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Komplett zerstört: Johannes Thoma begutachtet den Schaden an der Hebebühne.

Vom Alltag noch weit entfernt

Farchant - Nach dem Feuer im Farchanter Autohaus Waldherr werden die Ausmaße des Schadens deutlich. In der Werkstatt des Toyota-Händlers ist eine komplette Renovierung nötig. Wann die Mechaniker wieder Fahrzeuge in der Halle reparieren, ist noch unklar.

Klaus Waldherr (45) steht in seiner Autowerkstatt oder in dem, was davon übrig ist. Er blickt auf zerstörte Hebebühnen, geschmolzene Plastikabdeckungen und verruste Schraubenschlüssel. Ein Brand hat am vergangenen Samstag die rund 150 Quadratmeter große Halle des Toyota-Autohauses in Farchant verwüstet.

„Ich habe gerade das Frühstück gemacht“, erinnert sich Waldherr an den Tag des Unglücks. „Eigentlich wäre ich am Samstag gar nicht ins Geschäft gegangen.“ Doch daraus wurde nichts. Kurz vor 8 Uhr wurde an seiner Haustür sturmgeklingelt: die Feuerwehr. Er müsse sofort raus aus seiner Wohnung, die sich über dem Verkaufsraum seines Geschäftes befindet, es brenne. Als er vor der Werkstatt stand, habe er nur die schwarzen Scheiben gesehen. „Da dachte ich mir noch, was wollen die denn.“ Als er jedoch genauer hinsah, erkannte er die sich anbahnende Katastrophe. Er habe nur noch seinen Werkstattschlüssel hergegeben, den Rest habe die Feuerwehr erledigt. „In so einem Moment denkst du an gar nichts“, erzählt der Toyota-Händler. „Du bist nur fassungslos.“

Brand verwüstet Autowerkstatt

Vor allem Ruß und Hitze haben dem Gebäude zugesetzt. Den Fließenboden sprengte es förmlich auf. An der rußschwarzen Decke baumeln von der Hitze verformte Lampenabdeckungen. Geschmolzene Kunststoffhüllen an Steckdosen und Bedienkonsolen der Hebebühnen haben groteske Formen angenommen. Obwohl der Schaden laut Stephan Paglia, KfZ-Sachverständiger vom Toyota Versicherungsdienst, wohl in die Hunderttausende gehen wird, sei der Brand relativ glimpflich ausgegangen. Immerhin kein Personenschaden. Nur Ruß ist in jeder Ritze der Werkstatt. „Allein das Heizgebläse zu reinigen, ist ein Riesenaufwand.“ Hinzu kommen Hebebühne, Testgeräte und Elektorleitungen – alles teure Geräte, die nicht mehr zu gebrauchen sind. Fünf Autos waren den Flammen ausgesetzt. „Alle haben Totalschaden.“

Vom Brandverursacher, ein in der Halle abgestellter Elektroroller, ist nur noch das Skelett übrig. Verkohlt. Dort wo einmal die Reifen waren, hängen geschmolzene Gummifetzen herab. Das Zweirad wurde nur in der Halle gelagert. Jeden Tag wurde es von den Mechanikern aus der Werkstatt geschoben. „Aus Gutmütigkeit haben wir das gemacht“, sagt Waldherr. Und so stand der Roller auch am Freitag wieder im Hof. „An diesem Tag hat es geregnet, vielleicht hat die Batterie dadurch einen Kurzschluss bekommen“, vermutet Waldherr. „Oder es war vorher schon einer drin.“ Genau kann er das nicht sagen. Klar ist nur, dass „hauptsächlich der Roller gebrannt hat“.

Wann seine Mitarbeiter wieder in der Halle an Autos schrauben können, ist noch nicht abzusehen. „So schnell wird das nichts werden“, vermutet Versicherungs-Experte Paglia. „Eventuell könnte Anfang nächster Woche etwas gehen.“ Doch vom Alltag ist die Autowerkstatt auch dann noch weit entfernt. Die zerstörten Geräte müssen erneuert, die beschädigten oder verdreckten Werkzeuge ersetzt und gesäubert werden. Außerdem muss die ganze Halle geweißelt werden. „Es wird alles erst so nach und nach wieder instandgesetzt.“

Die Kundschaft des Toyota-Händlers hat Verständnis für die momentanen Terminausfälle. „Wir bemühen uns natürlich, alles so schnell wie möglich wieder hinzubekommen“, betont Waldherr. Bis dahin hat in den nächsten Tagen nur der Verkauf geöffnet. Seinen vier Mechanikern hatte er am gestrigen Montag frei gegeben. Er selbst versucht das Beste aus der Situation zu machen. „Du musst es mit Humor sehen.“

Matthias Strehler

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