Das Athletendorf im Skistadion von Garmisch-Partenkirchen.
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Kein Zuschauerbereich, kein VIP-Zelt: Heuer steht das Athletendorf im Stadion vor dem Olympiadorf.

Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen

Alles anders beim Neujahrsspringen

  • vonPatrick Hilmes
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Am 1. Januar 2021 ist es wieder soweit: dann steht das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen an. Doch der zweite Stopp der Vierschanzentournee wird ein ganz anderer als gewohnt.

  • Präsident des SC Partenkirchen in Quarantäne
  • Bereich rund um das Stadion abgeriegelt
  • Veranstaltungskosten beinahe auf Vorjahresnivau

Garmisch-Partenkirchen – Beim Helferfest geht’s zünftig zu. Im gesamten Markt sind die Bars und Kneipen voll mit Fans aus der ganzen Welt, die zuvor noch lautstark „Ziehhhh“ im ausverkauften Stadion gegrölt haben. Hier und dort stehen Gruppen zusammen, unterhalten sich, Funktionäre und Organisatoren klatschen sich ab, weil sie wieder einmal diese Riesenveranstaltung erfolgreich auf die Beine gestellt haben. Schön war’s. Und schön wär’s sicher auch am 1. Januar 2021 wieder geworden. Doch heuer ist halt alles anders. Entsprechend anders wird auch das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Michael Maurer muss das Springen daheim verfolgen

Kein Helferfest, keine Fans, kein „Ziehhhh“, keine Partys. Und nun auch noch: kein Michael Maurer. Der Präsident des SC Partenkirchen und OK-Chef wird nicht vor Ort sein. Natürlich ist Corona schuld. In der Familie gab es zwei positive Fälle. Maurer selbst ist symptomfrei und wird sich heute erneut testen lassen. Doch: Egal wie das Ergebnis ausfällt, er wird das Springen daheim vor dem Fernseher verfolgen.

Das ging über das Spektrum einer normalen Sportveranstaltung hinaus.“

Michael Maurer, Präsident des SC Partenkirchen

Ein Neujahrsspringen in Corona-Zeiten, und dann fehlt auch noch der Chef: Wie kann das gehen? „Ich habe da überhaupt keine Angst“, betont Maurer. Seine Aussage beruht auf zwei Faktoren. Zum einen ist er nicht alleinverantwortlich. „Sehr viele Leute sind eingebunden, und ich habe einen guten Draht zu ihnen.“ Maurer arbeitet weiter aus dem Homeoffice, telefoniert und schreibt fleißig E-Mails. Punkt zwei: Maurers Arbeit ist quasi erledigt, nur noch Kleinigkeiten stehen im Vorfeld des zweiten Tourneestopps an. Der Großteil wurde in den vergangenen sechs Monaten geleistet. „Das war eine wahnsinnige Aufgabe. Das ging über das Spektrum einer normalen Sportveranstaltung hinaus.“

Routine für den Teufel

Dem schließt sich Sabrina Pieri an, Generalsekretärin und Maurers Vertreterin im operativen Geschäft an Neujahr: „Ich bin jetzt 17 Jahre dabei, aber an ein solches Jahr kann ich mich nicht erinnern. Seit Juni stand jedes Wochenende Arbeit für das Springen an. Denn die Routine aus den vergangenen Jahren war für den Teufel.“ Alles ist anders, und somit muss auch alles anders beim Neujahrsspringen sein. So steht nun das Athletendorf mitten im Stadion vor dem Olympiahaus. Tribünen gibt es nicht, ebenso wenig ein VIP-Zelt. Braucht es alles nicht – keine Fans, keine VIPs. „Auch wenn Herr Söder kommen wollen würde: Er müsste vor dem Fernseher zusehen“, betont Maurer.

BR schickt anstatt 70 nur 5 Mitarbeiter

Medien dürfen kommen, aber das tun sie in deutlich geringerer Anzahl. Der Bayerische Rundfunk ist in normalen Zeiten mit rund 70 Personen vertreten, heuer sind es fünf. Der ORF schickt sonst 40 Mitarbeiter nach Garmisch-Partenkirchen, am 1. Januar 2021 werden es nur vier sein. In jedem Bereich wurde abgespeckt. „Alles ist auf das Notwendigste reduziert“, sagt Pieri. Heißt in Zahlen: 180 Helfer, 190 Medienvertreter, 25 Funktionäre, dazu kommen Athleten, Trainer und Betreuer. Mehr nicht. Auch die SCP-Mitglieder haben diesmal keine Chance auf Einlass. Ebenso wenig dürfen Schaulustige das Springen im Außenbereich live vor Ort verfolgen. Der gesamte Bereich um das Stadion wird abgeriegelt (siehe Grafik). Vor den Zugängen zum Gelände werden Ordner und die Polizei kontrollieren. Das gilt ebenso für die Wiesen auf der Westseite des Stadions. „Es geht uns dabei nicht um die Schwarzzuschauer, sondern darum, dass keine Gruppen gebildet werden sollen“, betont Pressechef Hannes Krätz.

Hier geht’s nicht weiter: Die rote Linie markiert den abgeriegelten Bereich, den nur Personen mit einem entsprechenden Arbeitsausweis betreten können.

Die Rechnung geht nicht auf

Immerhin müssten mit all diesen Einschränkungen doch die Kosten für die Veranstaltung geringer ausfallen? Falsch. „Die Rechnung geht leider nicht auf. Das Springen wird heuer nicht viel günstiger als sonst“, sagt Pieri. Unter anderem schlägt die Umsetzung des Hygienekonzepts mit 40 000 bis 50 000 Euro zu Buche. Einen kleinen Vorteil hat Corona den Organisatoren aber auch beschert. So bedurfte es heuer keines umfassenden Verkehrskonzeptes. Ein Segen für die Anwohner.

Aber die Gesamtansicht bleibt eine bittere. Ja, der Sport findet statt. Das ganze Drumherum wird jedoch fehlen. Zünftig wird’s nicht. Das bedauert auch Maurer. „Es wird komisch. Es werden einfach alle heimgehen und sagen: Pfiat eich.“

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