Diskutieren über die Energieversorgung nach der Kernkraftwende: (v.v.l.) Jörg Ruckriegel, Simon Untergruber, Wotan Lichtmeß, Moderator Karl Martin Schröder, Klaus Breil, Andreas Emmer und Michael Ludwig sowie (stehend) FDP-Kreisvorsitzender Germut Bielitz. Foto: Kaiser

Atomstrom noch lange nicht zu ersetzen

Garmisch-Partenkirchen - Experten diskutieren über alternative Energien - und darüber, ob der Landkreis mit ihnen versorgt werden kann.

Eine ganze Reihe von Energie-Experten hatte der FDP-Kreisverband zur Podiumsdiskussion eingeladen. Es ging um eine einzige Frage: Kann der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit alternativen Energien unabhängig von Atomkraft werden? Die Antwort hörte man im nur zur Hälfte gefüllten „Werdenfelser Hof“ aus vielen Mündern: Wenn überhaupt, dauert es noch Jahre. Gemeindewerke-Chef Wotan Lichtmeß brachte das Problem auf den Punkt: „Wenn der Atomstrom weg ist, werden wir in Bayern noch längere Zeit Strom importieren müssen.“

Klaus Breil, energiepolitischer Sprecher der Landespartei und Bundestagsabgeordneter, sagte, dass die Regierung schon eine ganze Reihe von Gesetzen zur Wende der Energiepolitik beschlossen habe. Doch der springende Punkt sei nach wie vor der Energietransport von Nord nach Süd, von den Offshore-Windparks im Meer in die südlichen deutschen Bundesländer.

Das zweite Hauptproblem sei die Speicherung der Energie. Die bisher vorhandenen wenigen Pumpspeicherwerke mit einer Kapazität von allenfalls sieben Gigawatt seien lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein.

„Wir bräuchten sechs Großkraftwerke allein in Bayern“, verdeutlichte Lichtmeß, „um den Atomstrom zu ersetzen.“ Die Gemeindewerke selbst arbeiteten seit Jahren daran, die Eigen-Energieerzeugung zu erweitern und hätten es in nur wenigen Jahren auf über 20 Prozent des Ortsverbrauchs geschafft. Weitere zwei bis drei Wasserkraft-Projekte seien zur Genehmigung eingereicht, doch die lassen auf sich warten.

Landratsmitarbeiter Simon Untergruber, Abteilungsleiter für Bau- und Umweltschutz, erklärte, warum die Erlaubnis noch nicht erteilt wurde: mit Planauslegung und Anhörung der betroffenen Stellen dauere die Prüfung einige Zeit. Jörg Rückriegel vom Alpenverein bedauerte das: Die künftige Höllentalangerhütte würde man gern mit einem Wasserkraftwerk ausstatten, „doch das wird uns leider nicht genehmigt“.

Dr. Andreas Hunscher, Geschäftsführer der Firma Langmatz, machte schließlich Hoffnung auf baldige Fortschritte bei der Elektromobilität in Garmisch-Partenkirchen: Eine Flotte von Elektromobilen sei längst im Aufbau.

Der Windkraft hingegen erteilte Breil im Voralpenraum eine Absage: Die Kraftwerke seien südlich der Donau allenfalls 1500 Stunden jährlich in Betrieb, „das Jahr hat aber über 8000 Stunden“.

Anregungen kamen auch aus dem Publikum: Mehr Gemeinde-Busse sollten auf Strombetrieb umgerüstet werden, meinte ein Zuhörer. Und eine aus dem Westerwald stammende Neubürgerin befand Windkraftanlagen als nicht so schlimm: „Bei uns gibt es drei große Windräder: Sie wurden akzeptiert und gehören mittlerweile zur Optik der Landschaft.“ (wk)

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