Nutzungskonzept

Altes Gemeinde-Krankenhaus soll Leuchtturmprojekt werden

Murnau - Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger hat mit dem alten Gemeinde-Krankenhaus Großes vor: Das verwaiste Gebäude soll ein Leuchtturmprojekt werden – als Kreativzentrum und Flüchtlingsunterkunft. Mit Zehra Spindler steht ihm eine fachkundige Beraterin zur Seite.

An der Murnauer Klinik, einst ein Geschenk des US-Bankiers und Mäzens James Loeb (1867 bis 1933), mag der Zahn der Zeit nicht spurlos vorüber gegangen sein. Dennoch machen die Bausubstanz und die Ausstattung im Inneren einen ordentlichen Eindruck. Die Münchnerin Zehra Spindler ist jedenfalls ganz angetan: „Das Haus ist in einem tollen Zustand. Das hat auf jeden Fall großes Potential“, sagt sie im Rahmen eines Pressetermins. Bei ersten Besichtigungen mit möglichen Mietern sei die Resonanz sehr positiv gewesen: „Die Leute haben Lust und sind motiviert, sich einzubringen.“ Spindler sprüht nur so vor Ideen, wenn es um die Zukunft der Immobilie geht. Sie stellt sich eine „Keimzelle“ vor, in der sich Kreative der unterschiedlichsten Richtungen niederlassen, vernetzen und gegenseitig bereichern, ob nun Webdesigner, Software-Entwickler, Modeschöpfer, Handwerker oder Künstler, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Marktgemeinde hat sich mit Spindler eine Expertin ins Boot geholt, die das Ganze begleitet. Der Freiberuflerin eilt der Ruf voraus, eine Spezialistin auf dem Gebiet der Kultur- und Kreativwirtschaft zu sein. Vor allem Zwischennutzungen von leerstehenden Objekten haben es der „heimlichen Anführerin der Kulturszene“, wie sie vergangenes Jahr von der Münchner Abendzeitung genannt wurde, angetan. Die Idee, auch aus dem Murnauer Gemeinde-Krankenhaus ein Zentrum der Kreativbranche zu machen und junge Unternehmen anzulocken, hat Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger entwickelt (wir berichteten). Das Vorhaben dürfte die erste Bewährungsprobe des neuen Rathaus-Mitarbeiters sein. „Wir wollen etwas Nachhaltiges für Murnau schaffen“, sagt er. Sein Ziel ist klar: ein weiteres, wirtschaftliches Standbein, das Arbeitsplätze schafft und Gewerbesteuer-Einnahmen mit sich bringt. Zur Erinnerung: In einer Sondersitzung hinter verschlossenen Türen hat der Gemeinderat bereits grünes Licht für das Konzept gegeben. Dieses soll vorerst in Form einer Zwischenlösung bis 2018 ausprobiert werden. Dabei geht die Kommune ein überschaubares Risiko ein. Denn die Liegenschaft soll ab dem Frühjahr ohne größere Sanierung bezogen werden. Dafür winken den Nutzern günstige Mieten. Bittlinger ist derzeit damit beschäftigt, die Pläne zu konkretisieren, ein Raumprogramm zu entwerfen und eine Kostenkalkulation aufzustellen. Im Januar will er das alles dem Gemeinderat vorstellen. Der Wirtschaftsförderer betont, dass es nicht darum geht, Münchens Kreativszene an den Staffelsee zu holen. Entstehen soll etwas Eigenständiges in der Region. Er ist davon überzeugt, dass das Kreativquartier die ideale Dauerlösung für das ehemalige Krankenhaus ist. Davon muss er allerdings erst die Ortspolitik überzeugen. Die hat sich bislang noch nicht festgelegt, was langfristig aus dem Komplex, der dem Markt gehört, werden soll. Zuletzt wurde eine medizinische Folgenutzung favorisiert. In München wurden vergleichbare Projekte schon umgesetzt. Neu in Murnau ist der Multifunktionsgedanke. Denn es sollen (befristet auf zwei Jahre) zusätzlich bis zu 50 Flüchtlinge einziehen. „Das ist eine riesen Chance“, meint Spindler mit Blick auf die Integration. Sie könnte sich gut vorstellen, dass die Migranten bei der ein oder anderen Tätigkeit auf freiwilliger Basis miteingebunden werden. Sie habe dies mal in einer Näherei erlebt. Dass es zu sozialen Spannungen unter den Flüchtlingen kommt, befürchtet sie nicht. „Es wäre etwas anderes, wenn es 500 wären.“ Zur Betreuung soll auch Murnau Miteinander Räume bekommen. Damit nicht genug: Die Verwaltung belegt den separaten Nordtrakt als Ausweichquartier für die Zeit des Rathaus-Umbaus. Kurzum: Wenn alles so kommt wie geplant, wird es eine ziemlich bunte Mischung.

Andreas Seiler

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