Immer öfter in Murnau zu sehen: Gruppen von Frauen und Männern in typisch arabischer Kleidung schlendern durch den Markt, während Angehörige in der Unfallklinik behandelt werden. Foto: Kolb

Die Araber sind im Kommen

Murnau - Sie erscheinen immer öfter in Murnau. Nun haben die Besucher aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit sage und schreibe 5200 Übernachtungen im Jahr 2012 die Schweizer von deren langjährigem Platz eins verdrängt. Bei den Gästeankünften rangieren sie mit 349 Besuchern neben den Niederländern mittlerweile auf Rang fünf.

Seit längerem schon fallen in Murnau die auf Hochglanz polierten Mercedes-Limousinen auf, die Gruppen von Frauen und Männern in typisch arabische Kleidung gehüllt. Zurückzuführen ist der Anstieg vor allem auf die Behandlungen von Menschen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Unfallklinik Murnau (UKM). „Sie werden von Verwandten begleitet, die hier übernachten“, erklären Murnaus Bürgermeister Dr. Michael Rapp und der Leiter der Kur- und Tourist-Info Murnau, Uwe Prechtl, in einem Pressegespräch zur Tourismusbilanz 2012.

Erwin Kinateder, kaufmännischer Leiter der Unfallklinik, kann dies bestätigen. „Wir haben beständig an die 30 bis 35 Patienten aus diesen Ländern im Haus, mit sehr unterschiedlicher Aufenthaltsdauer - und zunehmender Tendenz.“ Außerdem kommen laut Kinateder auf einen dieser Patienten im Schnitt drei Begleiter, die in der Regel außerhalb der Klinik untergebracht sind. „Das wirkt sich sicher auf die Übernachtungszahlen aus.“

Nicht wegen der Unfallklinik, sondern wegen eines deutschlandweiten Trends gehört auch China mit erstmals 106 Gästen zum Shooting-Star in der Murnauer Urlauberszene. „Die bleiben aber wegen organisierter Reisen meist nur eine Nacht“, sagt Prechtl. Insgesamt zähle der Ausländerreiseverkehr zu den Wachstumsmotoren der touristischen Entwicklung. Die Anzahl der Auslandsgäste sei um 12,9 Prozent auf 6585 gestiegen, die Zahl der Ausländerübernachtungen um 16,2 Prozent auf 21 510. Nach wie vor rangiert die Schweiz beim Gästeaufkommen mit einem Plus von 10,9 Prozent auf Platz eins (1338 Gäste und 3072 Übernachtungen), gefolgt von Österreich (1153 Gäste, plus 27,7 Prozent), Italien (558 Gäste, plus 13,6 Prozent) und den USA trotz eines Minus von 9,8 Prozent. Die Niederlande (394 Gäste, plus 22 Prozent) und die Arabischen Emirate (349 Gäste) haben Großbritannien von Platz fünf verdrängt. Ansonsten wird in Murnau auf den inländischen Tourismus gesetzt, der in erster Linie aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und seit neuestem verstärkt auch aus Rheinland-Pfalz (plus 17,9 Prozent) stammt.

Grundsätzlich ist die Entwicklung im Tourismusbereich für Murnau laut Rapp und Prechtl sehr erfreulich. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 46 414 Gästeankünfte (im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,2 Prozent) und 184 903 Übernachtungen (im Vergleich zu 2011 ein Plus von 4,4 Prozent) verzeichnet werden. Bemerkenswert für Rapp, dass seit dem Passionsspieljahr 2010, dem touristischen Superjahr für die Region, trotzdem ein Mehr von 6602 Übernachtungen registriert werden konnte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste habe sich von 3,9 Tagen wieder auf 3,98 Tage erhöht. Von einer Trendwende könne aber noch nicht gesprochen werden, meinte Prechtl. Die Zahl der Kurzreisenden, also derjenigen, die drei bis vier Nächte blieben, habe sich um 2,3 Prozent erhöht, die Übernachtungen bei den einwöchigen Aufenthalten um 11,7 Prozent.

Die Gewinner bei den Unterkünften seien die Pensionen und Gästehäuser mit einem Plus von 13,6 Prozent, gefolgt von den Bauernhöfen mit einem Plus von 10,6 Prozent, den Ferienwohnungen mit plus 7,2 Prozent. Auch die Hotels hätten ein Mehr an Übernachtungen (plus 3,9 Prozent) zu verzeichnen, und ein Urlaub auf dem Campingplatz auf der Halbinsel Burg erfreue sich wieder zunehmender Beliebtheit. „Dort ist in den vergangenen Jahren kräftig investiert worden“, erklärte Rapp. Was man aber immer noch nicht habe, sei ein Vier-Sterne-Hotel.

Angegangen werden müssten Einbrüche wie in den Monaten Juni und Juli vergangenen Jahres, die auf schlechtes Wetter zurückzuführen seien. Mit Prospekten wie „Regenwölkchen - Schlechtwettertipps für Murnau und Umgebung“ oder der Einführung der KönigsCard, die den Gästen über 250 Ziele in der Region anbietet, wird versucht, dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen. Mit Rettern in der Not, wie beispielsweise einer See-Sauna oder einem Schwimmbad, sieht es im Moment aber nicht gut aus. „Das wäre sicherlich eine Bereicherung“, meinte Rapp, „aber wir haben schlicht und ergreifend bisher keine Investoren und keinen geeigneten Platz.“ (sp)

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