Offenheit und das Gemeinleben ein. Das ist das, was uns vereint“, sagte Florian Ritter von der SPD-Landtagsfraktion. Sein Kollege von den Freien Wählern, Florian Streibl aus Oberammergau, forderte einen weltoffenen Freistaat. „Bayern war schon immer ein Land, das viel empfangen und auch viel geschenkt hat.“ Werte wie Toleranz seien es wert, dass man dafür kämpft.

Das unterstrich auch Ömer Anilir, der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Garmisch-Partenkirchen. Gerade gegen seine Glaubensrichtung, gegen den Islam, wettert die AfD. „Aber es geht nicht um den Islam, es geht um Deutschland.“ Um das Zusammenleben. Zwischen Anilir und dem evangelischen Pfarrer Thomas Lichteneber gab es eine schöne Geste: Als der Geistliche sagte, dass Christentum und Islam Religionen mit orientalischen Wurzeln sind, nickten sich beide mit einem Lächeln zu. „Das Abendland entstammt dem Morgenland“, rief Lichteneber in Erinnerung. Seine Positionierung mag nicht jeder. Der Pfarrer erzählte ganz offen, dass er viele Schmähanrufe bekommen hat. Wegen seines Auftritts bei der Demo. Für die Musik bei dem Nachmittag sorgte die Band „Donna Trumps and the Waterboarders“. „Wenn Ihr heute noch einen AfDler trefft, nehmt ihn in den Arm“, sagte Sängerin Ozzy Thompson. „Die brauchen a bisserl Liebe.“

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