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Ein buntes, friedliches Fest war die Kundgebung der AfD-Gegner in Partenkirchen im Juni. So friedlich soll es auch dieses Mal in Garmisch werden. 

Gegenveranstaltung zur AfD angemeldet 

Zwei Kundgebungen in Garmischer Fußgängerzone

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Garmisch-Partenkirchen - Die rechtspopulistische AfD organisiert an diesem Samstag eine Kundgebung in Garmisch-Partenkirchen. Eine Gegenaktion findet wenige Meter entfernt statt. Beide Seiten rechnen mit je 50 friedlichen Teilnehmern.

Sie wollen, nein: Sie müssen etwas unternehmen. Sie können nicht einfach zuschauen, wie sich Anhänger der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Garmisch-Partenkirchen treffen. Irgendetwas müssen sie tun. Deshalb meldeten Christine Wedler und Unterstützer am Freitag für diesen Samstag eine Gegenveranstaltung zur Kundgebung der AfD an. Um ein Zeichen zu setzen. „Wir müssen zeigen, dass es in Garmisch-Partenkirchen Menschen gibt, die sich für Mitmenschlichkeit und Toleranz engagieren“, sagt Wedler. Dafür treffen sie sich um 13 Uhr vor der Spielbank in der Garmischer Fußgängerzone. Die Organisatoren rufen dazu auf, ihren Wunsch nach Frieden und Toleranz durch ein Plakat mit „positiv besetzten Worten wie Liebe, Respekt oder Gerechtigkeit“ zu untermauern. Im Kunstcafé Kunstklamm liegen Mal-Utensilien bereit.

Während Wedler von Liebe und Menschenwürde spricht, fragt die AfD, ob in Garmisch-Partenkirchen ein „Bürgerkrieg“ herrsche und stellt ihre Kundgebung unter das Motto „Jetzt langt’s“. Diese beginnt ebenfalls um 13 Uhr am Bischoffeck in der Fußgängerzone. Als Redner werden unter anderem Florian Jäger, Bezirksvorsitzender von Oberbayern, und Fabian Walch aus Reutte, Bezirksobmann der rechtspopulistischen Partei FPÖ, erwartet.

Anlass für Kundgebung: "Besorgte Bürger"

Anlass für ihre Kundgebung waren für Edeltraud Schwarz, Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Oberbayern-Süd, „besorgte Bürger“ aus dem Landkreis, die „von Vorfällen“ berichteten. Etwa davon, dass Schüler in einem ökumenischen Schulgottesdienst eine Sure aus dem Koran vorgelesen haben (wir berichteten). Eltern seien davon „überhaupt nicht begeistert“ gewesen, sagt Schwarz. Dr. Sigrid Meierhofers Brandbrief an die Regierung von Oberbayern, in dem die Bürgermeisterin um die Sicherheit im Ort fürchtet und die schwierigen Verhältnisse in der Erstaufnahmeeinrichtung beklagt, wurde erst nach dem Entschluss zur Kundgebung öffentlich. Doch spielt er der AfD in die Karten. Sie klatscht Meierhofer Applaus und spitzt die Situation zu.

„Bürgerkrieg in Garmisch-Partenkirchen?“ fragt die Gruppierung auf ihrer Facebook-Seite. Als Provokation will Schwarz das nicht verstanden wissen. Man greife nur auf, wie manche die Lage empfinden würden. Ob sie auch dazu gehöre? „Natürlich erlebe ich keinen Bürgerkrieg in Garmisch-Partenkirchen“, sagt Schwarz nach einer Pause. Die Frage diene doch nur einem Ziel: die Menschen zur Diskussion aufzufordern. Populistisch? Will man nicht sein, betont Schwarz. Dass das Motto „Jetzt langt’s“ vielfältig gedeutet werden kann und sich der Forderung – auch auf der Facebook-Seite des Kreisverbands nachzulesen – gerne Menschen mit ausländerfeindlicher Gesinnung schließen, nimmt die AfD in Kauf. Von rechtem Gedankengut distanziere man sich, sagt Schwarz. Ihr und ihren Mitstreitern „langt’s“ unter anderem mit der CSU und ihren leeren Versprechungen in der Flüchtlingspolitik. Doch sieht Schwarz das Motto auch als allgemeinen Aufruf an Bürger, Mut zu beweisen und zu sagen: „Was langt Ihnen?“

Es reicht mit Intoleranz

Christine Wedler und ihre Unterstützer können das sofort beantworten: Es reicht mit Intoleranz. Dafür gehen sie auf die Straße.

Die Auffassungen von AfD und Gegendemonstranten können unterschiedlicher nicht sein. In einem aber sind sie sich einig: Sie wollen eine friedliche Veranstaltung, zu der beide Seiten jeweils zirka 50 Teilnehmer erwarten. „Wir provozieren nicht und lassen uns nicht provozieren“, gibt Wedler ihren Unterstützern mit auf den Weg. „Wir werden alles dafür tun, dass es friedlich wird“, betont Schwarz.

Die selben Worte benutzt Thomas Holzer, Vizechef der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Routiniert begegnet sein Team den Kundgebungen. Man reagiere darauf „wie immer bei solche Veranstaltungen“: mit Zusatzkräften, deren genaue Zahl Holzer nicht nennen will.

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