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Den Überblick dürfen die Schafhalter bei der Menge an Tieren nicht verlieren. Peppi Hornsteiner (2.v.l.) und Michael Seitz passen auf, dass keines durch die Kontrolle rutscht.

Wenig "schwarze Schafe" unter den Tierhaltern

Rundum-Check vor dem Almsommer

Mittenwald - Die Saison geht los: Die Almbauern machen die Schafe fertig für den Sommer auf den saftigen Bergwiesen. Dazu gehören auch Untersuchungen des Gesundheitszustandes. 

Autos und Bulldogs mit Anhängern reihen sich auf der kleinen Asphaltstraße zum Mittenwalder Schafstadl. Allesamt mit lebender Fracht. Einer der ersten an diesem Tag ist Franz Oberbauer. Trotz des Regenschauers hat er sich mit seinem Traktor ohne Verdeck auf den Weg zum Kranzberg hinauf gemacht. Im Schlepptau einen Anhänger voll mit Bergschafen. Begrüßt wird er von Peppi Hornsteiner (Zegl), dem Gemeindehirten, der ihm sogleich hilft, die herauszuholen. Doch ehe es auf die saftigen grünen Wiesen geht, müssen die gutmütigen Nutztiere zuerst noch eine Art „Überprüfungsschleuse“ passieren. Hornsteiner nimmt bedächtig ein Schaf und bugsiert es in eine spezielle Haltung auf den Rücken. „Wenn sie keinen Boden mehr unter den Hufen spüren, bleiben sie ganz ruhig liegen“, erläutert der erfahrene Schafhirte die Prozedur. Sie ist absolut notwendig, um die Schafe auf ihren Gesundheitszustand hin zu überprüfen.

Riechen die Klauen nach Käse, ist das Tier krank

Mit fast allen Sinnesorganen wird das Tier nun untersucht. Hornsteiner betastet die Klauen, riecht sogar daran. Man würde es sofort wahrnehmen, wäre das Tier krank, versichert er. „Dann duftet es käsig“, beschreibt er. Ein Zeichen für die sogenannte „Moderhinke“, eine weit verbreitete Klauenkrankheit. Dann muss das Schaf wieder zurück in den Hänger, denn die Krankheit ist sehr ansteckend. Gleichzeitig überprüft der 54-Jährige, ob die Klauen vom Halter regelmäßig beschnitten und gesäubert wurden. „Sonst können sich schmerzhafte Entzündungen bilden.“ Doch bei fast allen dürfen er und seine Schaferer-Kameraden heuer grünes Licht geben. Nur wenige „schwarze Schafe“ gibt es unter den Tierhaltern, wie er weiß. Mit seltenen Ausnahmen: Ein Tier musste heuer wieder zu seinem Besitzer zurückgebracht werden, weil die Klauen zu ungepflegt waren.

Schafe sind in guten Händen

415 Schafe werden den ganzen Tag zum Schafstadl gebracht, wie Almmeister Thomas Frank gewissenhaft notiert. An seinem „Schreibtisch“, einer Biertischgarnitur, nimmt er nicht nur die Stückzahl der jeweiligen Bauern auf, sondern sammelt auch die tierärztlichen Befunde ein. „Die Arbeit mit den Tieren ist sehr bürokratisch geworden“, erzählt der Mittenwalder. Jede noch so kleine Untersuchung, Entwurmung und Impfung muss bis ins Kleinste dokumentiert werden. Erst dann darf ein Schaf auch in die Obhut von Peppi Hornsteiner übergeben werden.

Heuer werden die Lämmer getrennt an der sogenannten „Gröbl-Stelle“ gehalten, um ein gesundes Wachstum zu gewährleisten. Die ausgewachsenen Tiere werden in den nächsten Tagen unter dem wachsamen Auge Hornsteiners auf den Wiesen des Kranzberg-Gebiets grasen. Seit dem 1. Mai ist er wieder offiziell als Gemeindehirte angestellt. Am 20. Juni geht die Arbeit richtig los. Dann muss er mit den insgesamt 450 Tieren ins Karwendelgebirge. Im Juli steht Hornsteiner mit dem „Gleitsteig“ eine der schwierigsten Passagen der Wanderung bevor. „Da ist es brutal eng und sehr steil“, sagt er. Doch genau in solchen Situationen macht sich seine langjährige Erfahrung bezahlt – heuer ist’s sein 24. Almsommer. Die Schafe sind in guten Händen – und werden im Herbst bestimmt wieder gesund und wohlbehalten unten im Ort ankommen.

Josef Hornsteiner

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