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Bilder aus der Vergangenheit: Alfred Wembacher steuert in seinem BMW das Ziel an.

Automobilclub reagiert

Nach Anwohner-Beschwerden: Oberammergauer Kult-Slalom abgesagt

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Vor fünf Jahren hat der AC Oberammergau sein Kult-Rennen wiederbelebt – nun ist Schluss.Die Veranstalter fürchten Anlieger, die sich bereits im Vorjahr beschwert hatten. Die Auflagen der Behörden kann der AC nämlich nicht erfüllen.

Oberammergau – Die Plakate, die schon gedruckt sind, wird er wegwerfen. Aber Wilhelm Gimbel geht es nicht um den Restmüll, wenn er sagt: „Ich bin sehr traurig.“ Die Banner in der Mülltonne sind nur der unangenehme Nebeneffekt einer viel unangenehmeren Entscheidung: Der Chef des Autoclub Oberammergau hat den Auto-Slalom im Gewerbegebiet „Zur Lok“ abgesagt. Ihm und seinen Vereinskollegen ist das Risiko zu groß, dass Anwohner sich an der Lärmbelästigung stören und die Polizei alarmieren. „Wenn sie die Veranstaltung abbricht, müssen wir 100 Fahrer heimschicken“, sagt Gimbel. Bereits voriges Jahr hatten sich Anlieger über das Dröhnen der Motoren beschwert. Nur bei den Veranstaltern beklagte sich keiner.

Erst vor vier Wochen erfuhr Gimbel von den Anschuldigungen. Beim Landratsamt in Garmisch-Partenirchen wollte er das Rennen anmelden, wie er das in den fünf Jahren zuvor erledigt hatte. Seit 2013 organisiert der AC im Gewerbegebiet den Lauf, der zur Münchner Meisterschaft, zur Südbayerischen Clubslalom-Trophäe sowie zur regionalen ADAC-Meisterschaft zählt. Die Motorsportfreunde sehen das Rennen als Hommage an den alten Auto-Slalom, den sie früher zwischen Unterammergau und Scherenau ausgetragen haben. Die Vorstände von früher halfen vor fünf Jahren sogar bei der Neugestaltung und schlugen das Oberammergauer Gewerbegebiet als Standort vor. „Wir haben uns immer Sorgen wegen der Lautstärke gemacht“, betont Gimbel. Aber bislang sei das nie ein Problem gewesen. Vielmehr habe die Bevölkerung das Rennen gut angenommen. 500 Besucher sahen zu. Für sie war’s Spektakel.

Wilhelm Gimbel ist Vorsitzender des AC Oberammergau.

Doch die PS-Schlachten haben nicht allen gefallen. Bei der Gemeinde und im Landratsamt echauffierten sich Anwohner. Die Namen rücken die Behörden nicht raus. Gimbel würde gerne mit den Oberammergauern sprechen, an einer gemeinsamen Lösung arbeiten. Er befürchtet aber: „Wir werden nie erfahren, wer dahintersteckt.“ Natürlich hätten die AC-Sportler ihren Slalom dennoch durchziehen können. Die Immissions-Abteilung im Landratsamt klärte Gimbel aber auf, verlas die Auflagen. Das Telefonat dauerte eine Stunde. Zwei Kernpunkte, die die Veranstalter unmöglich einhalten können, sorgten für die Absage. Die Behörden ordneten zwei Schichten an, in denen die Autos fahren: zwischen 9 und 12 sowie 15 und 18 Uhr. Die Zeit reicht nicht aus, um die Piloten aller Klassen auf die Strecke zu lassen. Außerdem sollte der Motorenlärm einen Wert von 50 bis 60 Dezibel nicht überschreiten und dürfte demnach nicht lauter sein als ein aufgedrehtes Radio im Zimmer der betroffenen Anwohner. Gimbel betont allerdings: „Motorsport ist laut.“ Der AC-Vorsitzende versteht nicht, warum sich plötzlich Anlieger daran stören, wo doch das Rennen nur einmal im Jahr stattfindet.

Doch der Verein wird um seinen Kult-Wettbewerb kämpfen. „Wir möchten weitermachen, wissen nur noch nicht wo“, sagt Gimbel. Im Ammertal fehlen die Alternativen. Gesucht sind alte Flugplätze, gesperrte Straßen oder Gewerbegebiete ohne Anwohner. Einen Platz im Terrain „Zur Lok“ werden die Ammertaler nicht finden. „Der war einzigartig.“ Alleine deshalb rückten die Motorsportfans mit ihren Anhängern und Wohnwägen teilweise bis aus Südtirol an.

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