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Auch eine SCR-Abordnung und Magdalena Neuner (Mitte mit Mütze) feiern mit in Oberau. 

Umfahrung Oberau: Die ersten Meter im Berg

Tunnelpatin Magdalena Neuner feiert mit

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Oberau - Die ersten Meter in den Berg sind die wichtigsten und schwierigsten. Sie werden beim Tunnelbau mit einem großen Fest gefeiert. So auch in Oberau. Mit dabei ist Tunnelpatin Magdalena Neuner. 

Dreimal knallt’s, kurz hintereinander und ziemlich laut. Nicht nur Magdalena Neuner zuckt bei der symbolischen ersten Sprengung, dem so genannten Tunnelanschlag, zusammen. „Das ist ja enorm“, meint die Wallgauerin. Die gewaltigen Schepperer durfte die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin übrigens selbst auslösen – zu ihrer eigenen Überraschung. Was auf sie als Tunnelpatin zukommt, „wusste ich selber nicht so recht“. Die Aufgabe, die Oberauer Ortsumfahrung in dieser Funktion zu begleiten, übernahm Neuner trotzdem gerne. „Ich bin stolz darauf.“ Und verspricht, dass sie künftig immer am 4. Dezember, dem Feiertag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, mit einer Brotzeit vorbeischauen wolle. Aber auch zwischendurch – „zwei-, dreimal im Jahr“ – plant der sympathische Ex-Sportstar, sein Patenkind zu besuchen. „Es ist schön, dass ich Teil diese Projekts bin“, betont sie mit einem strahlenden Lächeln.

Ein ähnlicher Ausdruck war auf allen Gesichtern zu sehen, die gestern Mittag die Feierlichkeiten am künftigen Nordportal verfolgten. Was die Besucher zudem kennzeichnete, waren verschlammte Schuhe und Hosenbeine. Für Stephan Lochmann, auf der Baustelle für die Logistik zuständig, war der Matsch rund um den Tunneleingang ein Indiz für die schwierige Geologie, mit der seine Kollegen in den ersten 50 Metern zu kämpfen haben. „Den Berg, das unbekannte Wesen“ gelte es jetzt zu bezwingen, sagte er in seinem Mineurspruch. „Mögen nie unsere Sicherungsmittel versagen und möge auch niemand auf die Idee kommen, daran zu sparen.“ Nach einem fröhlichen „Glück auf“, das die zahlreichen Besucher begeistert wiederholten, überreichte er Neuner eine kleine Holzfigur der heiligen Barbara zur Erinnerung. Die größere stellte Lochmann in die Vitrine am Eingang der Röhre, an dem auch Magdalena-Neuner-Tunnel steht.

Gute Wünsche für eine unfallfreie Bauzeit erschallten von allen Seiten. Ein besonders gewichtiges Wort, dass diese auch erfüllt werden, legte Dekan Andreas Lackermeier bei „der Firma Gott & Söhne sowie Töchter“ ein. In deren Auftrag erteilten er und seine evangelische Kollegin Irene Konrad dem Bauwerk ihren Segen. Für die Pfarrerin ist die Heilige „ein wunderbares Vorbild in punkto Gottvertrauen. Wann immer man Zweifel, Sorgen oder Nöte hat, sollte man auf sie schauen.“ Das gilt für die Tunnelbauer, aber auch für alle anderen, „die zum Wohl der Menschen tätig sind“.

Vorrangig das Befinden der Oberauer hatten gestern alle im Blick. Denn vor allem ihnen nutzt die Umfahrung. „26 000 Pkw und Lkw pro Tag sind zu viel für diesen kleinen Ort“, untermauerte auch Neuner. Den Stau, unter dem die gesamte Region und ihre Besucher leiden, kennt sie aus leidvoller Erfahrung. Deshalb war es für die Isartalerin auch selbstverständlich, den Kampf der Oberauer um Verkehrsentlastung tatkräftig zu unterstützen. Ihrem Engagement und dem von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sowie dem enormen Einsatz der Dorfbewohner sei es zu verdanken, dass dieser Tunnelanschlag erfolgen konnte, hob Bürgermeister Peter Imminger (CSU) hervor. „Was heute passiert ist, ist noch schöner als der Spatenstich. Jetzt geht’s richtig los, keiner kann das Projekt mehr aufhalten.“

Was speziell die Mineure in den kommenden Monaten leisten müssen, „erfordert höchste Fachkenntnisse“, betonte Albrecht Gunzenhauser, Geschäftsführer der Marti Tunnel AG. Um dem Zeit- und Kostendruck standzuhalten, „ist zudem ein kühler Kopf gefragt“. Dabei vertraut er wie sein Team auf die heilige Barbara, die sicher auch für ein weiterhin gutes Miteinander sorgen wird. Dr. Wolfgang Wüst, Präsident der Autonbahndirektion Südbayern, konnte sich dem nur anschließen. „Es ist einmalig, dass eine Olympiasiegerin und Weltmeisterin als Tunnelpatin fungiert“, wandte er sich an Neuner und das Bau-Team. „Deshalb strengt Euch an, Jungs, damit auch die Umfahrung weltmeisterlich wird.“

Fest am Tunnel Oberau - die ersten Bilder

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