Haben die Raserei satt: Wolfgang Nebl und seine Tochter Marina an der Ortseinfahrt mit einem Protestschild. Darauf steht: „Hier leben Tiere und Menschen, ihr Raser.“ Foto: Herpen

Anwohner sagen Rasern den Kampf an

Riegsee - Die Riegseer, die am südlichen Ortseingang leben, sind von den vielen Rasern genervt. Sie fordern eine Verkehrsinsel, um die Situation zu entschärfen.

Wolfgang Nebl ist sauer: „Muss denn erst etwas passieren“, schimpft er. Den Grund für den Unmut kann er jeden Tag vor seinem Haus beobachten: Raser, die den südlichen Riegseer Ortseingang mit einer Rennstrecke verwechseln. Die gut ausgebaute und breite Kreisstraße lädt geradezu dazu ein. Nebl, der dort an der Dorfstraße seit Mitte der 1980er Jahre wohnt, geht es nicht nur um den Lärm und die Abgase, sondern auch um die Unfallgefahr. In dem Viertel lebten viele Kinder, die oft mit ihren Rädern unterwegs seien, berichtet er. Es sei unverantwortlich, wenn manche Autofahrer regelrecht in den Ort hinein- oder hinausschießen. Einige brächten es in dem Wohngebiet auf 100 Sachen.

„Alle Anwohner sind genervt“, sagt Nebl. Die Strecke werde gut genutzt, bei Zählungen sei ein Durchschnittswert von 2500 Fahrzeugen pro Tag ermittelt worden. Bei den Tempo-Sündern handle es sich meist um Einheimische, hat der Riegseer festgestellt. „Urlauber fahren langsamer. Die wollen sich die schöne Gegend anschauen.“ Nebl und seine Mitstreiter lassen in der Sache nicht locker. Ihre Forderung: eine Verkehrsinsel oder ein vergleichbares Bauwerk. Damit würden die Schnellfahrer gezwungen, auf die Bremse zu drücken, ist sich Nebl sicher. In anderen Orten funktioniere dies auch. Er schätzt die Kosten auf etwa 10 000 Euro - in seinen Augen gut angelegtes Geld. Nebl sammelte schon Unterschriften, die er an Bürgermeister Franz Höcker übergab. Rund 40 betroffene Haushalte unterstützten ihn, erklärt er stolz. Zudem fertigte er ein Protestplakat an. Auf dem steht: „Hier leben Tiere und Menschen, ihr Raser.“

Rathaus-Chef Höcker kennt das Problem nur zu gut. Am nördlichen Ortsausgang sei es nicht anders. Im Zuge des Projekts zur Dorferneuerung sei darüber gesprochen worden. Von den übergeordneten Behörden habe er jedoch signalisiert bekommen, dass für den Bau einer Insel das Verkehrsaufkommen zu gering sei. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, könne die Gemeinde nicht einfach auf eigene Faust loslegen. Mit 10 000 Euro ist seiner Meinung nach solch ein Bauwerk nicht zu realisieren. Es müsste die gesamte Fahrbahn umgebaut werden.

Stattdessen stellte die Gemeinde am südlichen Ortseingang ihr Geschwindigkeitsmessgerät auf. Erste Erfolge sind laut Höcker sichtbar: „Die Autofahrer bremsen ab.“ Das bestätigt auch Nebl. Allerdings funktioniere die Anlage seit kurzem nicht mehr. „Vielleicht ist die Batterie leer“, vermutet er. Eine Dauerlösung ist das Gerät ohnehin nicht. Erfahrungsgemäß stellt sich bei Rasern irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein - und sie ignorieren die Anzeige.

Ein härteres Druckmittel steht der Polizei zur Verfügung: Geschwindigkeitskontrollen, die zu saftigen Geldbußen und im schlimmsten Fall zum Führerscheinentzug führen können. Die Murnauer Inspektion beschäftigt sich mit dem Riegseer Fall. Laut Florian Kleiner, Sachbearbeiter für das Verkehrswesen, muss geprüft werden, ob in dem Abschnitt der Handlaser eingesetzt werden darf. Denn um Tempo-Sünder zur Kasse bitten zu können, müssen Auflagen erfüllt werden, beispielsweise was den Standort der Messungen anbelangt. (as)

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