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Am Weidenweg in Mittenwald sind 80 Asylbewerber untergebracht.

Im Landkreis ist’s fast immer ruhig

Asyl: Einzelfall Garmisch-Partenkirchen

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Landkreis - Die Schwierigkeiten mit Asylbewerbern scheinen auf Garmisch-Partenkirchen begrenzt und damit ein lokales Problem zu sein. Der restliche Landkreis wirkt im Vergleich zur Erstaufnahmeeinrichtung Abrams wie eine Insel der Seligen. 

Diese Angelegenheit duldet keinen Aufschub. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), deren Brief an die Regierung von Oberbayern, in dem sie die Probleme beschreibt, die in der Marktgemeinde in Sachen Asyl aufgetreten sind und der für ein Europa-weites Echo gesorgt hat, verliert keine Zeit. Gestern weilten Vertreter der Regierung, des Landratsamts und der Polizei bei Meierhofer, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zum Ergebnis wollte sich die Rathaus-Chefin nicht äußern. „Es wird am Dienstag eine gemeinsame Presseerklärung geben.“

Die Schwierigkeiten mit Asylbewerbern scheinen im Landkreis allerdings auf Garmisch-Partenkirchen begrenzt zu sein. Die Unterkunft in Murnau-Moosrain wirkt im Vergleich zur Erstaufnahmeeinrichtung Abrams wie eine Insel der Seligen. Rangkämpfe, massive Spannungen und brenzlige Situationen gibt es offenbar nicht – das betonen Beteiligte übereinstimmend: Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) erhält „positives Feedback aus Moosrain“, und Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy bestätigt: „Bei uns ist es unwahrscheinlich ruhig.“

Unterkunft in Murnau-Moosrain: "Es ist momentan sehr entspannt"

Das mag zum großen Teil an der aktuellen Zusammensetzung der Bewohner liegen, aber auch an der Größe der Unterkunft und der relativ lockeren Belegung. 34 Menschen leben nach Angaben von Einrichtungsleiter Sven Ojeda Febles derzeit in dem Heim, das 44 Plätze bietet. Neun von ihnen sind Kinder, wiederum sechs davon ein Jahr alt oder jünger. Die Erwachsenen sind etwa zur Hälfte Männer und Frauen. Die Asylsuchenden stammen aus Pakistan, Afghanistan, Somalia, Eritrea, Sierra Leone und Nigeria. Natürlich: Auch in Moosrain menschelt es. „Wenn unterschiedliche Mentalitäten in einem kleinen Raum leben, entstehen immer Herausforderungen“, sagt Caritas-Mitarbeiter Ojeda Febles, der sich um Ausgleich bemüht. Bei Differenzen gehe es aber um Banalitäten und Kleinigkeiten, betont der Theologe – wie die Sauberkeit in der Küche. „Es ist momentan sehr entspannt.“ Nur im Frühsommer wurden zwei körperliche Auseinandersetzungen mit jeweils einem Verletzten polizeibekannt. Dabei bekamen sich Flüchtlinge aus Nigeria und Sierra Leone in die Haare. Weitere Fälle sind Ojeda Febles, der die Einrichtung seit August 2015 leitet, nicht bekannt. „Alles andere sind verbale Geschichten, die sich nach kurzer Zeit meist in Luft auflösen.“

Murnaus Polizei fährt die Unterkünfte in ihrem Gebiet mindestens zweimal täglich an, um Präsenz zu zeigen. Bürger und Bewohner sollen sehen, sagt Loy, „dass die Polizei da ist“. Er misst auch den gut funktionierenden Helferkreisen große Bedeutung bei, wenn es darum geht, Probleme zu verhindern. Belastend wirkt sich für die Beamten viel eher die Unterstützung aus, die sie bei Schwierigkeiten unter Asylbewerbern in anderen Orten leisten – darunter Garmisch-Partenkirchen, Weilheim, Schongau und Penzberg.

Auch in Oberammergau gibt es keine großen Auffälligkeiten

Als ruhig beschreibt Loy auch die Lage in den Unterkünften in Bad Kohlgrub (34 Flüchtlinge), Bad Bayersoien (45) und Saulgrub (26), für die seine Inspektion ebenfalls zuständig ist. Einsätze in den vier Häusern seien selten, „nicht mal einer in der Woche“. Wenn, dann seien es fast immer interne Streitigkeiten, die unter Alkoholeinfluss entstehen. Erinnern kann er sich an einem Vorfall vor über einem Jahr im „Urihof“ in Bad Kohlgrub, als ein Bewohner Einrichtungsgegenstände zerstörte, weil er die Unterkunft verlassen musste.

In Oberammergau gab es bisher nach Angaben von Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) keine großen Auffälligkeiten: „Mir ist noch nichts berichtet worden über Auseinandersetzungen. Wenn, dann sind es normale Konflikte, wie es sie unter Deutschen auch gibt.“ Nunn führt dies auch darauf zurück, „dass bei uns der Helferkreis sehr aktiv ist und auftauchende Konflikte frühzeitig aus der Welt schaffen kann.“ Wie sich die Situation entwickelt, wenn dann mal 100 Flüchtlinge mitten im Dorf wohnen und leben, vermag der Rathauschef nicht zu sagen: Doch mit gutem Willen auf beiden Seiten werde es sicher ein gedeihliches Miteinander geben.

In Mittenwald läuft das Zusammenleben in den beiden Asylbewerber-Heimen am Weidenweg (80 Insassen) und am Gerber (rund 20 Flüchtlinge) im Großen und Ganzen ebenfalls reibungslos. Laut Aussage von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) soll es vor etwa 14 Tagen jedoch zu einem Zwischenfall gekommen sein. Damals soll ein Bewohner aus einer der beiden Gemeinschaftsunterkünfte ausgewiesen worden sein, weil er den „häuslichen Frieden gestört“ hat. In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) habe man eine Lösung gefunden.

Christof Schnürer

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