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Sechs Bäume müssen für den Halt an der B2-Abzweigung zur Alpenkorpsstraße gefällt werden. 

Angst vor Lärm- und Verkehrsbelastung

Anwohner lassen nicht locker: Protest gegen Mittenwalder Fernbus-Haltestelle 

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Ungeliebter Standort: In Mittenwald echauffieren sich Anwohner über den geplanten Bus-Stopp an der B2-Ausfahrt nahe der Alpenkorpsstraße. Selbst die Info-Veranstaltung sorgte für Ärger.

Mittenwald – Baumstümpfe ragen aus dem Boden, Vermessungsarbeiten laufen. An der B2-Abzweigung Alpenkorpsstraße-Süd ändert sich derzeit das Erscheinungsbild. Die ersten Schritte hin zur Fernbus-Haltestelle sind eingeleitet worden. Nicht zur Freude der Anlieger. Sie empören sich über das Projekt in unmittelbarer Nähe ihrer Häuser und Wohnungen. Ein alter Aufreger flammt wieder auf.

Bereits im Vorfeld der Gemeinderatssitzung im vergangenen November schlugen die Anwohner der Alpenkorps- und Gebirgsjägerstraße sowie Am Raineck Alarm. Sie störten sich am Standort für die Haltestelle, befürchteten eine zusätzliche Lärm- und Verkehrsbelastung und reichten sogar einen Alternativvorschlag im Rathaus ein. Darin plädierten sie für einen Busstopp am südlichen Ortsausgang von Mittenwald. Daraus wurde nichts. Für den Gemeinderat sprachen zu viele Gründe dagegen, er entschied sich mehrheitlich (13:8-Stimmen) für den umstrittenen Bereich.

Dann kehrte Ruhe ein. Bis jetzt. Bis die sechs Bäume weichen mussten. Einer der Betroffenen, der namentlich nicht genannt werden möchte, hinterfragt erneut die Sinnhaftigkeit der Haltestelle dort. „Das ist völliger Quatsch“, betont der. An den Argumenten von damals änderte sich nichts. Zum Beispiel sei die Anbindung an den Ort mehr als ungünstig. Urlauber, die im Winter abends ankommen, „schnallen ihre Ski am besten gleich an“, sagt der Mann süffisant. Ohne Hol- und Bringservice geht nichts. Auch eine Toilette fehle. „Mal schauen, ob die Wildpinkler ein Thema werden.“ Die Wendeplatte für die Busse ist ihm ebenfalls ein Dorn im Auge.

Kritik an der Kommunikation der Gemeinde

Gar nicht gefällt ihm die fehlende Transparenz. „Die Kommunikation ist nicht gut“, sagt der Betroffene. Am Montag war eine Infoveranstaltung für 17 Uhr angesetzt worden. Aus Gesprächen mit Nachbarn weiß der Wohnungs-Eigentümer, dass manche Anlieger erst ein paar Stunden davor von der Gemeinde darüber in Kenntnis gesetzt wurden. „So spät wie möglich, damit ja keiner kommt“, vermutet er. Selbst konnte er nicht teilnehmen.

Adressat der Kritik sind wieder einmal Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) und seine Verwaltung. Den Gemeindechef erklärten die Anwohner damals schon zum Buh-Mann, der die Haltestelle unbedingt durchboxen wollte. Bei dem Treffen am Montag versuchte er, Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen. Dabei stellte er klar, dass der Gemeinderat die Fernbushaltestelle auf den Weg gebracht hatte. „Die Verwaltung und der Bürgermeister vollziehen diesen Beschluss“, betont Hornsteiner auf Tagblatt-Nachfrage.

Die unterschiedlichen Beschuldigungen kann er nicht ganz nachvollziehen. Schriftlichen Anregungen seitens der betroffenen Bevölkerung sei man nachgegangen. „Wir wollten sie nicht ignorieren.“ Auch in Bezug auf die Zuständigkeiten und auf das Prozedere – also ob für das Vorhaben eine Bauleitplanung oder sogar eine Feststellungsverfahren nötig ist. Zuletzt vor 14 Tagen, sagt der Bürgermeister, habe das Landratsamt der Gemeinde bestätigt, dass dies nicht der Fall sei. „Weil wir nicht in die Bundesstraße eingreifen.“

Spätestens am 1. Oktober halten dort die Busse

Einen Fehler räumt der Rathauschef aber ein. Zu der Versammlung am Montag wurden versehentlich nicht alle eingeladen. „Das ist nicht gut, dafür entschuldige ich mich.“ Den Vorwurf, das Treffen sei absichtlich kurzfristig einberufen worden, weist er aber weit von sich. Dahinter steckt ein ganz anderer Grund: Um Bäume in der Brutzeit zu fällen, bedarf es einer gutachterlichen Stellungnahme. Dafür habe die Gemeinde das Fachbüro beauftragt, das bereits für die Rainlähne (Naturschutzgebiet) im Einsatz gewesen ist. Diese Stellungnahme lag nun vor – sie gilt nur für eine Woche. In dieser Zeit „muss was passieren“. Sonst braucht’s eine neue. Die Firma Porr, die auch den Lainbach-Hochwasserschutz abwickelt, gab das wirtschaftlichste Angebot ab und übernahm die Arbeiten an der B2-Ausfahrt. Spätestens am 1. Oktober wird die Haltestelle in Betrieb gehen.

Während er von einem Fernbus im Allgemeinen spricht, redet der Anwohner konkret von einem Flixbus. Der Gemeinde gehe es dabei um das infrastrukturelle Angebot an sich, nicht um den Anbieter. Flixbus sei dem Bürgermeister zufolge aber das einzige Unternehmen, das Strecken im Landkreis bedient. Acht Stopps am Tag sind auf der Linie vorgesehen, sagt er. Vier nach Innsbruck, vier nach München. Dafür liegt für den Fernbus die Genehmigung der Regierung von Oberbayern vor. Das heißt aber nicht, dass das Unternehmen die Zahl nicht irgendwann ausweitet. „Die Stopps nach 22 Uhr wurden allerdings rausgenommen“, betont Hornsteiner. Aus Emissionsgründen. Ohnehin würde der Bus nur halten, wenn 60 Minuten im Vorfeld eine Buchung eingeht. Mit diesem Prinzip arbeitet der Fernbus-Anbieter.

Für die Gemeinde ist es der richtige Schritt, an das Fernbus-System angeschlossen zu sein. Aber die Zielvorstellung formuliert Hornsteiner deutlich: Längerfristig möchte man die Schnittstelle an den Bahnhof verlegen. Also alles eine Frage der Geduld.

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