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Werden auch weiter mit Öl beheizt: die Gebäude auf der Insel Wörth. 

Angst vor Ölunfall auf Staffelsee 

Seehausen beißt weiter auf Granit

Seehausen - Die Ölheizung auf der Insel Wörth wird auf „absehbare Zeit“ nicht ersetzt. Dies teilte die Schlösser- und Seenverwaltung auf Tagblatt-Nachfrage mit. Die Bemühungen der Gemeinde Seehausen, eine Änderung herbeizuführen, haben also nicht gefruchtet.

Das Thema kam kürzlich mal wieder auf, als im Rathaus die Ergebnisse eines Energiecoachings präsentiert wurden. Die Gemeinde hatte sich beworben und war als einer von mehreren oberbayerischen Orten ausgewählt worden. Das Coaching, bei dem Martin Veh vom Büro Steinbacher Consult (Neusäß) den Wärme- und Stromverbrauch in der Gemeinde untersuchte, wurde von der Regierung von Oberbayern unterstützt.

Dabei war es der Kommune auch möglich, Heiz-Daten von der Wörth analysieren zu lassen. Unterm Strich wirtschaftlich am günstigsten wäre für die Gebäude auf der Insel nach Vehs Darstellung die Heizöl-Variante mit dem vorhandenen, neuen Kessel. Die Ölheizung wurde vor zwei Jahren modernisiert. Andere Lösungen, die Veh unter die Lupe nahm, waren der Einbau einer Hackschnitzel- respektive einer Pelletheizung.

Wobei: Die Wirtschaftlichkeit sei nicht alles, unterstrich Veh und verwies auf die Bedenken, die auch die Kommune hat. Was ist, wenn es beim Transport auf dem See zu einem Unfall kommt? Anbieten würden sich für die Versorgung der Gebäude Hackschnitzel. Das Eiland sei dafür prädestiniert. „Die Insel ist voller Holz“, sagte Veh. Zudem verbusche die Wörth, da dort keine Rinder mehr grasen. Veh nahm für seine Berechnungen einen niedrigen Heizölpreis an. „Das kommt aber garantiert wieder anders.“ In letzter Zeit stiegen die Preise ohnehin wieder. Vehs Fazit: „Man sollte schauen, dass man vom Heizöl wegkommt“ und eine Lösung mit erneuerbaren Energien realisieren. Das wäre ganz im Sinne der Gemeinde.

Ratsmitglied Klaus Neubert (CSU) nahm die Staatsregierung in die Pflicht. „Sie sollte mit gutem Beispiel vorangehen und Vorreiter sein.“ Das sieht auch Rathauschef Markus Hörmann (CSU) so. Die Kommune hatte den Freistaat bereits 2012 aufgefordert, „gerade im Hinblick auf die Energiewende seiner Vorbildfunktion endlich gerecht zu werden“.

Das Staatliche Bauamt in Weilheim prüfte vor einigen Jahren verschiedenste Möglichkeiten für eine neue Heizung. „Auch die Möglichkeit einer Hackschnitzelheizung wurde ausführlich untersucht“, sagt Ines Holzmüller, Pressesprecherin der Schlösserverwaltung. In diesem Fachgutachten sei festgestellt worden, dass eine solche Heizung nicht wirtschaftlich eingerichtet und betrieben werden könne. „Die vorhandenen denkmalgeschützten Baulichkeiten sind für die Unterbringung der Anlagentechnik und der großen Lagerflächen nicht geeignet.“ Neu- oder Anbauten seien auf der Insel baurechtlich nicht möglich und denkmalpflegerisch nicht vertretbar. „Zudem ist auch der Transport von schweren Holzhackmaschinen auf die Insel nicht möglich.“ Darüber hinaus, so Holzmüller, seien weitere Alternativen zur Ölheizung untersucht worden wie Pellets, Scheitholz, Gas, Wärmepumpe und Strom, „die aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen werden mussten. Dabei war auch zu berücksichtigen, dass die Schlösserverwaltung kein eigenes Betriebspersonal auf der Insel hat und der Betrieb somit von den dort wohnenden Mietern selbst übernommen werden muss.“ Auf Grundlage des Fachgutachtens habe die Schlösserverwaltung, für die Finanzminister Markus Söder (CSU) zuständig ist, an der Ölheizung als wirtschaftlichster und praktikabelster Alternative festgehalten.

Veh meint, dass der Betrieb einer Hackschnitzelheizung Mietern durchaus zuzumuten wäre. „Das ist nicht so aufwendig.“ Das Problem seien etwaige Störungen. „Doch eine Ölheizung kann genauso ausfallen.“ Veh hält es darüber hinaus für möglich, in den vorhandenen Gebäuden einen Hackschnitzelheizung unterzubringen. Neu- oder Anbauten wären dann nicht nötig. Holzmüller weist noch darauf hin, dass auch der Transport, „der in aufschwimmenden Behältern stattfindet, die im Falle eines Schiffsunfalls einen Ölunfall verhindern“, entsprechend verbessert worden sei. Die Transporte finden ihr zufolge ein- bis zweimal jährlich statt, je nach Bedarf.

Roland Lory 

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