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Therapeutisches Wohnheim abseits von Egling: die Spender Dr. Robert Roithmeier (Menschen Helfen) und Wolfgang Kastl (r., Antonie Zauner Stiftung München) mit der Einrichtungsleiterin Dr. Carolin Zeller (2. v. r.), Stephanie Renner von der Verwaltung (3. v. r.) und der pädagogischen Mitarbeiterin Julia Flenkenthaler.

Wohngemeinschaft für traumatisierte Flüchtlinge 

Schwieriger Start in ein neues Leben

Egling - Was sich in einem abgelegenen Haus nordwestlich des Murnauer Ortsteils Egling abspielt, ist im Landkreis Garmisch-Partenkirchen einmalig. Condrobs hat als Träger für soziale Hilfeleistungen in Bayern eine therapeutische Wohngemeinschaft namens „Puerto Murnau“ für betreuungsintensive männliche Flüchtlinge geschaffen.

Der Platz ist ausgelegt für insgesamt acht Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren – vier Plätze wurden seit der Eröffnung Mitte Juli belegt. Zum Ende des Jahres sollen vier weitere Bewohner hinzu kommen. 

„Die jungen unbegleiteten Männer sind teils schwer traumatisiert und kamen in den regulären Flüchtlingsunterkünften nicht zurecht“, erklärt die Einrichtungsleiterin Dr. Carolin Zeller von Condrobs. Im „Puerto Murnau“ haben sie feste Tagesabläufe und werden rund um die Uhr betreut. Hierzu sind sechs pädagogische Fachkräfte und eine Psychologin zuständig. Die Tagesabläufe der Bewohner sind geregelt. Unter anderem wird gemeinsam eingekauft, gekocht oder gespielt. Hierfür steht ein großer Garten zur Verfügung, den die Jugendlichen zukünftig bewirtschaften wollen. 

„Die Außenlage ist optimal, da sich keine Anrainer gestört fühlen und die Bewohner sich richtig erholen können“, erklärt Zeller. Ihr zufolge haben sich die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Somalia trotz der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe bestens zusammen gelebt und bilden eine harmonische Gemeinschaft. Die Heranwachsenden sind gut eingebunden in das Vereinsleben der Umgebung, treffen sich im Murnauer Jugendzentrum Erlhaus mit Freunden und haben große Pläne: „Einer träumt davon, Arzt zu werden, eine Familie zu gründen und ein Haus zu bauen“, erzählt die Einrichtungsleiterin über ihre Schützlinge, deren Namen aus Datenschutzgründen nicht genannt werden dürfen. Ziel des Projektes ist es, die Flüchtlinge auf ihrem Integrationsweg zu unterstützen. Alle haben Schwimmkurse besucht, lernen Deutsch und besuchen die Schule. Zwei haben sogar ein Praktikum in der Küche des Griesbräus absolviert. 

Ihre Asylantragsverfahren laufen noch – wie es nach dem Erreichen der Volljährigkeit weitergeht, entscheidet das Jugendamt. In dieser Hinsicht gibt sich Zeller zuversichtlich: „Wenn sich die Bewohner so gut integrieren, wie sie es bereits tun, dürfen sie auf jeden Fall bleiben.“ Finanziert wird die Einrichtung durch das Jugendamt und weitere Spender, wie etwa Dr. Robert Roithmeier vom gemeinnützigen Seehauser Verein Menschen Helfen sowie Wolfgang Kastl, Vorstandsvorsitzender der Antonie Zauner Stiftung in München. Die beiden Männer ließen dem „Puerto Murnau“ die kompletten Einnahmen eines Nosferatu-Charity-Abends zukommen. Die Summe wurde letztlich auf insgesamt 10 000 Euro aufgerundet. 

Bei Zeller ist die Freude über das Geschenk groß: „Wir stecken das Geld in Ausstattung wie Stühle, Lampen, Tische oder Bettgarnituren“, sagt sie. Hoffentlich ist das eine langfristige Investition – der Mietvertrag mit dem Murnauer Hausbesitzer Gerhard Legelli läuft vier Jahre mit Option auf Verlängerung.

Constanze Wilz

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