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Hatte die Offiziere geladen: Oberstabsfeldwebel a. D. Jürgen Schreier (l.). Michael Larisch, Michael Schaumlöffel, Larisch, Benjamin Fabinger, Christopher Dreischarf und Danny Graupner (v. l.) berichteten von ihren Auslandseinsätzen; rechts Kommandeur Jürgen Eckert.

Bundeswehr

Auslandseinsätze: 75 Murnauer Soldaten in sechs Ländern

Murnau - Murnauer Soldaten erzählten bei einem Kameradschaftsabend von ihren Einsätzen im Ausland.

Sie trotzen Hitze, Staub, Matsch und Sandstürmen und kämpfen mit giftigen Schlangen und Skorpionen. Welche persönlichen Eindrücke Offiziere des in Murnau stationierten Führungsunterstützungsbataillons 293 von ihren Auslandseinsätzen mitgebracht haben, schilderten fünf von ihnen bei einem Kameradschaftsabend der ehemaligen Soldaten, Reservisten und Hinterbliebenen im Bundeswehrverband im Offiziersheim am Kemmelpark. Gegenwärtig laufen 17 Einsätze mit 3300 deutschen Soldaten, war von Kommandeur Oberstleutnant Jürgen Eckert zu erfahren, davon 75 aus Murnau in sechs Ländern. Ihre Hauptaufgaben lägen dabei im Bereich des Fernmeldewesens und der Ausbildung der dort heimischen Streitkräfte.

Von einer gefährlichen Mission wusste etwa Oberfeldwebel Christopher Dreischarf zu berichten, der von Oktober 2015 bis Januar 2016 im Nordirak stationiert war. Haarsträubend muteten seine Ausführungen über die Kampftaktik des IS an, der mit speziell ausgerüsteten Panzerfahrzeugen die Frontlinien durchbricht, gefolgt von einem mit Sprengstoff beladenen LKW, der anschließend in die Luft gejagt wird. Die deutschen Soldaten stünden bei der kurdischen Bevölkerung hoch im Kurs, sagte er weiter: „Wir wurden sehr freundlich aufgenommen.“

Kaum weniger gefährlich war der Einsatz von Oberleutnant Benjamin Fabinger, der von März bis Juli 2015 in Afghanistan verbrachte. Bei Temperaturen bis 55 Grad plus habe man die Container im Lager nicht mehr anfassen dürfen: „Sonst hat man Brandblasen bekommen.“ Ein Stück bayerische Heimat hätten sich die Soldaten durch die Aufstellung eines Maibaums ins Camp geholt. Unter großer Hitze hatte auch Hauptfeldwebel Michael Larisch zu leiden, der seine Eindrücke aus Mali von April bis August vergangenen Jahres umriss. Irritiert zeigte er sich über die zweifelhafte Art der medizinischen Versorgung in diesem Land: „Vor unserem Lager ist ein schwerer Verkehrsunfall passiert, wir haben die Verletzten versorgt. Wenn man dort beim Arzt auftaucht, und nicht gleich ein paar Scheine rüberrückt, wird man einfach stehengelassen.“

 Klimatisch angenehm und ziemlich ruhig ging es dagegen bei Oberstabsfeldwebel Michael Schaumlöffel zu, der 2015 bereits zum dritten Mal im Kosovo stationiert war. Er ärgerte sich über das dort fehlende Umweltbewusstsein: „Krankenhausabfälle werden einfach in die Natur gekippt. Dabei ist das Land eigentlich wunderschön.“ Spezialaufgaben hatte indessen Major Danny Graupner als UNO-Militärbeobachter im Sudan zu erledigen. „Da waren Selbstständigkeit und sehr viel Flexibilität gefragt“, sagte der Offizier. Hohe Temperaturen bis 45 Grad machten ihm nicht allzu viel aus: „Im Gegensatz zu Mali gibt es dort eine sehr trockene, angenehme Hitze.“ Kuriosität am Rande: Mitten im muslimisch geprägten Khartum entdeckte er eine katholische Mädchenschule, und in der Wüste historische Pyramiden. Bewegt zeigte er sich von der kargen, aber eindrucksvollen Natur in dem ostafrikanischen Land: „Es ist einfach atemberaubend, durch die Wüste zu fahren, und plötzlich taucht das grüne Band des Nils am Horizont auf.“

Heino Herpen

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