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Gespannte Zuhörer: Der Olympiasaal ist mit 250 Interessierten besetzt.

Aufreger Olympia-Eissportzentrum

Garmisch-Partenkirchen - Es war eine Bürgerversammlung, die wegen des Themas Olympia-Eissportzentrums Brisanz und Zündstoff barg. Souverän waren in dieser Angelegenheit nur zwei Protagonisten.

Die volle Aufmerksamkeit - sie gehörte an diesem Abend nicht allen Rednern. Manche Themen verfolgte das Gros der Teilnehmer an der Bürgerversammlung der Marktgemeinde im Olympiasaal eher gelangweilt. E-Mobilität ist eben eine ganz schön trockene Angelegenheit. Ganz Ohr waren sie, als Landrat Anton Speer (Freie Wähler) über die Asylproblematik referierte und Dr. Stephan Thiel das Konzept der Radlgruppe vorstellte. Beim Thema Olympia-Eissportzentrum (OEZ) allerdings kochten die Emotionen hoch. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) erklärte, dass die Gemeinde mit dem OEZ nichts mehr zu tun habe, es den Gemeindewerken gehöre, und es deshalb nicht Thema der Bürgerversammlung sein könne. Werkeleiter Wotan Lichtmeß habe sich dennoch bereit erklärt, Fragen zu beantworten.

Pro OEZ: Carsten Haucke und Michael Knye (r.).

Zum Hintergrund: Lichtmeß hatte die Halle 2 für sechs Wochen geschlossen, um zu sehen, wieviel Geld sich bei der hochdefizitären Anlage einsparen lässt. Die Antwort: 35 000 Euro. Viele Eishockey-Mannschaften , die dort ihrem Hobby nachgehen, fürchteten um den Fortbestand der Halle. Eine Angst, mit der Lichtmeß aufräumte. Die wichtigste und gute Nachricht für alle Eissport-Treibenden: Er plane nicht, die Halle dicht zu machen, aber im nächsten Jahr werde es nach den Sommerferien für sechs Wochen erneut kein Eis geben. Als die Fragerunde begann, spielten sich teilweise tumultartige Szenen ab. 

Der Auslöser: Meierhofer versuchte Michael Knye, der eine Unterschriftenaktion pro OEZ mitinitiiert hatte, das Wort zu entziehen, als sie erfahren hatte, dass Knye in Farchant gemeldet ist. „Sie sind kein Bürger“, sagte sie. Die Rathaus-Chefin gab die Zuchtmeisterin, als sie ihm immer wieder das Wort abschnitt, auch als Knye sagte, er besitze die Vollmacht seiner Mutter, die Garmisch-Partenkichnerin sei und damit Rederecht. Das bestritt Meierhofer vehement - und liegt richtig damit. „Bürgerrechte sind nicht übertragbar. Das ist auch per Vollmacht nicht möglich“, erklärte Stefan Scharf, Sprecher des Landratsamts und damit der übergeordneten Behörde. Knye hätte lediglich eine Erklärung seiner Mutter verlesen dürfen oder die Versammlung hätte ihm auf Antrag per Abstimmung Rederecht erteilen können. „Der Markt hat richtig gehandelt“, sagt Scharf.

Die Angelegenheit Olympia-Eissportzentrum beruhigte sich erst, als Ralph Bader, der Manager des SC Riessersee, das Wort ergriff. Er verteidigte die sechswöchige Schließung der Halle 2 im nächsten Jahr und beschrieb sie als das kleinste mögliche Übel. Die Vorgehensweise der Bürgermeisterin hingegen war wenig diplomatisch und kam bei jenen unter den rund 250 Zuhörern, die wegen des OEZ gekommen waren, schlecht an. In den sozialen Medien wurde ihr Stil gestern stark kritisiert.

prei

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