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Nachwuchs im Abrams-Komplex: Mohammed Mudhaffer (l.) und Georg Seibert vom Landratsamt begleiten ein somalisches Paar mit Baby zum Arzt.

Asylbewerber in Garmisch-Partenkirchen

Abrams bis April in Betrieb

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Garmisch-Partenkirchen - Der Abrams-Komplex bleibt Flüchtlingsunterkunft. Allerdings ziehen nicht bis zu 1500 Menschen auf dem früheren US-Areal ein. Von Seiten der Regierung heißt es, dass weiterhin maximal 330 Asylbewerber dort unterkommen.

1500. Eine gewaltige Zahl, die seit dem Neujahrsempfang des Marktes wie ein Damoklesschwert über Garmisch-Partenkirchen schwebt. In den Raum geworfen hat sie Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) – vor dem Hintergrund, dass so viele Asylbewerber künftig im General-Abrams-Komplex unterkommen sollen. Eine Aussicht, die bei ihr sämtliche Alarmglocken schrillen ließ: „Das wird so nicht zu schaffen sein. Wir leben in einer Urlaubsregion. Tourismus und Gesundheit sind unsere wichtigsten Wirtschaftsfaktoren.“ Gerade der Fremdenverkehr hänge von vielen Einflüssen ab – einen davon sieht sie in der „Wohlfühlkomponente im Urlaub, einem ziemlich fragilen und stimmungsabhängigen Konstrukt“. Auch deshalb könne der Markt „eine dermaßen überhöhte Quote bei der Flüchtlingsunterbringung“ nicht bewältigen.

Die Zahl, die die Bürgermeisterin derart umtreibt, hat sie aber offenbar in den falsch verstanden. Das heißt es zumindest von Seiten der Regierung von Oberbayern, die für die Not-Aufnahmeeinrichtung im Abrams zuständig ist. Es gebe keine Pläne, dort besagte 1500, die faktisch auf dem Gelände Platz hätten, unterzubringen, unterstreicht eine Sprecherin der Münchner Behörde. Der Betrieb, der eigentlich zum 31. Januar auslaufen sollte, „wird mit einer Kapazität von maximal 330 in Abstimmung mit dem Markt auf Bitte der Regierung vom Landratsamt bis zunächst Ende April 2016 fortgesetzt“.

Eine Nachricht, die Einrichtungsleiter Mohammed Mudhaffer freut. Der gebürtige Düsseldorfer hat seit Mitte Dezember die Fäden an der Lazarettstraße in der Hand und ist erleichtert, dass er seine Arbeit fortsetzen kann. 125 Männer, Frauen und Kinder leben momentan in dem Komplex. Das Miteinander funktioniere gut, erklärt Mudhaffer. Er ist nicht wie seine Vorgängerin Ulrike Kunze vom Landratsamt angestellt, sondern von der Jonas Better Place GmbH mit Sitz in München. Das Unternehmen kümmert sich bereits in der Landeshauptstadt sowie in etlichen oberbayerischen Landkreisen um Flüchtlingsunterkünfte. „Wir versuchen, eine ganztägige Betreuung zu gewährleisten“, betont Geschäftsführer Philip Bauer.

Und das bedeutet, dass Mudhaffer und sein Kollege täglich um 7 Uhr nach Garmisch-Partenkirchen kommen und dort in der Regel bis 23 Uhr Ansprechpartner für die Asylbewerber sind. Für den Einrichtungsleiter, dessen Eltern aus dem Irak kommen, sind es Gäste, um die er sich kümmert und denen er die ersten Schritte in der neuen Heimat erleichtern will. „Ich bin Seelsorger, Papa, Vermittler – einfach alles“, sagt er und lacht. Sein Vorteil: Er spricht viele Sprachen und kann sich mit den meisten Flüchtlingen in ihrer Muttersprache verständigen. „Mir ist wichtig, die Menschen mit den deutschen Gepflogenheiten vertraut zu machen.“ Und sie zu unterstützen, wenn sie völlig überfordert sind. Wie die junge Frau aus Somalia, die völlig allein, aber hochschwanger im Abrams angekommen war. Sie hat Mudhaffer sogar in den Kreißsaal begleitet, ihr die unbekannte Technik erklärt, für die Ärzte im Klinikum übersetzt und dann gestrahlt über das goldige Baby.

Nachdem nun klar ist, dass die Einrichtung bis Ende April besteht, will er Kontakt zu Politik, Kirche, Vereinen und vor allem dem ehrenamtlichen Helferkreis suchen. Am Montag, 25. Januar, lädt er alle Freiwilligen um 18 Uhr in die Einrichtung ein, um insbesondere Deutschkurse und Kinderbetreuung zu besprechen.

Aktionen, die Meierhofer begrüßt. „Wir stellen uns natürlich unserer Verantwortung.“ Allerdings dürfe nicht Garmisch-Partenkirchen allein die Hauptlast an Flüchtlingen tragen. Auch deshalb hat sie sich jetzt erneut an Regierungspräsident Christoph Hillenbrand gewandt. Was Ende April mit dem Abrams passiert, ist trotzdem noch unklar. Von Seiten der Regierung heißt es nur, dass „bezüglich der weiteren Nutzung derzeit Gespräche mit den Beteiligten geführt werden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.“

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