Asylbewerber in Garmisch-Partenkirchen

Sexuelle Belästigung? Fehlanzeige!

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Weder der Polizei noch der Caritas- Asylberatung sind Übergriffe von Asylbewerbern gegen Frauen im Raum Garmisch-Partenkirchen bekannt. Von den Vorfällen von Köln sollen die Migranten, die in der Region untergebracht sind, regelrecht schockiert sein.

Fehlanzeige. Totale Fehlanzeige. Fälle von sexueller Nötigung und Belästigung von Frauen, wie sie in der Silvesternacht in Köln zu Hunderten durch Männer aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum – darunter auch Asylbewerber – vorgekommen sind, gehören nicht zum Alltag der Bevölkerung oder der Polizeibeamten rund um Garmisch-Partenkirchen. Weder zum Jahreswechsel, noch in der Zeit davor und danach. „Bei uns liegt keine Anzeige vor, noch ist uns ein derartiges Vorkommnis bekannt“, sagt Thomas Holzer, stellvertretender Chef der Inspektion. „Auch bei Großereignissen wie dem Neujahrsskispringen ist nichts passiert.“ Und der Erste Polizeihauptkommissar ist „heilfroh darüber“.

Garmisch-Partenkirchen und die Region – eine Insel der Seligen? Es scheint so, auch wenn an den Stammtischen häufig das Gegenteil behauptet wird und man sogar von Vergewaltigungen wissen will, die Asylbewerber begangen haben sollen und die die Polizei bewusst zurückhält. Vorwürfe, die Holzer energisch zurückweist. Es gebe weder eine Anweisung aus dem Innenministerium, noch eine Schere in den Köpfen der Beamten. „Wir machen all jene Dinge bei Asylbewerbern öffentlich, die wir auch bei Deutschen, die Straftaten begehen, öffentlich machen.“ Kleindelikte – darunter fallen Familienstreitigkeiten – gehören nicht dazu. An Tagen wie Silvester ist die Polizei besonders sensibilisiert. Wer meint, die Beamten säßen dann zu Hause und feierten Überstunden ab, die sie während der G7-Zeit aufgebaut hatten, und nur eine Notbesetzung sei im Einsatz, der irrt. „Wir hatten an Silvester eine verstärkte Besetzung“, sagt Holzer.

Ähnliche Erfahrungen wie die Polizei hat Sarah-Jean Buck gemacht. Auch ihr ist kein Fall bekannt, in dem ein Asylbewerber eine Frau im Landkreis sexuell belästigt oder gar genötigt hat. Nach Einschätzung der Fachbereichsleiterin der Caritas- Asylberatung in Garmisch- Partenkirchen wissen sich die mehreren hundert Flüchtlinge, die in der Marktgemeinde untergebracht sind, zu benehmen. Mehr noch. Aus Gesprächen mit Migranten weiß Buck, dass diese von den Vorfällen in Köln „schockiert und entsetzt sind. Sie finden sie verwerflich“. Und sie fordern, dass die Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden. Sogar eine beschleunigte Abschiebung sollen sie Buck zufolge „begrüßen“.

Wie ein korrektes Verhalten gegenüber Frauen in Deutschland und der westlichen Welt aussieht, das versuchen die Sozialpädagogen der Caritas den Menschen, die überwiegend aus dem arabischen oder afrikanischen Raum stammen, in Gesprächen zu vermitteln. Und die jungen Männer, die die Berufsschule besuchen, lernen dort die Regeln und Werte, die im Umgang mit Frauen nötig sind. Im Landkreis Weilheim-Schongau erhalten Asylbewerber einen „Refugee-Guide“, der in verschiedenen Sprachen vorliegt und der ihnen Verhaltens-Regeln und -Tipps erläutert, die ihnen das Leben in Deutschland erleichtern sollen. Zum Beispiel heißt es dort: „Lächeln wird üblicherweise nicht als Flirten interpretiert“, oder „Mitmenschen zu belästigen, ob männlich oder weiblich, ist nicht erlaubt“. In Garmisch-Partenkirchen gibt es derartiges (noch) nicht. „Wir planen einen Orientierungstag“, sagt Buck.

Aufgeschreckt von den Ausschreitungen in Köln zeigen sich auch Teile der politischen Kaste Garmisch-Partenkirchens. Martin Schröter, Gemeinderat der Freien Demokraten und zuletzt durch unbedachte Äußerungen im Kreistag aufgefallen, hat für die Sitzung des Kommunalparlaments am 20. Januar den Antrag gestellt, Polizei-Direktor Thomas Kirchleitner einzuladen. „Viele Bürger, Väter und Mütter erwarten einen Bericht der Polizei über die aktuelle Sicherheitslage in Garmisch-Partenkirchen, gerade im Vorfeld der Faschingstage“, schreibt Schröter an Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Es gehe ihm nicht nur darum „zu erfahren, ob Übergriffe auf Mädchen und Frauen passiert sind, sondern darum, welche Vorsichtsmaßnahmen potentielle Opfer von Gewalttätern ergreifen können, und welche Aufklärung seitens der Polizei für die Mitbürger und bei denjenigen, die unsere Sitten nicht kennen, getroffen wird“. CSU-Fraktionschefin Elisabeth Koch hat „ vollstes Vertrauen“ in die Arbeit der Garmisch-Partenkirchner Polizei. Sie hält Schröters Antrag „schlicht und ergreifend für populistisch“, nachdem Kirchleitner erst vor Kurzem im Gemeinderat eine Erklärung zur Sicherheitslage in Garmisch-Partenkirchen abgegeben hat.

Rubriklistenbild: © PantherMedia / Karsten Ehlers

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