Ammergauer Alpen: Idee eines Naturparks nimmt Konturen an

Oberammergau - Bei einem Nationalpark wären die Widerstände wohl enorm, grundlegend anders sind mittlerweile die Reaktionen auf einen Naturpark in den Ammergauer Alpen.

Wenn im Ammertal das Gespräch auf Schutzgebiete gleich welcher Art kommt, sehen viele Grundeigentümer und Landwirte rot. Nicht ohne Grund. Schon zu oft mussten sie nach staatlicher Anordnung Eingriffe in Eigentum und Nutzung hinnehmen. Auch als der Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH, Christian Loth, seine Idee von einem Naturpark Ammergauer Alpen erstmals anklingen ließ, hielt sich das Echo in Grenzen. Dies war die Situation vor etwa einem halben Jahr. Inzwischen freilich sind nach diversen Sitzungen viele Zweifel aus dem Weg geräumt worden: Bei einer Versammlung zu Wochenbeginn im Kursaal Bad Kohlgrub, die von gut 100 Landwirten, Waldbesitzern und Vertretern von Alm- und Weidegenossenschaften bzw. Privatwaldgemeinschaften besucht wurde, sprach sich eine große Mehrheit (Loth: „Rund drei Viertel“) dafür aus, das Thema Naturpark weiter zu verfolgen.

Als die Beteiligten im Sommer vergangenen Jahres zu einem ersten losen Treffen zusammenkamen, spürte der Ammergauer-Alpen-Chef noch massiven Gegenwind gegen das Projekt. Doch er ließ nicht locker: „Ich muss allen, die hier von Beginn an eingebunden waren, großen Respekt zollen: Obwohl etliche vielleicht skeptisch waren, riss der Dialog nie ab.“ Ein entschiedener Gegner eines Naturparks war anfangs Landwirt Peter Speer aus Scherenau. Heute sagt er: „Für uns Bauern kann das durchaus eine gute Chance sein. Wir haben damit nichts zu verlieren.“

Christian Loth bewertet das Thema als „gigantische Chance“ und als möglichen „Meilenstein für die Region“: „Das passt genau zu uns, das ist authentisch und das nimmt uns der Gast auch ab.“ Das weitere Prozedere sieht nun so aus, dass die Gemeinderäte im Ammertal einem Naturpark zustimmen und die notwendigen Mittel bereitstellen müssten. Pro Jahr glauben die Initiatoren, mit 100 000 Euro auszukommen. Nach einem bestimmten Schlüssel träfe es hier beispielsweise Oberammergau mit 37 000 Euro jährlich, Bad Kohlgrub mit 25 000 Euro und Bad Bayersoien mit 12 000 Euro. Der nächste Schritt nach einem O.k. der Kommunen wäre die Gründung eines Naturparkvereins, in dem alle Gemeinden sowie Vertreter aus Land- und Forstwirtschaft Stimmrecht haben. Danach wäre ein sogenannter Pflege- und Entwicklungsplan mit konkreten Maßnahmen (unter anderem Besucherlenkung in sensiblen Bereichen der Natur und Ausbau der Regionalvermarktung) zu erarbeiten; hier hätten die Beteiligten über ein Veto-Recht die Möglichkeit, das Verfahren zu steuern. Gemanagt würde der Verein von einem hauptamtlichen Geschäftsführer.

Loth freut sich, „dass unser Projekt auf einem guten Weg ist“, und führt dies unter anderem darauf zurück, dass alle Betroffenen von Beginn an mit eingebunden gewesen seien: „Sonst wäre es mit einem gemeinsamen Konsens vielleicht schwieriger geworden. Bei anhaltenden Widerständen hätten wir die Idee auch wieder aufgegeben.“

Ludwig Hutter

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