Unterschriften auf Bankbelegen stimmen nicht überein

Ex-Mann hinterlässt Schuldenberg

Garmisch-Partenkirchen - Sie war offensichtlich zu gutgläubig: Eine Ukrainerin musste sich wegen Kreditbetrugs vor Gericht verantworten. Wie sich aber herausstellte, ist sie ihrem Ex-Ehemann auf den Leim gegangen. 

Sie ist ihrem ehemaligen Mann auf den Leim gegangen. Der nutzte ihre Gutgläubigkeit und Naivität aus, um sich Geld zu erschleichen. So fasste Amtsrichter Andreas Pfisterer den Fall zusammen. Die Angeklagte, eine Frau aus einem Ort im Oberen Loisachtal, musste sich wegen Kreditbetrugs verantworten. Doch im Laufe der Verhandlung stellte sich schnell heraus, dass nicht die 37-Jährige gegen das Gesetz verstoßen hatte, sondern dafür nur ihr Ehemann in Frage kommen konnte. Der ist allerdings seit der Trennung vor zwei Jahren verschwunden.

Die Frau, die aus der Ukraine stammt, hatte ihren früheren Gemahl bereits 2007 geheiratet, kurz bevor das Paar nach Deutschland zog und sich in einem Ort nahe Garmisch-Partenkirchen niederließ. Wie Staatsanwältin Caroline Pape darlegte, hat die Angeklagte am 5. Mai 2011 übers Internet bei einer Bank einen Privatkredit von 13 000 Euro beantragt. Dabei gab sie an, dass sie über ein Monatseinkommen von 1700 Euro verfügt und das Geld unter anderem benötigt, um für ihre gehbehinderte Mutter einen Treppenlift für 7000 Euro anzuschaffen. Als dann 2012 die erste Rückzahlungsrate von 393 Euro fällig war, passierte aber nichts. Es folgten Mahnverfahren – und trotzdem zahlte die Frau nicht. Schließlich kam die Anzeige wegen Kreditbetrugs samt Rückforderung der gesamten ausgezahlten Summe.

Mehrere Gläubiger sind an Ukrainerin herangetreten

Jetzt saß die Ukrainerin, die mittlerweile fließend Deutsch spricht und als Zimmermädchen in einem Hotel arbeitet, auf der Anklagebank – und hatte von alledem keine Ahnung: weder von der alten Mutter noch vom Treppenlift. Denn von der gesamten Kredit-Angelegenheit hatte sie ihr Ex-Mann, der laut Verteidiger Franz Großhauser aus Südtirol stammt und 2014 ausgezogen ist, überhaupt nicht unterrichtet. „Ich bekam erst im Jahr 2012 einen Briefkastenschlüssel, mein Mann hat mir die Briefe, die wir von der Bank bekamen, nie gegeben“, erklärte die Frau. „Auch das Geld sah ich nie und ohnehin habe ich mein ganzes Leben keinen Kredit beantragt.“ Sie besitze zwar ein Bankkonto, jedoch weder eine EC- noch eine Kreditkarte. Das Geld, das sie bei ihrem Job verdient, benötige sie zum „normalen“ Einkauf.

Mittlerweile sind neben der auswärtigen Bank, bei der der Kredit beantragt worden war, auch andere Gläubiger an sie herangetreten und hätten für diverse Bestellungen Geld zurückgefordert. Das hat dazu geführt, dass sie zur Zeit mit 20 000 Euro verschuldet ist – wohl verursacht durch Einkäufe ihres entschwundenen Mannes, von denen sie nichts wusste. Bei Schrift- und Unterschriftvergleichen mit ihrer eigenen und der Schrift auf den Kredit- und sonstigen Bankbelegen zeigte sich, dass die eigene nicht mit der anderen Schrift übereinstimmt. Also eine Fälschung, wie Amtsrichter Pfisterer alsbald verlautbarte: „Ich sehe keine weitere Aufklärungsmöglichkeit.“

Sowohl die Staatsanwältin als auch Verteidiger Großhauser plädierten daraufhin auf Freispruch der Frau. Immerhin hat sich das Verfahren gegen sie zwei Jahre lang hingezogen. „Sie ist aus tatsächlichen Gründen freizusprechen“, erklärte der Richter im Urteil. Die Ukrainerin kommt ihm zufolge nachweislich nicht als Täterin des Betrugs in Betracht.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: ©  dpa

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