„Alte Beine brauchen kurze Wege“

Murnau - Es war abzusehen: Der Murnauer Marktgemeinde hat am Donnerstagabend den Plänen für ein Ärztehaus im Kemmelpark eine Absage erteilt. Ob sich so ein Projekt vielleicht weiter im Ortsinneren realisieren lässt, wird die Zukunft zeigen.

Die negative Entscheidung hatte sich abgezeichnet. Denn das Gremium hatte bereits im November beschlossen, den Bebauungsplan so abzuändern, dass keine weiteren Verkaufsflächen (Ausnahme: der Supermarkt-Komplex) in dem ehemaligen Kasernengelände zugelassen sind. Der Murnauer Steuerberater Dr. Ralf Schauer, der das Ärztehaus gerne verwirklicht hätte, wollte aber auch Geschäfte der Gesundheitsbranche in der Immobilie unterbringen.

In der Sitzung am Donnerstag deklinierten die Räte das Thema nochmals ausgiebig durch. Dr. Franz Englbrecht (ÖDP/Bürgerforum), selber Arzt, wies darauf hin, dass die Marktgemeinde praktisch keine Fachrichtung hinzubekommen könnte. Allenfalls könnten Kollegen, die bereits ortsansässig sind, in den Kemmelpark rausziehen. „Murnau ist mit Ärzten reichlich versorgt“, betonte Englbrecht.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) präsentierte sich erneut als Verfechter eines starken Ortskerns. Er verwies unter anderem auf den demografischen Wandel. „Die Mobilität wird abnehmen.“ Und weiter: „Alte Beine brauchen auch kurze Wege.“ Damit spielte er auf den Leitspruch „Kurze Beine, kurze Wege“ an. Dieser be- deutet, kurz gesagt, die Grundschule im Dorf beziehungsweise der Gemeinde zu lassen. Elisabeth Hoechner (SPD) konnte diese Argumentation nicht ganz nachvollziehen. „Wenn die Bevölkerung nicht mehr so mobil ist, wird sie auf einen fahrbaren Untersatz zurückgreifen.“ Was wichtiger sei: „Die Bevölkerung hat inzwischen das Gefühl, wir sagen zu allem nein.“ Welf Probst (Freie Wähler) sah es genau so: „Wir verhindern zur Zeit mehr als wir genehmigen.“ Über die restlichen Kemmel-Flächen eine Käseglocke drüberzustülpen, finde er nicht richtig.

Anna Schlegel (ÖDP/Bürgerforum) widersprach, dass der Gemeinderat nur verhindere. „In diesem Fall würden wir uns dafür entscheiden, das Kemmelgelände für Gewerbe frei zu halten.“ CSU-Sprecher Andreas Müssig wusste von Ärzten zu berichten, die „gar nicht mehr so daran interessiert sind“, in den Kemmelpark zu gehen. Nicht nur er hielt es für angebracht zu überlegen, ob es nicht einen Standort für ein Ärztehaus gibt, der sich weiter innerörtlich befindet. Für die Ansiedlung im Kemmelpark sprach sich nochmals Müssigs Fraktionskollege Michael Hosp aus. Er sehe darin ein Riesenpotential. „Viele Patienten kämen von außen nach Murnau.“

Letzten Endes fiel die Entscheidung relativ knapp, aber doch eindeutig aus. 14 Volksvertreter lehnten das Ärztehaus ab, 11 waren dafür, davon viele aus den Reihen der CSU. Schauer hatte Anfang Dezember gegenüber dem Tagblatt auch noch einen Plan B vorgestellt. Der Seehauser Unternehmer, der seine Kanzlei im Murnauer Obermarkt hat, hatte eine abgespeckte Variante vorgeschlagen: ein Bürogebäude ohne die ursprünglich vorgesehenen Praxen und Geschäfte. In die Immobilie würde nur er mit seiner rund 80 Mitarbeiter starken Firma einziehen, hatte er damals vorgeschlagen. Bei der Marktgemeinde selbst ist Schauer allerdings mit diesen Überlegungen noch nicht vorstellig geworden, wie Bürgermeister Beuting darlegte. (roy)

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