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Gemeinde Oberammergau will Kostenfresser loswerden

Ammergauer Haus wird ausgeschrieben

Oberammergau -  Bis zu einer halben Million Euro: So hoch ist das Defizit, das das Ammergauer Haus jedes Jahr einfährt. Nun soll die gemeindliche Immobilie ausgeschrieben werden. Mit einem speziellen Angebot für Interessenten.

Wenn man so will, dann ist das Ammergauer Haus ein schwerer Rucksack, den die Gemeinde Oberammergau mit sich herumschleppt. Die Gastronomie steht seit Jahren leer. Zweimal haben die Dorfbewohner per Bürgerentscheid deutlich gemacht, dass die Verwaltung nicht in das große Gebäude umziehen darf. Derweil stehen die Mieteinnahmen in keinem Verhältnis zu dem Defizit von knapp einer halben Million Euro, das jährlich erwirtschaftet wird. Nun will die Gemeinde den unbequemen Rucksack loswerden. Um ihn interessanter für andere zu machen, wird der Bau eines „Bettenhauses“ in Aussicht gestellt. Wenn das Ammergauer Haus aus kommunaler Hand gegeben wird, dann über einen Erbbaurechtvertrag, der 50 Jahre laufen soll.

Bereits Ende April hatte der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, dieses Vorgehen zu überprüfen. „Jetzt sind Kriterien aufzustellen, die in eine entsprechende Ausschreibung einfließen“, sagte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) in der Sitzung. Grundsätzlich gilt: Gegenstand des Vertrages ist das Ammergauer Haus einschließlich der Grundstücke in seinem Umgriff. Insgesamt geht es um 7750 Quadratmeter, die Nutzfläche umfasst Nunn zufolge etwa 3000. Im Kurhaus soll es weiter Veranstaltungen geben. Auch ist erwünscht, dass die Gastronomie wieder ihren Betrieb aufnimmt. Wobei die Küche ohne Einrichtung übergeben wird. „Die jetzige ist bekanntlich nicht mehr brauchbar“, erklärte Nunn.

Auf die Frage von Kristina Rupprecht (BIO) nach dem Zeitplan, machte Vize-Bürgermeister Eugen Huber (Mit Augenmaß) deutlich, dass „nicht bis 2020 gewartet werden soll“. Schließlich sei die Übernahme des Ammergauer Hauses gerade mit Blick auf die Passion interessant. Grundsätzlich gelte, dass die Ausschreibung europaweit erfolgen muss. „Wir können das nicht alleine machen.“ Diskutiert wurde darüber, dass auf den Freiflächen ein Übernachtungsbetrieb möglich wäre. Dieser könnte, wie Bauamtsmitarbeiter Andreas Eitzenberger erklärte, eine Grundfläche von 1600 Quadratmeter haben. Zulässig sind laut Verwaltung alle dem Zweck eines Kurhaus dienenden Gebäude – zum Beispiel ein Bettenhaus. So viel zur Theorie. „Dass das nicht sinnvoll ist, darüber sind sich alle einig“, meinte Eitzenberger. Aber: Wenn dort etwas entstehen soll, müsse dies ohnehin über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan geschehen. Darin könnte dann die Dimension eine Bettenhauses eingegrenzt werden.

BIO-Vertreterin Rupprecht gefiel das alles nicht. In ihren Augen wäre es „kontraproduktiv zu den Bürgerentscheiden“, das Haus abzugeben. Sie machte sich Sorgen, dass dem Dorf künftig ein wichtiger Veranstaltungssaal fehlt. Wo wird der Eigenbetrieb Kultur untergebracht? Wo die Passionsgeschäftsstelle? Wo finden Proben statt? Fragen, für die Nunn kein Verständnis zeigte, genauso wenig für den Vorwurf, gegen den Bürgerwillen zu handeln. „Erst sollen wir nicht rein ins Ammergauer Haus“, sagte er mit Blick auf kommunale Mitarbeiter. „Dann nicht wieder raus. Ich verstehe die Argumentation nicht.“ Grundsätzlich soll der Hauptzweck der Einrichtung als Veranstaltungsort erhalten bleiben. Für alle anderen möglichen Veränderungen, will Huber „Lösungen finden“.

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