Soll erweitert werden: die Deponie Schwaiganger. Die Einrichtung wird vor allem als Verladestation für Müll genutzt, der zu Verbrennungsanlagen weitertransportiert wird. Die eigentliche Müllhalde wird nicht mehr genutzt. Foto: Herpen

Aufstand der "Wutbürger"

Riegsee - Im Riegseer Ortsteil Hagen rumort es. Der Grund: Die Absicht des Landkreises, die Mülldeponie Schwaiganger entgegen der bisherigen Planung zu erweitern, stößt auf massive Kritik.

Einige Bürger befürchten eine Geruchs- und Lärmbelästigung, eine Verschandelung der Landschaft und einen Wertverlust ihrer Immobilien. Der Riegseer Ortsteil Hagen liegt am nächsten an der Deponie - der Abstand beträgt gerade mal eineinhalb Kilometer - und wäre von neuen Aktivitäten am stärksten betroffen. Die Verärgerung unter den Bewohnern ist groß. Besonders darüber, dass das Landratsamt nicht mit ihnen gesprochen hat. Die Riegseer Gemeinderätin Petra Rueß, die in Hagen lebt, will sich mit Betroffenen zusammenschließen - und gibt sich kämpferisch: „Die Wutbürger aus Hagen werden sich organisieren.“ Das weitere Vorgehen müsse dann besprochen werden.

Die Mülldeponie Schwaiganger, die sich auf Ohlstädter Flur befindet, galt als Auslaufmodell. Sie wird schon seit längerem nicht mehr genutzt und sollte eigentlich renaturiert werden. Doch jetzt kommt es anders: Die Kreisbehörde hat überraschend alte Pläne aus der Schublade gezogen und will die Entsorgungseinrichtung im südlichen Bereich ausbauen. Sie begründet diesen Schritt mit einem Kurswechsel in der Müllpolitik. „Bis vor einigen Jahren haben die Fach- und Genehmigungsbehörden die Ansicht vertreten, dass Deponien künftig nicht mehr benötigt würden. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass für nicht verwertbare Abfälle weiterhin ein Bedarf an Deponien besteht“, erklärt Albrecht Ott, Pressesprecher des Landratsamtes. Aus diesem Grund müssten jetzt „ausreichend Ablagerungskapazitäten“ geschaffen werden. Der Ausbau der Anlage in Schwaiganger sei bereits 1994 genehmigt, damals jedoch nicht weiterverfolgt worden.

Hagens Bürger sind von der neuen Sichtweise alles andere als begeistert - und fühlen sich übergangen. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass dies ohne Beteiligung der Anlieger auf den Weg gebracht wird“, beschwert sich Rueß.

Das Landratsamt versucht indessen, die Befürchtungen der Bürger zu entkräften. Abgelagert werden laut Ott nur so genannte „inerte Materialien“, zum Beispiel künstliche Mineralfasern, Feuerraumasche aus größeren Hackschnitzelheizungen oder Schlacke aus der Müllverbrennung. Diese Stoffe bildeten keine Gase und verursachten daher auch keine Geruchsbelästigung. Mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen sei nur während der Bauzeit zu rechnen.

Mit diesen Erklärungen will sich Rueß nicht zufrieden geben. „Wer weiß, was der Landkreis langfristig mit der Mülldeponie vorhat. Ich bin sehr misstrauisch“, sagt die Volksvertreterin. Es müssten doch Wege gefunden werden, die besagten Materialien auf einer anderen, noch aktiven Halde zu entsorgen. (as)

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