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Beliebte Einkehr: Die alte Finzalm-Hütte lockt viele Mountainbiker und Wanderer.

Bauprojekt auf der Krüner Finzalm

Posthalter kämpft für alte Hirten-Hütte

Krün - Auf der Krüner Finzalm steht ein Kleinod – findet zumindest Bernhard Neuner senior. Ihm ist es ein Dorn im Auge, dass dort das nostalgische Hütterl abgerissen werden soll.

Seit Bernhard Neuner (70) vor einigen Jahren das Schicksal des Wallgauer Posthotels in die Hände seines gleichnamigen Sohnes legte, hat der Posthalter viel Zeit. Gerne radelt der rüstige Rentner mit seinem Mountainbike in die heimische Bergwelt. Erst kürzlich führte sein Weg wieder hinauf zur Finzalm (1040 Meter), wo er schon als Lausbub herumtollte. Dort oben hat es ihm das 1900 erbaute Blockhäuserl angetan. „Ein Kleinod“, findet der „Post-Bernhard“. Solche urtypischen Hütten verleihen der Region ihren Charme. Solche Anwesen sind es, warum Urlauber zu tausenden in die Alpenwelt Karwendel reisen. Umso schlimmer empfindet es Neuner, dass diese Hirten-Unterkunft wahrscheinlich im Frühjahr dem Erdboben gleich gemacht werden soll. „Für mich ist es ein Blödsinn, die alte, kleine, aber historische Alm wegzublasen.“ Dieses „Bauern-Denkmal“ dürfe man „niemals entfernen“. In diesem Denken würden ihn viele andere Einheimische bestärken, denen der drohende Abriss ebenso ein Graus ist.

Doch die Rechtslage ist eindeutig: Nachdem die Krüner Weidegenossen auf der Finzalm – ein 312 Hektar umfassender Niederleger, auf dem im Früh- und Spätsommer Jungvieh (bis zu 100 Tiere) grast – eine neue, zeitgemäße und geräumige Hirten-Unterkunft errichten wollen, muss die alte Behausung „spätestens zwei Monate nach Nutzungsaufnahme der neuen Hütte vollständig“ zurückgebaut werden, schildert Stephan Scharf, Pressesprecher des zuständigen Landratsamts, die Sachlage und beruft sich dabei auf die Bayerische Bauordnung. Die bisherige Hirten-Bleibe – 3,5 mal fünf Meter groß, ein Raum ohne Klo oder Dusche – hat dann „ihre Privilegierung im Außenbereich verloren“.

Zugleich betont Scharf, dass der Bauherr mit dieser Vorgabe, sprich dem Abriss, einverstanden war. Das bestätigt auch Alois Kramer junior. Der „Ferl“, der für die CSU seit 2002 im Gemeinderat sitzt, vertritt als Vorsitzender die Interessen der 24 Weiderechtler – darunter acht aktive Bauern, die mit ihren Rindern die Finzalm bestoßen. Laut Kramer war bei seinen Mitstreitern das Schicksal der bestehenden Hütte nie Thema gewesen. Ein großer Freund der 116 Jahre alten Unterkunft scheint der Ferl ohnehin nicht zu sein. „Die ist nicht mehr zumutbar“, sagte Kramer einmal während einer Ratssitzung im September 2012.

Auch sein Parteifreund, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, hängt nicht sonderlich an der Hütte. „Ich bin da leidenschaftslos“, gibt er freiwegs zu. „Lieber bauen wir eine neue, vernünftige.“ Könnte die alte tatsächlich unberührt bleiben, hätte das freilich finanzielle Folgen. „Denn jedes Gebäude muss auch erhalten werden.“ Das kostet Geld.

Dieses Argument lässt Bernhard Neuner senior nicht gelten. Warum mussten dann die Wallgauer auf ihrer Alm vor einigen Jahren bei einem ähnlichen Projekt das alte Gebäude nicht abreißen?, fragt sich der Posthalter. Weil diese mittlerweile einen anderen (Privat-)Besitzer habe, glaubt der Bürgermeister.

Schwarzenberger freut sich nun vielmehr auf die neue Almhütte mit viel Holz, Zierbund und Kniestock – ganz bayerisch eben. Daneben bietet das geräumige Haus der Familie von Hirten Max Kriner auf zwei Stockwerken genügend Platz. Und ein Plumpsklo gibt’s darin auch nicht mehr. Die Bodenplatte besteht bereits. Vielleicht interessiert sich ja das Freilichtmuseum Glentleiten für das Vorgänger-Modell.

Christof Schnürer

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