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Ansprechpartner: Klaus Tappe mit Asylbewerbern in Mittenwald.

Wohin sollen die ersten anerkannten Flüchtlinge?

Mittenwald - Nach monatelangem Warten sind nun die ersten acht Asylbewerber der Unterkunft am Mittenwalder Weidenweg offiziell als Flüchtlinge anerkannt worden. Doch wohin nun mit ihnen?

Die Nerven der ehrenamtlichen Helfer aus Mittenwald sind nach Monaten der belastenden Arbeit strapaziert. „Wir sind zu wenige“, stellt Klaus Tappe beim Regionentreffen zum Thema Flüchtlinge resigniert fest. Denn mit dem, was auf ihm und sein Team der Gruppe „Ämterlotsen“ fast täglich an Aufgaben zukommt, stoßen sie an der Grenze des Machbaren. Formulare „so ausführlich wie Doktorarbeiten“, unzählige Behördengänge durch sämtliche Zimmer des Landratsamtes und „mal freundliche, mal weniger freundliche“ Beamte erschweren die Arbeit zusätzlich. Auch in der Gruppe „Sprachen“, in der die Asylwerber deutsch lernen, herrscht Ernüchterung, nachdem die Teilnehmerzahlen stetig schrumpfen. Ihre engagierte Freiwilligenarbeit zehrt an der Substanz. Nun sind 8 der insgesamt fast 100 Asylbewerber in Mittenwald offiziell als Flüchtlinge anerkannt worden. Stellt sich eine ganze neue Frage, mit der die Helfer noch keine Erfahrung haben: Wohin mit ihnen?

Vier Syrer und vier Eritreer dürfen in Deutschland bleiben. Vor kurzem kam die offizielle Bestätigung vom Amt. Jedoch ging zeitgleich die Aufforderung ein, dass sie die Asylbewerberunterkunft am Weidenweg zum 15. März verlassen müssen. Schließlich wird heuer mit weiteren Flüchtlingen gerechnet. „Natürlich gibt es eine Toleranzzeit“, sagt Tappe, der sich mittlerweile in Asylfragen sehr gut auskennt. Dennoch muss nun schnellstmöglich eine Wohnung für die acht Flüchtlinge gefunden werden. Doch leichter gesagt als getan.

„Ich lebe hier gern in Mittenwald, und ich mag Land und Leute“, versichert der ehemalige Bundeswehr-Soldat. „Aber ich bin gerade richtig enttäuscht.“

Unterkunfts-Suche nicht die einzige Schwierigkeit

Bei vier Vermietern habe er bereits angerufen, vier Mal habe die Antwort nicht deutlicher sein können. „Zwei Mal wurde sogar einfach aufgelegt, ohne mich ausreden zu lassen, als das Wort ,Asylbewerber‘ fiel.“ Diese Abneigung verstehe er ganz und gar nicht. „Es sind rechtschaffene Leute, die meisten mit Berufsausbildung.“

So bestehe beispielsweise das Syrer-Quartett aus einem Architekten, einem Baumaschinenführer, einem Gärtner sowie einem Maurer. Der Architekt habe bereits schon ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch hinter sich gebracht und könne bald eine Art „Praktikum“ beginnen.

Wobei sich für die ehrenamtlichen Helfer in Sachen Arbeitssuche schon die nächste Hürde auftut. „Wir sind gerade in engem Kontakt mit dem Jobcenter.“ Es müsse geprüft werden, ob die in Syrien oder Eritrea erlernten Berufe auch in Deutschland anerkannt werden. Doch zuerst gilt es, die sprachlichen Barrieren zu überwinden, ehe man an eine Festanstellung denken kann. „Deshalb besuchen alle acht Sprach- und Integrationskurse, wo sie sehr fleißig bei der Sache sind.“

Unterstützt werden anerkannte Asylberechtigte nach ihrer Zeit in der Unterkunft vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Die Organisation übernahm vor kurzem diese Arbeit von der Caritas und hat ihr Büro in Garmisch-Partenkirchen.

„Sie bieten dort Migrationsberatung an“, wie Sarah-Jean Buck von der Caritas mit Blick auf die Mitarbeiter erklärt. Das bedeutet, dass die Asylberechtigten bei sämtlichen Fragen zu Miet- oder Arbeitsverträgen mit dem SkF einen Termin vereinbaren können. Gleichzeitig berät der Sozialdienst Wohnungslose und vermittelt in diesem Zuge auch Wohnungen für anerkannte Asylberechtigte, wenn die ehrenamtlichen Helfer letzlich keine finden sollten.

Josef Hornsteiner

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