Angst vor Goldenem Kalb Olympia

Murnau/Schwaiganger - Kaum neigt sich die Ski-WM dem Ende zu, da wollen Olympia-Gegner wieder aktiv werden. Grüne, ÖDP, SPD und Bund Naturschutz planen Protestaktionen.

Nachdem die ÖDP bereits einen „Langlauf-Auftritt“ auf grüner Wiese im Nordischen Zentrum Schwaiganger gegen die Winterspiele 2018 initiiert hatte (wir berichteten), planen die Murnauer Grünen, SPD, ÖDP und der Bund Naturschutz nun weitere Aktionen. Damit wollen sie laut Murnaus Grünen-Sprecher Hans Kohl auf den „finanziellen und ökologischen Wahnsinn“ dieses Standorts aufmerksam machen.

Wie genau diese Protestaktionen aussehen sollen, steht noch nicht fest. Zur Zeit wird mit Hochdruck an den Plänen gearbeitet. Anvisiert ist der Zeitraum vom 28. Februar bis 4. März - dann nämlich, wenn die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Wettkampfstätte Schwaiganger in Augenschein nehmen will. „Entweder soll es in dieser Woche zu Aktionen kommen, oder möglichst zeitnah danach“, so Kohl. „Dabei wird es nicht um die Frage gehen, ob Olympische Spiele generell okay sind. Ins Visier nehmen wollen wir den Standort Schwaiganger, den man anstatt Ruhpolding mitsamt den dort bereits vorhandenen Stätten unbedingt haben will. Und das nur, um dem Ruf des IOC nach kompakten Spielen mit nicht mehr als drei Wettkampfstätten gerecht zu werden.“ Dabei stelle sich aber die Frage, ob Schwaiganger neben München, Königssee und Garmisch-Partenkirchen nicht als eigenständige Stätte betrachtet werden müsste. „Hier wird mit unvernünftigen Planungen nicht nur Geld zum Fenster rausgeworfen, sondern wertvolles Gelände zerstört, auch dann, wenn die Rede von rein temporär ist.“

Und so wollen die Grünen neben Demonstrieren vor allem eins: aufklären und informieren. Ob dies im Murnauer Markt vor großem Publikum oder aber in kleinerem Rahmen direkt in Schwaiganger geschieht, weiß Kohl noch nicht. Diese Pläne sollen in dieser Woche konkretisiert werden.

Dies bestätigt auch Michael Manlik, Zweiter Vorsitzender der Murnauer SPD. „Ich gehe davon aus, dass der Ortsverband dabei sein wird. Wie die Proteste aussehen werden, muss erst noch im Vorstand abgestimmt und mit den anderen Gruppierungen besprochen werden.“ Parallel dazu sei man am Vorbereiten einer Gegenaktion zu der Informationsveranstaltung, die die Bewerbungsgesellschaft München 2018 in Murnau abgehalten hat.

Auch für Rolf Beuting von der Murnauer ÖDP steht fest, dass seine Gruppe bei diesen Aktionen mit "spontaner Kreativität" dabei sein wird. „Ich bin immer dafür, dass man deutlich macht, wie absurd die olympischen Pläne für Schwaiganger sind.“ Der Kreisrat spricht sich gegen jegliches „green-washing“ aus, also Marketing-Strategien, die Produkte auf umweltfreundlich trimmen wollen, obwohl die Fakten dagegen sprechen. „Das ist am Standort Schwaiganger besonders gut nachzuweisen, weil hier unverbrauchtes Areal vollkommen unnötig zubetoniert wird, obwohl es die Anlagen in Ruhpolding schon gibt. Wir wissen immer noch nicht, was im Falle eines Zuschlags für Deutschland tatsächlich auf uns zukommen wird.“ Beuting hat Angst vor dem „Goldenen Kalb Olympia“. „Um die wirklichen wirtschaftlichen und strukturellen Probleme des Landkreises wird es dann die nächsten sieben Jahre nicht mehr gehen. Aber von noch mehr Partys werden diese sicherlich nicht besser.“

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