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Seit 1962 gibt es in Saulgrub das Kur- und Begegnungszentrum mit Aura-Hotel, das früher Blindenheim hieß.

Aura-Hotel Saulgrub: Bayerischer Blindenbund und Direktor Thomas Krause gehen getrennte Wege 

Eine Frage der Philosophie

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Saulgrub – Eine frische Brise aus dem Norden sollte durch das Hotel in den bayerischen Bergen wehen und die Basis dafür schaffen, dass sich das Haus „in Management und Marketing weiterentwickelt“.

Ob es letztlich nur bei einem lauen Lüftchen geblieben ist oder ob die Offensive gar zu stürmisch war, sei dahingestellt: Jedenfalls ist die Ära Thomas Krause (58) als Direktor des Aura-Hotels mit Kur- und Begegnungszentrum in Saulgrub schon nach kurzer Zeit wieder vorbei. „Wir haben die Zusammenarbeit mit Herrn Krause beendet“, stellt dazu kurz und knapp Judith Faltl, Landesvorsitzende des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB), fest.

Weiter will sich die ehrenamtlich tätige Vorständin nicht dazu äußern, warum man sich von dem gebürtigen Berliner getrennt hat: „Es sind interne Gründe. Ich möchte die Vergangenheit nicht öffentlich bewertet wissen.“ Mitte Januar 2014 war Krause im Aura-Hotel eingestiegen. Zuvor, von 2011 bis 2013, hatte der gelernte Hotelbetriebswirt und Küchenmeister das Hotel am See Haus Rheinsberg, Deutschlands größtes barrierefreies Hotel, geführt. Und offenbar schnell fühlte sich der damals 55-Jährige in Saulgrub wohl: In einer Pressemitteilung des BBSB erklärte er, dass ihm sofort aufgefallen sei, mit welcher besonderen Fürsorge und herzlichen Art hier die Mitarbeiter den Gästen begegnen. Auch Christian Seuß, Landesgeschäftsführer des Blindenbundes, betonte, dass man sich beim Verband sicher sei, „dass die bayerische und preußische Lebensart gut miteinander harmonieren“.

Hat es wohl nicht. Die Überführung des Hotels in eine gemeinnützige Gesellschaft zum 1. Juli 2014 bereitete Thomas Krause noch vor und wickelte diese auch verantwortlich ab. Warum es jetzt zur Trennung gekommen ist, darüber möchte sich auch der 58-Jährige „zum momentanen Zeitpunkt nicht weiter äußern“. Er sagt nur soviel auf Nachfrage des Tagblatts: „Ich hab’ mir von Anfang an klare Ziele gesetzt, denen ist man dann im Laufe der Zeit zum Teil nicht mehr gefolgt. Meine Philosophie von der Führung eines solchen Betriebs hat sich nicht mit der meines Arbeitgebers gedeckt. Ich habe mir nichts zu schulden kommen lassen.“

Wie geht es nun weiter mit dem Haus, in dem 50 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt sind und das über 25 Doppel- und 39 Einzelzimmer verfügt? Ulrich Jungkurth, langjähriger Rezeptionsleiter im Aura-Hotel, ist bis auf weiteres als Stellvertretender Hoteldirektor eingesetzt und fungiert damit auch als Ansprechpartner vor Ort. Judith Faltl sieht sich in der Rolle der Geschäftsführerin. Für sie ist es jetzt „vor allem wichtig, das Haus stabil in die Zukunft zu führen“. Man werde alles daran setzen, möglichst schnell einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Thomas Krause zu finden: „Wir streben an, die Stelle im ersten Quartal 2017 wieder besetzen zu können.“ Gesucht wird jemand „mit fundierten Erfahrungen in der Hotelbranche“.

Das Anforderungsprofil für die künftige Leitung ist nach Angaben der Landesvorsitzenden auch dahingehend ausgerichtet, das wirtschaftliche Ergebnis „ein Stück weit zu verbessern“. Die Auslastung, die derzeit zwischen 50 und 60 Prozent liege, könne noch gesteigert werden. Faltl wörtlich: „Wir müssen auch schauen, dass es uns gelingt, den erhöhten Aufwand durch mehr Umsatz refinanzieren zu können.“ Vorrangiges Ziel bleibt erst mal die Neubesetzung der Position des Direktors. Derzeit ist das Aura-Hotel wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, ab 20. Dezember will man wieder Gäste willkommen heißen.

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