Schwarzfahrer (39) mit vollem Punkte-Konto

Gut informierter Polizist wird einem Ammertaler zum Verhängnis 

Ammertal - Sein Plan ist nicht aufgegangen: Ein Ammertaler wollte Kraftfahrer werden. Doch ein Polizist durchkreuzte sein Vorhaben. 

 Er hatte einen festen Plan, der Zeitsoldat, dessen Militärzeit bald enden würde. Nach der Wehrzeit wollte er den Beruf eines Kraftfahrers ergreifen. Nicht ganz dazu passte freilich, dass er im Flensburger Verkehrszentralregister bereits ein ziemlich volles Punktekonto hatte. Hinzu kam für den 39-jährigen Ammertaler ein weiteres Ärgernis, wegen dessen er sich jetzt vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu verantworten hatte. Er war beim Schwarzfahren erwischt worden. Dies ahndete das Gericht mit einer Geldstrafe von 350 Euro. Damit kommt er freilich noch ganz gut davon, denn der Strafbefehl hatte noch auf 1400 Euro gelautet.

Der ganze Hintergrund der Geschichte: Im Januar dieses Jahres war der Angeklagte mit seinem schwarzen Fiat auf der Dorfstraße in Unterammergau unterwegs gewesen. Sein Pech dabei war, dass dies ein Polizist mitbekam. Der wusste offenbar ganz gut über den Verkehrssünder Bescheid. Zum Beispiel, dass der 39-Jährige zu diesem Zeitpunkt gar keinen Führerschein besaß. Er hatte den Schein beim Landratsamt abgegeben, weil sein Flensburger Punktekonto schon fast voll war, er jedoch nach der Bundeswehr den Job eines Berufskraftfahrers erlernen wollte und sich dafür zunächst noch der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung unterziehen musste. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde ihm dann nach der Fahrt in der Dorfstraße zum Verhängnis. Der Polizist meldete den Vorfall und der Strafbefehl von 1400 Euro (35 Tagessätze à 40 Euro) folgte sozusagen auf dem Fuß.

Jetzt saß der nunmehrige Ex-Soldat, der unter der Regie der Arbeitsagentur inzwischen den Beruf eines Personenschützers erlernen will und daheim in einem Ammertaler Dorf auf den Ausbildungsstart wartet, mit Anwalt Dr. Gunnar Geiger vor dem Kadi. Er hatte Einspruch gegen den Strafbefehl erhoben, den er bei einem derzeitigen Mindest-Lebensunterhalt von 711 Euro im Monat nicht ableisten kann.

Richter Paul Georg Pfluger konnte ihm in dieser Situation nur einen einzigen guten Ratschlag geben: Den Einspruch ändern und auf die Höhe des Tagessatzes beschränken. Anwalt und Angeklagter folgten sofort dem Rat und das war gut so: Das endgültige Urteil wegen Schwarzfahrens lautet jetzt auf 350 Euro, zwar schon wie bisher mit 35 Tagessätzen, jedoch mit einer Tagessatz-Höhe von nur noch zehn statt der bisherigen 40 Euro. Sein aktuelles Monatseinkommen von 711 Euro liegt sogar, wie der Richter wusste, unter dem eines Hartz-IV-Empfängers.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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