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Erleichtert und froh sind Dagmar und Hubert Gruber, dass sie es bald ruhiger haben werden. Leicht wird ihnen der Abschied vom Forsthaus Unternogg dennoch nicht fallen.

Wirtsleute Gruber streichen nach neun Jahren die Segel: Sie finden kein Personal mehr

Forsthaus Unternogg steht zum Verkauf

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Altenau - Neun Jahre haben sie "gebuckelt", vor allem an schönen Wochenenden. Jetzt hören Dagmar und Hubert Gruber im Forsthaus Unternogg bei Altenau auf. Sie finden kein Personal mehr. 

Sein Blick schweift durchs Lokal. Dann hält er für einen Moment inne. „Ja, Weihnachten werd’s da herinnen dunkel sei.“ Ein Hauch Melancholie schwingt in den Worten von Hubert Gruber mit. Er und seine Frau Dagmar „ziehen die Reißleine, denn es geht nicht mehr“: Sie finden kein Personal mehr. Nach neun Jahren endet für das Wirts-Ehepaar das Pachtverhältnis im Forsthaus Unternogg. Die Ausflugsgaststätte steht zum Verkauf – für 1,2 Millionen Euro, nachzulesen in einem Immobilienforum im Internet.

Nach Kirchweih (16. Oktober) ist für die Grubers Schluss, dann gehen für sie „neun intensive Jahre“ zu Ende. Und doch kehren die beiden, wie man vielleicht meinen könnte, der Gastronomie nicht den Rücken. Nur wird für sie alles ein, zwei Nummern kleiner. Ab Dezember übernehmen Hubert und Dagmar das Wirtshaus Acheleschwaig, das der Familie Fischer gehört. Das hatte zuletzt nur noch dreimal pro Woche von 12 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Künftig will sich Tassilo Fischer, der den ehemaligen Gutshof 2006 gekauft und in großem Stil saniert hat, gänzlich der Landwirtschaft auf seinem Anwesen widmen.

An schönen Tagen regelrecht überrollt

An ihre ersten Jahre im Forsthaus Unternogg – dort, wo einst schon König Ludwig II. einkehrte und fürstlich speiste, als er mit der Kutsche zwischen Linderhof und Neuschwanstein unterwegs war – erinnern sich die Grubers noch gut: „Damals waren wir vier Köche und acht, neun Leute im Service, das waren noch Zeiten“, blickt Hubert zurück. Die Situation heute: Der 54-Jährige steht oft alleine in der Küche, und als Bedienung hat Dagmar nur noch eine langjährige, gute und fleißige Kraft. Die Chefin vom Forsthaus schildert die Bemühungen: „Wir haben immer wieder händeringend Bedienungen gesucht, ohne Erfolg. Deutschsprachiges Personal gibt es so gut wie gar nicht mehr, und ausländische Mitarbeiter zieht es in die Städte, wo in der Freizeit viel mehr los ist. Bei uns hinten in Unternogg ist ja nach der Arbeit außer der Natur eher wenig geboten. Man braucht immer ein Auto.“

Vor allem an schönen Wochenenden im Sommer, wenn Ausflügler, Wanderer und Radfahrer den idyllischen Gasthof mit 150 Sitzplätzen im Innern und knapp 200 draußen regelrecht überrollen, stoßen die Grubers personell an ihre Grenzen. Den Biergarten haben sie sogar schon mit einer Flatterleine sperren müssen, weil sie keine Bedienung hatten. „Wenn Du sagen musst, hoffentlich wird’s am Wochenende nicht so schön, dann stimmt irgendwas nicht mehr. Von uns hat jeder auch nur zwei Arme.“ Nicht nur bei Ausflüglern galt das Forsthaus Unternogg als begehrtes Ziel, auch bei den Einheimischen war es all die Jahre eine beliebte Einkehr: Ob Hochzeiten, Kommunionfeiern, Geburtstage oder der regelmäßige Stammtisch am Sonntagabend. Dort wird am meisten bedauert, dass die Grubers aufhören. Einige haben schon angekündigt, dass sie den Wirten in die „Ochala“ folgen wollen.

Ihre künftige Wirtschaft, die auf Saulgruber Flur liegt, werden Dagmar und Hubert von Freitag bis Montag öffnen und weitgehend selber bewirtschaften. Der 54-Jährige: „Ich möchte auch noch zum Radlfahren gehen, solang ich’s noch kann.“ Außerdem blieb ihm in Unternogg nur wenig Zeit für sein großes Hobby, die Jagd: „Von der Hirschbrunft hab ich heuer noch gar nichts mitgekriegt.“ Noch einmal beteuern die Wirtsleute, „dass wir nicht weglaufen, aber wir müssen kapitulieren, weil wir es allein nicht mehr stemmen können.“ Am Ende klingt Hubert Gruber auch ein wenig verbittert und frustiert, wenn er sagt: „Du findest heute in der Gastronomie niemand mehr, der arbeiten mag . . .“

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