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Wegen des Mittenwalder Asylbewerberheims sind zum Teil haarsträubende Gerüchte im Umlauf.

Asylbewerber in Mittenwald

Kampf gegen Gerüchte und Gehetze

Mittenwald - Der ehrenamtlichen Helferin Christa Wolf reicht es: Sie hat die brodelnde Gerüchteküche rund um die Mittenwalder Asylbewerber satt und fordert Aufklärung. 

Was stimmt und was nicht? Mit dieser bohrenden Frage beschäftigen sich die freiwilligen Helfer in den Mittenwalder Flüchtlingsunterkünften schon seit längerem, wenn es um – teilweise hanebüchene – Gerüchte geht, die im Ort herumschwirren. Grund genug für den Kreis der Ehrenamtlichen, dieses brisante Thema beim 6. Regionentreffen im Katholischen Pfarrsaal eingehend zu diskutieren.

Dabei wurde beispielsweise folgende Frage in den Raum gestellt: Ist es wahr, dass Flüchtlinge hochdotierte Gutscheine für Sportmode-Boutiquen bekommen? Und falls das Geld dafür nicht ausreicht, ein Anruf beim Landratsamt genügt und schon wird die Jacke für 600 Euro bezahlt? Oder dass Flüchtlings-Frauen ihre Notdurft im Garten des Asylbewerberheims am Weidenweg verrichten, da sie nicht die gleichen Toiletten wie die Männer benutzen dürfen?

Diese Gerüchte kennt Christa Wolf zur Genüge. Fast täglich wird sie mit ihnen konfrontiert. Das neueste ärgert sie besonders in Anbetracht der Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge. „Da heißt es, diese würden Einheimischen die Wohnungen wegnehmen, da sie vorrangig vermittelt würden.“ Es treibt ihr die Zornesröte ins Gesicht, da sie weiß, dass an diesem üblen Gerede und Gehetze nichts, aber auch gar nichts dran ist. „Bitte stellt das einmal klar“, forderte sie ihre Zuhörer auf.

Diese wissen bereits um die vielen Gerüchte, die weite Kreise ziehen und das nicht nur in unserer Region. „Das ist kein Einzelfall“, weiß auch Ehrenamtskoordinator Günther Sponar von der Caritas: „Oft heißt es auch, dass sie Handykosten, Fahrräder et cetera gekauft bekommen.“ Der Wahrheitsgehalt geht dabei aber gegen Null. Um diesen Sumpf an übler Nachrede endlich trocken zu legen, kann sich das Ausländeramt deshalb durchaus vorstellen, den Leistungsschlüssel für Asylsuchende offen zu legen.

Dass jedoch häusliche Gewalt in Flüchtlingsunterkünften – auch in Mittenwald – ein Problem darstellt, war zwischen den Zeilen ebenfalls an diesem Abend heraus zu hören. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ulrike Leimig, bestätigt das gegenüber dem Tagblatt. „Das Thema ist bei mir angekommen.“ Die Ehrenamtlichen dürften sich in solchen Fragen jederzeit bei ihr melden. Sie würde dann unter anderem erklären, wie mit solch schwierigen Situationen umgegangen werden sollte.

Auch der MittenwalderKinderarzt Christopher Hauser hat schon eigene Erfahrungen in dieser Richtung gemacht, wie er beim Regionentreffen erzählte. Er selbst referierte über das soziale Projekt „Papa forte“, welches Hauser im Oberen Isartal auf den Weg bringen will. Es soll eine stärkere Bindung zwischen Vätern und Söhnen fördern und könnte auch für Flüchtlingsfamilien interessant sein.

Eine rasche Aufklärung über häusliche Gewalt in Flüchtlingsheimen ist ganz im Sinne von Kerstin Corongiu, die sich zudem im SPD-Ortsverein engagiert. Ihr zufolge seien viele der Flüchtlinge „anders erzogen worden, auch in religiöser Hinsicht“. Frauen hätten dabei oftmals „eine ganz andere Stellung“ wie in Deutschland. Hier gibt es laut Corongiu Aufklärungsbedarf.

Weiteres Thema an dem Abend war auch „Asyl und Arbeit“. Da in Mittenwald bereits einige als Flüchtlinge anerkannt wurden, ist es nun schwierig, sie im Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Hauptgrund: Die mangelnde Sprachkenntnis, wie die Migrationsbeauftragte der Arbeitsagentur, Bianca Kunz-Mohamed weiß.

Wer zu ihr kommt,um einen Job zu suchen, muss bereits über genügend Sprachkenntnisse verfügen, „um mit mir flüssig sprechen zu können“. Denn daran hapert es am meisten, wenn anerkannte Flüchtlinge Arbeit suchen. Doch hier gehen langsam aber sicher qualifizierte Helfer aus, die den Migranten über die Grundkenntnisse hinaus Deutsch beibringen. „Es müssen doch noch pensionierte Lehrer zu finden sein, die ein wenig Zeit haben?“, fragt auch Edith Fehrenbach, die Heimleiterin der Asyl-Unterkunft am Gerber. Josef Hornsteiner

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