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Lange ist’s her: Zum Lachen finden die beiden Kontrahenten (v. l.) Adolf Hornsteiner und Wolfgang W. Reich die verworrene Situation bei der Mittenwalder Karwendelbahn schon seit geraumer Zeit nicht mehr.

Nächste Runde im Karwendelbahn-Streit

Säbelrasseln vor Aktionärsversammlung

Mittenwald - Die Hauptversammlung der Karwendelbahn birgt Sprengstoff. Das Amtsgericht München hat dem Markt Mittenwald recht gegeben, die Tagesordnung zu ergänzen. 

Für den Mittenwalder Bürgermeister steht der eingeschlagene Kurs außer Frage: „Wir sind auf dem richtigen Weg“, betont Adolf Hornsteiner (CSU). Seit Monaten liefert sich die Rathausspitze eine erbitterte Schlammschlacht mit der Führungsetage der ins Trudeln geratenen Karwendelbahn. Vor dem Showdown der beiden Hauptaktionäre (Konsortium AG und Marktgemeinde) am kommenden Freitag bei der Aktionärsversammlung in München schärfen beide Parteien nochmals die Klingen.

Brisanz verspricht das Treffen nicht zuletzt wegen des neu aufgenommenen Tagesordnungspunkts zwei, der laut Bürgermeister demnächst im Bundesanzeiger veröffentlicht werden soll. Diesen Top 2 hat die Gemeinde vor dem Amtsgericht München buchstäblich erstritten. Ein wichtiger Etappensieg, wie das Mittenwalder Gemeindeoberhaupt findet. Damit möchte die Kommune eine „Sonderprüfung betreffs Vorgänge in der Geschäftsführung“ auf den Weg bringen.

In Zusammenarbeit mit der Augsburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Müller-Treuhand-GmbH soll – wie bereits berichtet – unter anderem die laut Marktgemeinde „baurechtswidrige“ Installation einer Illuminationsanlage an der Bergstation, die obendrein ohne Genehmigung erweitert worden sein soll, näher betrachtet werden. Mit Hilfe der Augsburger Experten wollen Hornsteiner und Co. zudem geklärt wissen, „ob die Bestände sowie Zu- und Abgänge ordnungsgemäß verbucht wurden“. Mit anderen Worten: Die Geldströme in den zurückliegenden Monaten sollen nachgezeichnet werden. Des Weiteren soll die Vergütung des vorbestraften Ex-Vorstands Wolfgang W. Reich genauer unter die Lupe genommen werden. Gemeinhin gilt der Heidenheimer als der starke Mann bei der Konsortium AG. Ebenfalls Sprengstoff birgt das Ansinnen, die Geschäftsbeziehungen zwischen der Konsortium AG und Karwendelbahn AG zu beleuchten sowie die Rolle nahestehender Unternehmen und Personen.

Damit zielt man laut Antrag der Gemeinde neben Reich junior noch auf weitere Akteure aus Heidenheim ab: nämlich die Karwendelbahn-Aufsichtsratsmitglieder Wolfgang Erhard Reich (Vorsitzender), Gerhard Proksch und Patrick Kenntner sowie den aktuellen Vorstand der Aktiengesellschaft, Aniko Köpf. Diese Frau, die bislang noch niemand zumindest in dieser leitenden Funktion in Mittenwald zu Gesicht bekommen hat, hat jetzt übrigens Verstärkung erhalten. Kenntner, enger Vertrauter von Reich junior und bislang Aufsichtsratsmitglied, wurde nun als Mit-Vorstand ins Boot geholt.

Wie Reich senior gegenüber dem Tagblatt bestätigt, fand Kenntners Kür unlängst in Heidenheim statt. Angeblich haben in dort vier Aufsichtsräte gewählt. Einer war nicht dabei: der bisherige Arbeitnehmer-Vertreter Stefan Sellmaier, dem vor einigen Wochen gekündigt wurde (Bericht siehe unten). „Das ist das Neueste, was ich höre.“

Was Kenntner, der sich offenbar selbst mitgewählt hat, zur jüngsten Personal-Rochade sagt, bleibt ungewiss. Eine Tagblatt-Anfrage beantwortete er einmal mehr nicht. Und was meint der Bürgermeister dazu? „Das spricht doch für sich, das passt alles ins Bild“, so die Einschätzung von Hornsteiner, der in einer Woche als Vertreter des Marktes die Sichtweise des zweitgrößten Aktionärs darlegen will. Der eigentliche Repräsentant Mittenwalds im Aufsichtsrat, Zweiter Bürgermeister Gerhard Schöner, befindet sich derzeit im Urlaub.

Hornsteiner setzt seine Hoffnung, dass es überhaupt zur Behandlung von Tagesordnungspunkt zwei kommt, in den Münchner Rechtsanwalt Boris Dürr. Dieser wurde vom Amtsgericht München als Versammlungsleiter bestellt. Objektivität sei also gewahrt. Ob die Sonderprüfung tatsächlich beschlossen wird, darf angesichts der Mehrheitsverhältnisse – die Konsortium AG hält weit über 40 Prozent der Aktien – jedoch bezweifelt werden.

Eine Einschätzung der jüngsten Entwicklung lässt sich Aufsichtsrats-Vorsitzender Wolfgang Eduard Reich nicht entlocken. Er meint im Hinblick auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit der Marktgemeinde Mittenwald lediglich: „Die Karwendelbahn lebt.“

Christof Schnürer

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